Bücher im September – Part II
Und finally: Teil zwei der September-Bücher!
Sebastian Fitzek – Splitter
Seit einiger Zeit “verfolge” ich Sebastian Fitzek auf twitter und musste dabei feststellen, dass er sich scheinbar recht gerne online selbst inszeniert. Sollte das nicht der Fall sein und er ist tatsächlich als Mensch so drauf, wie er sich im Netz gibt, scheint er aber ein ganz cooler Kerl zu sein. Wie dem auch sei: Vor einigen Wochen ist sein neuer Roman erschienen und als bisher recht begeisterter Leser der vorherigen Psycho -”Thriller” habe ich mir auch “Splitter” nicht entgehen lassen.
Bei einem Autounfall hat Marc Lucas seine Frau und ihr gemeinsames ungeborenes Kind verloren; zusätzlich hat sich ein Splitter in seinen Hinterkopf gebohrt, der nicht rausoperiert werden kann und aufgrund dessen er regelmäßig Medikamente nehmen muss. Um die Erinnerung an den furchtbaren, selbst verschuldeten Unfall loszuwerden, geht er schließlich in eine Klinik, die ihm mit einem Experiment dabei helfen will. Marc entschließt sich jedoch gegen das Experiment und verlässt die Klinik wieder. Als er nach Hause kommt, passt allerdings sein Schlüssel nicht mehr und das Namensschild wurde ausgetauscht – und die Tür wird von seiner vermeintlich toten Frau geöffnet. Unter Marcs Handynummer meldet sich eine fremde Person, die behauptet, er selbst zu sein. Verzweifelt irrt Marc durch seine Heimatstadt, auf der Suche nach der Wahrheit und nach sich selbst…
Ohne den Ausgang vorweg zu nehmen, möchte ich sagen, dass mich dieses Ende von denen in Fitzeks Büchern noch am meisten enttäuscht hat. Bereits das Ende von “Das Kind” fand ich sehr schwach und unglaubwürdig, aber noch einigermaßen akzeptabel. Aber der Ausgang von “Splitter” ist für mich fast schon ins Lächerliche geraten.
(Interessanterweise habe ich kurze Zeit später den Film “Awake” gesehen und hier war der Hauptplot bzw. die Intentionen der Protagonisten sehr ähnlich – im Gegensatz zu “Splitter” wurde “Awake” aber viel glaubhafter und beklemmender erzählt. Zumindest meines Erachtens.)
Mit einem anderen Schluss hätte “Splitter” ein super Psycho-Thriller werden können. Nein, ich muss sagen, vor der Auflösung IST es eine wunderbar gruselige, beängstigende Geschichte. Umso mehr ärgert es mich, dass sich Fitzek scheinbar immer wieder davon leiten lässt, ein tolles Szenario aufzubauen, ohne sich ausreichend Gedanken um ein plausibles Ende zu machen. Meine Verärgerung diesbezüglich steigert sich leider von Buch zu Buch.
(5 von 10)
Nick Hornby – How to be good
Mein vorerst letztes Buch aus der “Jessie liest Nick Hornby”-Reihe – weitere Bücher des Autoren lagen in der Uni-Bib nämlich leider nicht vor.
Man sollte meinen, dass Katie als Ärztin mit einem tollen Job, viel Geld, einem Ehemann und zwei Kindern in einer riesigen Wohnung glücklich ist. Aber wieso hat sie dann eine Affäre mit einem anderen Mann, obwohl sie doch schließlich Ärztin und somit ein “guter Mensch” ist? Ganz einfach: Ihr Mann David ist ein Arschloch! Als Katie ihm ihre Affäre gesteht, verschwindet David und taucht kurze Zeit später, die er bei einem Heilpraktiker namens DJ Good News verbracht hat, wieder zu Hause auf – mit dem Guru im Schlepptau und als “neuer” Mensch. Gemeinsam vollbringen die beiden alle möglichen guten Taten, die jedoch häufig schief gehen – z.B. wird fast das gesamte Spielzeug der Kinder an die Bedürftigen verschenkt, obdachlosen Kindern werden Heime in der Nachbarschaft geschaffen (und die Kiddies stehlen natürlich alles, was nicht niet- und nagelfest ist) und sowieso wird das moderne, technologische Leben überschätzt! Doch wenn Katie ein so “guter” Mensch ist, wieso bringen die menschenfreundlichen Taten ihres Mannes sie dann fast um den Verstand…?
Wie die vorherigen Werke Hornbys hat mir auch “How to be good” sehr gut gefallen, wenn es auch teilweise einfach sehr, sehr merkwürdig war. Obwohl Katie durch ihr Fremdgehen und einige Charaktereigenschaften nicht unbedingt die typische Sympathieträgerin ist, konnte ich mich recht gut mit ihr identifizieren. Ihre Wut auf die selbstlosen Aufopferungen Davids und die Gutmenschlichkeit von DJ Good News konnte ich sehr gut nachvollziehen – und ein bisschen habe ich mich dabei in meinem Egoistentum ertappt gefühlt, denn schließlich haben sie ja eigentlich menschenfreundliche, hilfreiche, eben GUTE Taten vollbringen wollen. Was genau die moralische Botschaft am Ende nun sein sollte, ist mir auch nicht bewusst geworden. Oder war gerade DAS die moralische Botschaft? Wer weiß.
Teilweise hat sich das Buch ein bisschen gezogen und ich habe länger daran gelesen, als an den anderen Hornby-Büchern. Das Ende hat mich auch nicht gerade vom Hocker gerissen und war einfach zu vorhersehbar.
Alles in allem nicht Hornbys bestes Buch, aber trotzdem sehr gut lesbar und wie immer zuweilen sehr amüsant.
(6.5 von 10)
Sabine Thiesler – Die Totengräberin
Mein drittes Buch von Thiesler, an das ich mit zumindest der Erwartung gegangen bin, eine spannende Geschichte mit intelligentem Plot lesen zu können und gut unterhalten zu werden. Diese Erwartungen wurden nur teilweise erfüllt.
Magdas Ehemann Johannes hat sie betrogen und für Magda gilt: Wenn einer den anderen betrügt, ist das Leben zu Ende. Das ist auch der Grund dafür, dass sie ihren Mann vergiftet und anschließend im Garten des Ferienhauses in der Toskana begräbt. Sie meldet ihn bei der Polizei als vermisst und hofft so, sich aus der Affäre ziehen zu können. Kurz darauf erscheint jedoch ihr Schwager Lukas, der schon seit Jahren in sie verliebt ist und nach einigen vorgetäuschten Suchaktionen ist Magda plötzlich davon überzeugt, dass Lukas der wieder aufgefundene Johannes ist…
Ich muss gestehen, dass mich das Buch in gewisser Weise sehr gefesselt hat und ich für die knapp 500 Seiten nur etwas mehr als zwei Tage benötigt habe. Trotzdem möchte oder eher KANN ich nicht sagen, dass es ein gutes Buch war. Der Plot war für meinen Geschmack etwas zu abgehoben und die Rechtfertigung der psychischen Instabilität der Protagonistin durch ein furchtbares Vaterbild in der Kindheit viel zu klischeehaft. Außerdem war keine der literarischen Figuren auch nur im Ansatz sympathisch – und ohne Identifikationspotential macht mir ein Buch meistens nicht soviel Spaß. (Ausnahmen bestätigen die Regel)
Aufgefallen ist mir außerdem, dass der Schreibstil teilweise zwischen miserabel, akzeptabel und gut geschwankt hat; gute Lektorarbeit oder der Versuch, je nach P.O.V. im Stil zu variieren? Man weiß es nicht, aber mir hat es nicht zugesagt.
(6 von 10 – für den “Fessel”-Faktor)
Part III gibt’s voraussichtlich Anfang nächster Woche.
Bücher im September – Part I
Die Bücher im September werden auf insgesamt drei entries mit jeweils drei Bewertungen verteilt – nur mal so als Vorabinfo. Im letzten Monat habe ich es nämlich tatsächlich geschafft, ganze neun Bücher zu lesen. Auf dem aktuellen Stand der Dinge bezweifele ich allerdings, dass dieser Trend im Oktober fortgesetzt wird…
Neil Gaiman – Coraline (Audiobook)
Nachdem ich den Film von Tim Burton, der auf diesem Roman beruht, vor nicht allzu langer Zeit im Kino – leider in der Nachmittags-Kinder-Vorstellung mit einem Batzen tratschender Mädchen im pre-pubertären Alter – gesehen habe, war meine Neugier auf das Buch geweckt. Da ich zur gleichen Zeit ein neues Hörbuch für meine pseudo-sportlichen Aktivitäten gesucht habe, kam “Coraline” wie gerufen.
Aber zur Story: Die 10jährige Coraline Jones ist mit ihren Eltern in eine heruntergekommene, jenseits der Zivilisation liegende Villa gezogen und langweilt sich jeden Tag zu Tode. Ihre Eltern arbeiten beide Tag und Nacht vor ihren Computern und haben keine Zeit für ihre Tochter. Während Coraline ihr neues Zuhause untersucht, trifft sie auf die verschrobenen Varieté-Künstlerinnen Miss Spink und Miss Forcible (und ihre zahlreichen Hunde), die im Keller der Villa leben sowie auf den russischen Zirkus-Mann Mr. Bobinsky, der eine Horde Springmäuse trainiert. Im Wohnzimmer ihrer eigenen Wohnung findet sie eine mysteriöse verschlossene Tür: Als sie ihre Mutter bittet, die Tür aufzuschließen, befindet sich dahinter allerdings nur eine Mauer. Als sie nachts jedoch von einer Springmaus geweckt und erneut zur Tür geführt wird, befindet sich dahinter eine altbekannte, aber doch völlig neue Welt: Dort findet sie ihre “anderen” Eltern, die genau so aussehen wie Coralines richtige Eltern – jedoch mit großen Knöpfen anstatt von Augen und dem Unterschied, dass sie sich um Coraline bemühen, für sie kochen und ihr die Aufmerksamkeit zukommen lassen, die sie so schmerzlich vermisst hat. Doch nicht alles in der “anderen” Welt ist so schön, wie es auf den ersten Blick scheint…
Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass Coraline eher ein Kinderbuch ist, aber es hat mir sehr viel besser gefallen als “Stardust”. Der Stil hat mir eher zugesagt – trotz der teilweise irritierend kurzen Sätze, die aber irgendwie– nun, gepasst haben -, die Story und die Charaktere waren schön verschroben und die Atmosphäre extrem fesselnd, was sicherlich auch an der Art und Weise des Vorlesens lag. Besonders schön fand ich dabei, dass das Audiobook von Neil Gaiman selbst gelesen wurde.
Zwischen Buch und Film es hier und da einige kleine, aber auch einige große Unterschiede (die Figur des Wybie z.B. existiert in der Vorlage gar nicht); mir fällt es schwer, zu sagen, was mir besser gefallen hat – und deswegen lasse ich es auch bleiben und kann für beides eine Empfehlung aussprechen! ![]()
(8 von 10)
Stephen King – Wahn
Hierbei handelt es sich um das zweite Buch von Stephen King, das ich mir vor kurzem aus der Stadtbibliothek ausgeliehen habe. Und bevor ich etwas über die Story sage: Es war so LANG. Ich mag lange Bücher, wenn die zahlreichen Seiten gut und spannend ausgefüllt sind, aber dieses Buch war einfach nur– lang.
Protagonist ist Edgar Freemantle, der nach einem Unfall auf einer Baustelle einen Arm verloren und einige Hirnschäden davongetragen hat. Nachdem sein Körper wieder einigermaßen funktioniert, seine Ehe jedoch aufgrund seiner unkontrollierbaren Wutausbrüche längst in die Brüche gegangen ist, zieht er auf die Insel Duma Key und beginnt dort, zu malen. Überraschenderweise sind Edgars Bilder überdurchschnittlich gut – problematisch ist nur, dass sie ein Eigenleben entwickeln und das, was er zeichnet, wahr werden lassen.
Das ist jetzt nur ein grober Überblick der “Hauptgeschichte”, denn es gibt noch einen Haufen an Nebensträngen und fast unüberschaubar viele Charaktere, einen bösen “Dämon” namens Perse, der an den Bildern beteiligt ist, die Erzählung der Vergangenheit von Egdars an Demenz leidender alter Nachbarin, und und und.
Ich bin eigentlich ein Fan von extrem detaillierten Geschichten, aber bei “Wahn” war es mir einfach doch zuviel des Guten. Ich bin mir sicher, dass man die Story locker auf 200 bis 300 Seiten weniger genau so gut – denn eine gute Geschichte ist es, das kann und möchte ich nicht abstreiten – hätte erzählen können. Die Charaktere sind wie fast immer bei King extrem glaubhaft und realistisch ausgearbeitet, die Beziehungen der Figuren untereinander wunderbar beschrieben und auch die Umgebung konnte (und kann!) ich mir sehr gut vorstellen. Die Atmosphäre hat wegen der besagten, sich oft eher ziehenden Erzählung ziemlich gelitten, an den Story-Höhepunkten hat aber alles gepasst.
Ein weiterer negativer Aspekt, für den King jedoch nichts kann: Die Übersetzung. Ich habe es schon des öfteren erwähnt, aber wenn mir auffällt, wie beschissen direkt ein Buch übersetzt wird, ohne jegliches Gefühl für die englische und/oder deutsche Sprache, dann rollt es mir beim Lesen die Fußnägel hoch und ich habe das Bedürfnis, das Buch gegen die Wand zu klatschen. Schön und gut, man möchte die neuen Bücher möglichst früh auf den deutschen Markt bringen. Aber ist das tatsächlich ein Grund, schnell und scheinbar ohne Korrekturlesen eine Übersetzung rauszuklatschen, in der – um nur ein Beispiel zu nennen – “friends with benefits” als “Freunde mit Zuwendungen” übersetzt wurde? Seriously?! Jeder Vollhorst, der nur ein bisschen Ahnung von Englisch hat, ja sogar Herr Westerwelle hätte sicher eine korrektere Übersetzung finden können, meine Güte!
(Ich schiebe es auf mein Studium, aber über sowas könnte ich mich stundenlang aufregen. Argh!)
(6.5 von 10 – es wären vielleicht mehr geworden, wenn dieses Buch nicht so extrem in die Länge gezogen wäre…)
Arina Tanemura – Mistress Fortune (Manga)
Angeregt durch das erneute Lesen von “Full Moon wo Sagashite” für meine Magisterarbeit, habe ich mich auf der diesjährigen AnimagiC dazu hinreißen lassen, mir diesen one-shot von Arina Tanemura zuzulegen. Auch wenn die Story mir nicht gefällt, so dachte ich mir, so sind zumindest die Zeichnungen (fast) immer einen Kauf von Tanemuras Werken wert.
Die Geschichte des Manga ist dann auch ziemlich – ich kann es nicht anders sagen – Banane: Die 14-jährige Kisaki Tachikawa ist ein ganz normaler Teenager (mit unnormal großen Brüsten, lol MANGA-KLISCHEE! Und sowas in einem Shôjo-Manga…) – abgesehen von ihren übernatürlichen Kräften. Mit dem ebenfalls 14-jährigen Giniro – in den sie natürlich heimlich verliebt ist, der das natürlich auch (heimlich) erwidert – arbeitet sie unter dem Namen “Fortune Tiara” bei einer Geheimorganisation der Regierung und beschützt die Menschheit vor merkwürdigen außerterrestrischen Wesen. Weil die beiden jedoch in einem Team (genannt “Mistress Fortune”) zusammenarbeiten, dürfen sie keine persönliche und schon gar keine romantische Beziehung miteinander eingehen. Drama ist vorprogrammiert.
Obwohl die Action hier wohl auch eine wichtige Rolle spielen soll, stehen – natürlich – die zwischenmenschlichen Dinge im Vordergrund. Dazu gehört vor allem Kisakis Liebe zu Giniro und im weiteren Verlauf das Aufdecken von Giniros Vergangenheit. Da es sich auch mehr oder minder um einen Magical Girl Manga handelt – es gibt auch eine Art
“Verwandlungsszene”, wenn ich mich richtig erinnere – gibt es auch ein Maskottchen: Ebeline, eines der kleinen, plüschigen, außerirdischen Wesen. (Ja, die Außerirdischen sind plüschig. Es ist eben doch ein Shôjo-Manga.)
Ehrlich gesagt ist kaum etwas vom Manga bei mir hängen geblieben, da er einfach eine Spur *zu* seicht war. Die Namen der beiden Protagonisten musste ich tatsächlich nachschlagen, weil ich mich schlicht nicht mehr erinnern konnte und sie mir als Charaktere kaum im Gedächtnis geblieben sind. Das ist sehr schade, denn nach wie vor mag ich den Zeichenstil Tanemuras wirklich sehr gerne. Nach Full Moon und KKJ hat mir jedoch nie wieder eines ihrer Werke richtig gut gefallen; Shinshi Doumei Cross habe ich nach nur fünf Bänden aufgegeben, weil es einfach nicht zu mir durchgedrungen ist. Außerdem sehen die Charaktere sich zu häufig einfach ZU ähnlich. Kisaki hat mich z.B. extrem stark an Kyoko aus “Time Stranger Kyoko” erinnert.
Ob ich einem weiteren Werk Tanemuras eine Chance gebe – “Sakura Hime” klingt zumindest interessant, aber ist noch nicht in Deutschland erschienen – weiß ich momentan noch nicht.
(5 von 10 – hauptsächlich für die hübschen Zeichnungen.)
Bücher im August 2009 – Part II
Tja, das hat wohl nicht so ganz geklappt mit “noch in dieser Woche”. Egal – I’m back! (… und dabei ist schon fast Oktober.)
Nick Hornby – About a Boy
Wie bereits zuvor angekündigt, habe ich mir noch weitere Bücher von Hornby zu Gemüte geführt. Dieses Werk wurde mir – nach jahrelanger Planung und stets neuer Ver-Planung – vom lieben Basu ausgeliehen.
Die Geschichte ist vermutlich vielen bereits aus der Verfilmung mit Hugh Grant bekannt: Protagonist ist der Mittdreißiger Will, der noch nie in seinem Leben gearbeitet hat und nur vom Geld seines Vaters lebt. Eines Tages kommt ihm die “geniale” Idee, sich als alleinerziehender Vater auszugeben, um junge, alleinerziehende Mütter aufzureißen. So lernt er schließlich den 12jährigen Marcus und dessen attraktive Mutter Fiona kennen – nach einem Ausflug mit Marcus und der besten Freundin von Marcus’ Mutter (aufgrund der Ermordung einer Ente durch ein Stück Brot zum “Tag der toten Ente” erklärt) finden sie Fiona jedoch halbtot zu Hause auf: Sie hat versucht, sich das Leben zu nehmen. Das bisher so unkomplizierte Leben von Will ändert sich schlagartig, denn auch er trägt nun – mehr oder weniger freiwillig – die Verantwortung für Marcus, der alles andere als ein “normaler” 12jähriger Junge ist. In der Schule wird er gemobbt, seine Interessen und seine Kleidung liegen jenseits der von anderen Teenagern anerkannten Norm und noch dazu verliebt er sich in die 15jährige Schlägerin der Schule…
Dieses Buch war so ganz anders als die ersten drei, die ich bisher von Hornby gelesen habe. Zwar stehen auch hier die Liebe und die Beziehungen zwischen Mann und Frau häufig im Mittelpunkt; viel wichtiger ist jedoch das character development von Will, der sich vom faulen Sexisten fast schon zu einem männlichen “Vorbild”, zu einer Art Teilzeit-Vater entwickelt und es nach und nach schafft, auch Verantwortung zu übernehmen und sich mit Problemen, die andere Menschen beschäftigen, auseinander zu setzen und ihnen zu helfen. Diese Entwicklung – ausgelöst durch den jungen Marcus – geht sehr langsam vonstatten, aber sie ist ausgesprochen interessant und vor allem amüsant zu lesen.
Was Hornbys Stil angeht, gilt nach wie vor das, was ich im vorherigen Eintrag geschrieben habe. Ich beneide Basu darum, dass er so ein tolles Buch im Englisch-Unterricht lesen durfte. ![]()
(8 von 10)
Kyoichi Katayama / Kazumi Kazui – Cry Out For Love (Manga)
Kurz eine Anmerkung dazu: Ich habe mich entschlossen, one-shot Manga mit in die Liste der Bücher aufzunehmen, da sie für mich – trotz ihres Status als Comics – eben auch genau das sind: Bücher. Dieses spezielle Werk habe ich aus einem Impuls heraus bei eBay ersteigert.
Die beiden Teenager Sakutaro und Aki gehen in die gleiche Klasse, verlieben sich ineinander und unternehmen gemeinsam all die Dinge, die junge Pärchen miteinander erleben. Nach einiger Zeit erkrankt Aki jedoch an Leukämie und letztlich erliegt sie ihrer Krankheit. Sakutaro nimmt sich ihrer Asche an, um sie nach Australien zu bringen und dort zu verstreuen – denn eine Reise nach Australien war immer Akis großer Traum.
Ich habe den Manga in einem Rutsch durchgelesen und hätte vermutlich auch gar nicht zwischendurch aufhören können. Er war nicht per se “spannend”, aber es wurde eine wirklich sehr schöne, m. E. realistische und auch sehr ergreifende Liebesgeschichte erzählt; ich habe mich dabei ertappt, dass ich – obwohl mir natürlich von Anfang an der Tod Akis bewusst war – auf ein glückliches Ende gehofft habe, das leider nie kam.
Die Zeichnungen selbst sind – soweit ich das überhaupt bewerten “darf” – eher durchschnittlicher Art. Allerdings ist das möglicherweise auch einfach auf den Stil des Mangaka zurückzuführen und deswegen möchte ich mich um eine Bewertung lieber drücken. Hinzu kommt, dass die Geschichte selbst die Handlung trägt und der Zeichenstil kaum von Relevanz ist.
Meiner Meinung nach ist “Cry Out For Love” auch für Nicht-Manga-Fans einen Blick wert.
(7.5 von 10)
Stieg Larsson – Vergebung
Der dritte (und leider auch der letzte) Teil der Millennium-Trilogie von Larsson – und der einzige Band, der mich ein wenig enttäuscht hat.
Der zweite Band endete mit Lisbeths fehlgeschlagenem Versuch, ihren Vater zu ermorden – sie selbst wird mit einer Kugel im Kopf, ihr Vater Zala mit schweren Verletzungen durch eine Axt ins Krankenhaus geliefert: beide überleben. Lisbeth steht noch immer im Verdacht, die im zweiten Band geschehenen Morde an den Journalisten (sowie an ihrem Betreuer) begangen zu haben und sobald sie vollständig genesen ist, soll sie vor Gericht treten. In der Zwischenzeit versucht Mikael alles Menschenmögliche, um die Polizei von Lisbeths Unschuld zu überzeugen. Doch dass Lisbeth ins Gefängnis oder gleich in eine geschlossene Anstalt (oder am allerbesten: unter die Erde) wandert, um nichts über die dunklen Machenschaften und das Komplott der schwedischen Geheimdienste verraten zu können, ist das Ziel der Mächte, gegen die Mikael zu kämpfen hat…
Das Buch war mit seinen fast 900 Seiten wirklich extrem lang. Nun ist dazu zu sagen, dass auch wirklich sehr viel Inhalt in diese 900 Seiten verpackt wurde – und dennoch hatte das Buch einige quälende Längen und kam m. E. erst so richtig in Fahrt, als Lisbeth vor Gericht aussagte. Das wiederum ist für mich eine der besten Szenen der gesamten Trilogie, weil sie einfach ungemein befriedigend ist: Die “Bösen” bekommen endlich, was ihnen zusteht. (Nachvollziehbar ist das wohl nur, wenn man beim Lesen einen riesigen Hass auf den perversen und pädophilen Psycho-Doc aus dem zweiten Band entwickelt hat, wie es bei mir der Fall war) Ansonsten ist das Buch zwar keineswegs langweilig, aber ein paar Seiten weniger und eine kompaktere Erzählweise hätten ihm – so empfand ich es – gut getan.
Nichtsdestotrotz ein sehr würdiger Abschluss für eine wundervoll spannende Trilogie mit noch wundervolleren Charakteren, die mir bereits jetzt ein wenig fehlen. Stieg Larsson ist definitiv einer der Autoren, die viel zu früh gestorben sind.
Und nun bin ich auf die Verfilmung der Bücher gespannt…
(7 von 10)
Stephen King – Qual
Zunächst: Ja, “Just After Sunset” hat meine Liebe zu King wieder ein wenig aufleben lassen und ich habe mich schlau gemacht, was in der letzten Zeit Neues von ihm in unserer Stadtbücherei eingegangen ist. “Qual” gehörte (neben “Wahn”) zu den Neuanschaffungen.
Blaze wurde als kleiner Junge regelmäßig von seinem Alkoholiker-Vater misshandelt; als er ihn eine Treppe herunterschubst, hinterlässt dies bleibende Schäden in der Psyche des Jungen und er lebt von nun an als geistig Zurückgebliebener, als “Schwachkopf”, wie er sich selbst – und sein bester, jedoch verstorbener Freund George, dessen Stimme Blaze immer wieder in seinem Kopf vernimmt – nennt. George (bzw. dessen Stimme), der Blaze zu einem Kleinkriminellen gemacht hat, nötigt ihn schließlich dazu, einen besonders großen Coup zu landen: Er soll das Baby eines reichen Ehepaares entführen und Lösegeld fordern. Die Entführung gelingt ihm – und jetzt befindet Blaze sich mit dem Baby auf der Flucht…
“Qual” ist eines der Bücher, das Stephen King unter seinem Pseudonym “Richard Bachmann” veröffentlicht hat – noch dazu stammt es ursprünglich aus den 1970ern, wurde jedoch erst vor zwei Jahren in den USA (als Buch) publiziert. Ich muss ganz ehrlich gestehen: Das merkt man sehr stark am Schreibstil. Unabhängig davon, dass die deutsche Übersetzung ein Griff ins Klo ist (über sowas könnte ich mich echt tierisch aufregen…), ist der Stil noch sehr unausgereift und man erkennt leicht die überarbeiteten Passagen. Natürlich ist es auch möglich, dass King absichtlich so “anders” geschrieben hat – schließlich schreibt man ja nicht umsonst unter einem Pseudonym.
Nichtsdestotrotz hat mir “Qual” auch wegen der von Kings Stil abweichenden Schreibe nicht besonders gut gefallen, obwohl die Thematik Potential hat. Insbesondere die Passagen, in denen Blazes Vergangenheit nach und nach aufgerollt wird und wie er eine Beziehung zu dem Baby aufbaut, haben mir sehr gut gefallen.
(6 von 10)
Bücher im August – Teil I
Ich entschuldige mich für die lange Wartezeit – obwohl ich zurzeit über sehr viel freie Zeit verfüge, fällt es mir schwer, etwas Konstruktives zu fabrizieren, in allen Bereichen meines Lebens. Ich weiß auch nicht, woran das liegt.
Nick Hornby – High Fidelity
Nachdem boyfriend mir bereits zwei Bücher von Hornby ausgeliehen hat (“A Long Way Down” und “Slam”) und mich beide ziemlich begeistern konnten, habe ich in der Uni-Bib Ausschau nach weiteren Werken
gehalten und mir als erstes “High Fidelity” ausgeliehen.
Protagonist des Buches ist der Thirtysomething Rob, der einen kleinen Plattenladen in London besitzt und sich durch seine selbst propagierte Durchschnittlichkeit, aber überdurchschnittliche Musikkenntnis auszeichnet. Zu Beginn des Romans stellt er seine Top 5 Liste an Liebes-Enttäuschungen vor (beginnend im zarten Pre-Teenager-Alter bis hin zur Gegenwart) und eigentlich geht es auch auf den folgenden Seiten primär um Robs Ex-Freundinnen bzw. den Versuch, über seine Beziehung mit seiner aktuellsten Ex Laura hinwegzukommen im Wechselspiel mit dem Versuch, sie zurückzugewinnen.
Das klingt alles nicht gerade innovativ – aber das muss eine Geschichte ja auch nicht sein, wenn sie gut erzählt wird. Und das kann Nick Hornby – zumindest für meinen Geschmack – einfach verdammt gut. Obwohl es eigentlich immer um Liebe geht, erzählt er angenehm unidealisiert und jenseits des Kitsches, sehr realistisch und vor allem mit viel Humor, ohne ins Alberne abzugleiten (okay, manchmal schon, aber das ist auch in Ordnung, solange es nicht übertrieben wird).
Das Besondere an “High Fidelity” ist außerdem der Bezug zur Musik. Um ehrlich zu sein kenne ich mich mit den Songs, über die gesprochen wird (~70er Jahre) kaum aus, aber das ist auch gar nicht so wichtig.
Pro-Tipp: Hornby unbedingt auf Englisch lesen oder es lieber gleich sein lassen. (Zwar habe ich Hornby noch nie auf Deutsch gelesen, aber ganz ehrlich: Das kann doch nur schief gehen…)
(8 von 10)
Stieg Larsson – Verdammnis
Über Larssons ersten Roman der Millennium-Trilogie habe ich bereits nur gute Worte verloren – und die Fortsetzung schließt (beinahe) nahtlos an meine Begeisterung an.
Auch im zweiten Band geht es um ein sehr brisantes Thema: Mädchenhandel und (Kinder-)Prostitution. Ein junger Journalist und seine Freundin bieten Mikael Blomkvist und seiner Zeitung Millennium eine ausführlich recherchierte Geschichte an, die – wie bereits die Wenneström-Affäre im ersten Buch – einen Skandal in Schweden auslösen wird. Der Journalist und seine Freundin werden jedoch kurz darauf tot in ihrer Wohnung aufgefunden und der Verdacht fällt auf die sozial inkompetente Lisbeth Salander, die einige Monate untergetaucht war und keinen Kontakt mehr mit Mikael haben wollte. Durch ihren unkonventionellen Lebensstil und ihre früheren Aufenthalte in Psychiatrien, die in den Medien zerrissen werden, ist bald das gesamte Land von Lisbeths Schuld überzeugt und (nicht nur) die Polizei sucht verzweifelt nach ihr. Mikael glaubt jedoch an Lisbeths Unschuld…
Auch hier ist nicht möglich, den gesamten Inhalt mit all seinen Nebensträngen zusammen zu fassen. Kurz und knapp: Es gilt für den zweiten Teil all das Positive (und Negative), das ich bereits beim ersten Teil erwähnt habe. Sehr gut gefallen und mich am meisten interessiert hat der ausführlichere Blick ins Lisbeths (tragische) Vergangenheit.
Wem der erste Teil gefallen hat, der wird auch den zweiten mögen – da bin ich mir sicher.
(8.5 von 10)
Stephen King – Just after Sunset (Audiobook)
Hierbei handelt es sich um eine Ansammlung verschiedenster alter und neuer Kurzgeschichten eines meiner liebsten Horror-Autoren. Gehört habe ich die Geschichten primär auf meinem Crosstrainer, einige wenige auf längeren Zugfahrten und eine im Auto. (Da musste ich allerdings feststellen, dass ich tatsächlich nicht in der Lage bin, beim Autofahren konzentriert einer Geschichte zu lauschen. Zumindest nicht, wenn ich im Stau stehe…)
Viel zum Inhalt kann ich deswegen nicht sagen; es handelt sich, wie es nunmal für den “Meister” typisch ist, hauptsächlich um ziemlich gruselige Geschichten – manche realistisch, aber die meisten in Verbindung mit dem Übernatürlichen. Es ist jetzt schon einige Zeit her, dass ich die Geschichten gehört habe – angefangen habe ich bereits im Juli – aber einige sind mir tatsächlich sehr gut im Gedächtnis geblieben.
Dazu gehören:
“The Cat from Hell” (da spricht der Titel schon für sich
: Ein Auftragskiller wird damit– beauftragt, eine Katze, die den Tod bringt, zu– töten. (Ja, meine Eloquenz lässt bereits stark nach.) Er wird jedoch in seinem Auto von der Katze angegriffen und – das möchte ich hier einfach mal verraten – die Katze quetscht sich anschließend durch seinen Mund IN DEN KILLER hinein, und frisst sich später durch den Bauch wieder raus. (Hey, vielleicht hatte SMeyer daher die Idee für ihr Killer-Baby?) Die Geschichte hat mir eine Gänsehaut beschert…
“Stationary Bike”: Ein zu mopsiger Mann, seines Zeichens Künstler, will mehr Sport treiben und schafft sich ein stationary bike (sowas wie ein Crosstrainer) an. Damit es nicht zu langweilig wird, malt er ein Landschaftsbild an die Wand im Keller, vor der das Rad steht, und stellt sich vor, durch das Land zu radeln. Doch nach und nach wird das Bild “lebendig”… Das war noch gruseliger als die Höllenkatze, eben weil auch ICH auf einem stationary bike saß, während ich die Geschichte hörte!!
“Graduation Afternoon”: Ein Mädel beobachtet am Tag ihrer graduation von einem Hügel aus, wie plötzlich eine Atombombe auf ihre Heimatstadt fällt. Sehr kurze Geschichte, aber sie ist mir stark im Gedächtnis geblieben.
“N.”: Ein Therapeut begeht Selbstmord und die Kurzgeschichte besteht aus Briefen von dessen Bekannten & Verwandten sowie größtenteils Aufzeichnungen des Therapeuten bzgl. seines letzten Patienten N., welcher unter einer OCD litt, die nach und nach auf seinen Therapeuten übergriff.
“The Things They Left Behind”: Kings erste Auseinandersetzung mit 9/11. Der Protagonist der Geschichte war mehr oder minder durch Zufall an besagtem Tag nicht im WTC, findet Wochen später aber immer wieder Gegenstände seiner Kollegen, die dort ums Leben gekommen sind, in seiner Wohnung. Wenn er sie aus der Wohnung entfernt, kehren sie allerdings stets zu ihm zurück…
“A Very Tight Place”: DIE SCHLIMMSTE KURZGESCHICHTE EVER, die Schrift gewordene Manifestierung eines meiner schlimmsten Alpträume. Zwei Nachbarn, die seit Jahren miteinander verfeindet sind, treffen sich auf einer verlassenen Landstraße. Einer der beiden hat eine Pistole dabei und zwingt den anderen in ein Dixi-Klo aus Stahl. Anschließend kippt er das Klo um, sodass es auf der Tür landet und der zweite Nachbar nun dort eingesperrt ist. HORROR PUR. Die Geschichte werde ich vermutlich nie vergessen.
Insgesamt ein empfehlenswertes Buch, vor allem für Fans von Stephen King. Aber man sollte es nicht vor dem Einschlafen lesen…
(7.5 von 10 – ein Durchschnittswert, denn manche Geschichten haben durchaus eine 8, 9 oder nur eine 5 oder 6 verdient.)
Michael Gates Gill – Starbucks und Ich
Nachdem ich für längere Zeit bei meinen Eltern zu Besuch war, aber leider meine aktuellen Bücher zu Hause vergessen hatte, habe ich mir dieses Buch aus der Bücher-Weggeb-Kiste geschnappt. Nachdem ich die ersten Kapitel gelesen hatte, wurde mir klar, wieso meine Eltern 1. dieses Buch niemals komplett gelesen hatten und 2. planten, es möglichst bald aus der Wohnung zu entfernen.
Die Story ist simpel: Protagonist ist der Autor selbst und erzählt wird seine Lebensgeschichte. Jahrelang hat er für einen riesigen Konzern in der Werbebranche gearbeitet, hatte eine Frau und vier Kinder und wahnsinnig viel Kohle. Im Alter von 60 Jahren verliert er jedoch sowohl seine Familie (da er seine Frau betrogen hat), seinen Job und zusätzlich wird ein Tumor (oder ein Aneurysma) in seinem Kopf entdeckt. Als er voller Selbstmitleid und Reue in einem Starbucks sitzt, wird er jedoch von der Besitzern der Filiale angesprochen und bekommt einen Job als Kaffeeverkäufer. Und weil bei Starbucks alles so unglaublich wundervoll ist, dort die besten und liebenswürdigsten Menschen der Welt arbeiten, sich alle gerne an den Händen fassen und im Kreis tanzen und dort sogar das Kloputzen orgastische Freude bereitet, wird Michael ein besserer Mensch.
Und sie lebten glücklich und zufrieden, bis… (SPOILER: MICHAEL IN EINE ANDERE STARBUCKS-FILIALE WECHSELN MUSS OMG!!!!1)
Aber um mal wieder etwas Ernst in die Sache zu bringen: Das ist mit Abstand die miserabelste Schleichwerbung in Buchform, die ich jemals gelesen habe. Ich wünschte, ich würde übertreiben, aber dieses Werk ist eine einzige Selbstbeweihräucherung von Starbucks, die alles als unübertroffen wundervoll darstellt und u.a. die Werbebranche (größtenteils sicherlich berechtigt) bzw. jeden Konzern, der Geld verdienen möchte (omg!) verdammt, sodass ich beim Lesen teilweise nur mit den Augen rollen konnte. Fertig gelesen habe ich das Buch tatsächlich nur aus Langeweile. Traurig, aber wahr.
Ich möchte nicht in Abrede stellen, dass die Geschichte vielleicht tatsächlich so passiert sein könnte. Ich selbst glaube es aber nicht, KANN es schlicht nicht glauben; dazu war das alles einfach viel zu “perfekt”. (Abgesehen von kurzen Episoden, in denen z.B. böse Gäste in der Filiale waren oder wenn Michael pissig wurde, weil ein Obdachloser sein STRAHLEND WEISS geputztes Klo eingekackt hat.)
Nicht empfehlenswert – außer, man möchte sich richtig peinliche Schleichwerbung reinziehen.
(1 von 10 – das war noch langweiliger als Twilight.)
Der zweite Teil folgt hoffentlich noch in dieser Woche – versprechen möchte ich diesmal lieber nichts…
Bücher im Juli – Teil II
Es hat auf sich warten lassen, aber nun ist es vollbracht!
J.K. Rowling – The Tales of Beedle the Bard (Audiobook)
Ein weiterer Begleiter meiner pseudo-sportlichen Aktivitäten auf dem Crosstrainer.
Viel zum Inhalt gibt es wohl kaum zu sagen: Rowling hat hier fünf Märchen verfasst, die sich auf die Welt der Magie aus dem Harry Potter Universum beziehen und sie mit Kommentaren von Hogwarts-Schuldirektor Dumbledore versehen.
Mir haben die fünf kurzen Geschichten sehr gut gefallen – sehr schöne Märchen (aber stark an die Gebrüder Grimm angelehnt), ein bisschen gruselig und böse teilweise, wie es sich eben für echte Märchen gehört! Das Sahnehäubchen und Besondere am Buch waren für mich aber die Kommentare von Dumbledore zu jeder Geschichte, die nicht nur einige interessante, weitere Details über die Welt aus Harry Potter verraten haben, sondern in ihrer typischen “Dumbledore-Art” einfach nur köstlich zu lesen bzw. hören waren.
Zwar sind die Märchen natürlich nicht allzu innovativ und die “Moral von der Geschicht” ist kaum zu übersehen – aber durch Dumbledores Kommentare ist sie witzig verpackt und daher nicht allzu aufdringlich.
Ich würde fast schon behaupten, dass es sich bei diesem kleinen Büchlein um ein Muss für jeden begeisterten Leser der Harry Potter Heptalogie, aber auch für Leute, die die Serie “nur” gerne gelesen haben, handelt. (So wie ich, die ab Band 5 eigentlich nur noch enttäuscht wurde. :/ )
(7 von 10)
Stieg Larsson – Verblendung
Dieses Buch – oder um es vorweg zu nehmen: die gesamte Trilogie von Larsson – wurde mir nahe gelegt und anschließend auch gleich ausgeliehen. Ehrlich gesagt war ich zunächst skeptisch: Die Inhaltsangabe liest sich sehr trocken und noch dazu umfassen alle Bücher mindestens 600 Seiten. (Eigentlich bin ich über dicke Bücher immer glücklich, aber wenn das Thema nicht ansprechend ist, kann sowas auch zur Qual werden…)
Neugierig war ich trotzdem und so begann ich bald, den ersten Band zu lesen – und nach einem zähen Anfang wurde ich mehr als nur positiv überrascht!
Die Story: Der Journalist Mikael Blomkvist wurde aufgrund von öffentlicher Verleumdung des angesehenen Konzernleiters Wennerström angeklagt und zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Bevor er seine Strafe antreten kann, wird er jedoch von Henrik Vanger, ebenfalls Leiter eines großen Konzerns und zugleich ältestem Mitglied des Vanger-Clans, auf eine Insel bestellt. Vanger will Mikael damit beauftragen, den Mörder seiner Nichte Harriet – die seit mehr als 30 Jahren spurlos verschwunden ist – aufzuspüren und zugleich eine Familienchronik zu verfassen. Mikael ist zunächst skeptisch, entscheidet sich jedoch schließlich, den Auftrag anzunehmen und findet mehr und mehr Leichen im Keller des Vanger-Clans.
Das ist zumindest die “grobe” Story, denn in diesem Krimi finden sich unheimlich viele kleine und große Nebenstränge, die nach und nach ineinander fließen; so verspricht Vanger Mikael z.B., bei der Auflösung des Falls pikante Informationen zu Wennerström zu verraten, sodass er seine Unschuld bzgl. der Verleumdung beweisen kann. Auch stößt später die unter dem Asperger-Syndrom leidende Hackerin Lisbeth Salander hinzu, deren Lebensgeschichte nach und nach entschlüsselt wird und– nein, ich verrate lieber nicht zuviel. ![]()
Auch die verstrickte Familiensituation des Vanger-Clans liest sich außerordentlich interessant. Im Vergleich dazu fiel mir das vor kurzem beschriebene Buch “Ein Ring aus Blut” (vgl. Juni II, 2009) ein, das zwar auch eine vertrackte Familiengeschichte beschrieben hat, die aber viel zu konstruiert und verwirrend war, und noch dazu die Charaktere nicht wirklich lebendig wirken ließ. Larsson dagegen versteht die Charakterisierung aller seiner Figuren außerordentlich gut; auch Nebenfiguren werden dem Leser nahe gebracht – zumeist durch die eine oder andere persönliche Anekdote – und ausführlich beschrieben. Zwar nutzt Larsson (wie so ziemlich jeder Autor) auch Stereotypen in seiner Geschichte, aber auf den zweiten Blick sind sie – zumindest betreffend der Protagonisten – in meinen Augen alles andere als das, sondern sehr ausgereifte, durchdachte und vor allem realistische Figuren. Lisbeth Salander ist für mich eigentlich die “heimliche” Heldin des Romans, weil mich ihre Geschichte, ihr Hintergrund, ihre Gedanken und ihr Wesen viel stärker fasziniert haben als die von Mikael (der jedoch auch ein sympathischer, weil alles andere als perfekter und genormter Protagonist ist).
Jetzt muss ich aber mal mit dem Schwärmen aufhören.
Negativ anzumerken ist nämlich, dass zunächst für meinen Geschmack etwas zu ausführlich auf die “Vorgeschichte” eingegangen wird – die Beschreibungen, wieso Wenneström so bullaböse ist und wo er überall Geld unterschlagen hat, haben mich überhaupt nicht interessiert und hätten wirklich kürzer sein können.
Kurz und knapp bleibt trotzdem zu sagen: Das Buch ist das Beste und Spannendste, was ich krimi-technisch in den letzten Jahren (möglicherweise sogar überhaupt, aber ich lese auch nicht viele “klassische” Krimis) gelesen habe.
Dass Larsson 2004 gestorben ist und eigentlich nicht nur eine Trilogie, sondern gar ein zehn Bände umfassendes Werk schreiben wollte, macht mich sehr, sehr traurig.
(9 von 10 – nicht nur für Krimi-Fans eine große, dicke Empfehlung wert!)
Jonathan Safran Foer – Everything is illuminated
Mein erstes Buch von Foer war “Extremely Loud and Incredibly Close”. Da mir dieses Buch – sein zweites Werk – insbesondere in seiner experimentellen Natur sehr gut gefallen hat, habe ich mir seinen ersten Roman aus der Uni-Bib ausgeliehen.
“Die Geschichte” des Buches ist gar nicht so leicht zusammenfassen, denn es werden im Wechselspiel drei unterschiedliche (natürlich zusammenhängende) Erzählstränge wiedergegeben: Da ist zum einen der ukrainische Übersetzer Alex, dessen Briefe an den jüdischen “Helden” der Geschichte, dessen Name interessanterweise Jonathan Safran Foer lautet, wir immer wieder zu Lesen bekommen. So erfahren wir, dass der “Held” Alex engagiert, um gemeinsam mit ihm in der Ukraine seine Vergangenheit zu entschlüsseln. Auf dieser Reise wird er begleitet von Alex’ Großvater (als Fahrer) und der total irren Hündin Sammy Davis Jr. Jr., die den Helden permanent begatten will. Auf einer dritten Erzählebene schließlich wird die Geschichte eines jüdischen Schtetls in der Ukraine (beginnend im 17. Jahrhundert bis hin zur Zerstörung des Dorfes und Ermordung der Bewohner durch die Nationalsozialisten) erzählt.
Um ehrlich zu sein, hat das Buch meine Erwartungen nicht erfüllt und ich kann nicht so ganz nachvollziehen, aus welchem Grund es derart gefeiert wurde. Ich muss zwar zugeben, dass die drei unterschiedlichen Erzählperspektiven ziemlich klug gemacht und insbesondere die Erzählungen aus Alex’ Sicht wirklich amüsant zu lesen sind, aber insgesamt hat es mich trotz der eigentlich emotionalen Thematik kaum berührt. Es ist definitiv ein gutes, experimentelles, innovatives und zuweilen auch fesselndes Buch, aber… es hat bei mir einfach nicht gefunkt. (Und ich bin mir sicher, dass es nicht an der englischen Sprache oder an der Komplexität der Erzählebenen liegt.) Ich bin mit den Figuren nicht warm geworden, teilweise hat sich die Geschichte enorm gezogen und irgendwann ging mir auch das vermeintlich “witzige” falsche Englisch von Alex auf die Nerven, weil… es einfach irgendwann nicht mehr witzig war.
“Extremely Loud and Incredibly Close” würde ich uneingeschränkt empfehlen; bei “Everything is Illuminated” ist das leider nicht der Fall.
Aber vielleicht liegt das auch nur an mir. ![]()
(6 von 10)
Bücher im Juli 2009 – Teil I
Zugegebenermaßen hat dieser entry auf sich warten lassen. Begründet liegt dies sowohl in meiner Anwesenheit auf einer (nicht näher genannten) Convention am ersten August-Wochenende sowie einer Überflutung meiner Küche, die mehr Zeit und Nerven gefressen hat, als gut für mich ist. Wie dem auch sei: Hier kommt Teil 1 meiner Juli-Bücher!
Cecily von Ziegesar – Gossip Girl Vol. 1
Dieses Stück wertvoller Weltliteratur habe ich boyfriend als Scherz-Geschenk – da er die TV-Serie sehr zu schätzen weiß – zu Ostern überreicht. Und natürlich muss ich alle Bücher, die ich ihm schenke, auch selbst lesen. (Okay, bisher waren das– zwei. Von denen ich eines schon kannte.)
Aber zur Story: Bei “Gossip Girl” handelt es sich um Website, erstellt von einer gleichnamigen, anonymen Beobachterin, die up-to-date alle Gerüchte und (Halb-)Wahrheiten über die angesagtesten Teenies der New Yorker Oberschicht verbreitet. Im Mittelpunkt stehen dabei It-Girl Serena van der Woodsen, die nach ominöser plötzlicher Abwesenheit nach einem Jahr wieder nach NY zurück gekehrt ist, ihre ehemalige beste Freundin Blair Waldorf (die alles andere als begeistert von Serenas Rückkehr ist), deren boyfriend Nate (der seine Jungfräulichkeit an Serena verloren hat), Schwerenöter Chuck (der so ziemlich alles poppt, was sich anbietet) sowie die Geschwister Dan (verknallt in Serena) und Jenny (mit Riesenmöpsen), die eigentlich viel zu arm sind, um die gleiche Schule wie Serena und Co. zu besuchen.
Kurz und schmerzlos: Es geht um viel Tratsch und Teenie-Emo-Drama. Eigentlich ist das nicht (mehr) so ganz mein Metier, aber trotz der Oberflächlichkeit und Belanglosigkeit hat mich die TV-Serie ziemlich fesseln können.
In das Buch bin ich nicht ganz so leicht hinein gekommen, weil die Charaktere tatsächlich NOCH oberflächlicher gezeichnet sind als in der Fernseh-Serie. Das habe ich nicht für möglich gehalten. Nichtsdestotrotz hatte ich das Buch in etwa zwei Tagen durchgelesen und muss zu meiner Schande gestehen: Ich würde die Reihe gerne weiterlesen. Die ganze Geschichte (die sich auch inhaltlich teils doch stark von der Serie unterscheidet) war einfach so verdammt komisch zu lesen und die Charaktere sind solche Parodien ihrer selbst, dass es einfach eine Freude ist, das ganze Drama zu verfolgen.
Meine liebsten Passagen waren jedoch die Ausführungen Gossip Girls selbst, insbesondere die Fragen ihrer Leser. Die Integration einer Website in die Geschichte selbst halte ich für einen extrem klugen Schachzug, da sich Gossip Girl dadurch von den anderen Teenage-Romanen abhebt und es m. E. sowieso immer eine gute Idee ist, die neuen Medien in ([halbwegs] realistische) Jugendliteratur mit einzubeziehen.
(6 von 10 – keine anspruchsvolle Lektüre, aber macht tierisch viel Spaß!)
Dirk Bernemann – Ich bin schizophren und es geht mir allen gut
Herrn Bernemanns Werke kenne ich nur durch einen glücklichen Zufall: Gemeinsam mit meiner liebsten Lena stieß ich eines Tages via Amazon auf ein Buch mit dem aussagekräftigen Titel “Ich hab die Unschuld kotzen sehen” – Lena las mir die erste Kurzgeschichte aus dem Sammelband vor und wir waren sofort Feuer und Flamme. Mittlerweile habe ich auch die Fortsetzung sowie seinen ersten Roman gelesen – sein neuer Kurzgeschichtenband war also ein Pflichtkauf.
Weniger fiktive Kurzgeschichten als persönliche Erlebnisse (… mit fiktivem Zusatz. Hoffe ich teilweise zumindest.) werden in diesem Sammelband geschildert; laut reviews handelt es sich wohl auch um einige zuvor in seinem blog Veröffentlichte. Gut, dass ich den blog nicht lese und mir deswegen nur neues Material zu Gemüte führen konnte.
Besonders interessant fand ich die Beschreibungen seiner Lesungen, aber auf sowas stehe ich sowieso.
Einige ausschließlich fiktive Geschichten sind ebenfalls integriert. Irgendwie ist es einfach ein sehr komischer, scheinbar wahllos zusammengeworfener Mischmasch, darunter auch Fotos und Gedichte. Ich mag Gedichte nicht. Auch nicht die von Bernemann, so leid es mir tut.
Prinzipiell geht es häufig um die menschliche Psyche (und menschliche Abgründe), außerdem übt Bernemann vermehrt – wie immer – starke Gesellschaftskritik (er erscheint mir hier politischer als zuvor und glücklicherweise auf der – für mich – “richtigen” Seite), aber auch die Liebe wird thematisiert. Das fand ich irgendwie neu.
Eine Inhaltsangabe ist eigentlich aufgrund der Vermischung unterschiedlicher Themen kaum möglich.
Nachdem ich “satt.sauber.sicher.” (den bereits genannten Roman) von Bernemann gelesen habe, erscheint mir dieses Buch wieder als kleiner Rückschritt. Es hat mir zwar – wie immer – sehr, sehr gut gefallen, aber es hat mich nicht so begeistern können, wie die erste Unschuld und der Roman. Trotzdem ist der Schreibstil in seiner direkten, unverblümten, hässlichen Nacktheit immer wieder ein Erlebnis. Ich empfehle den “Blick ins Buch” der Unschuld via Amazon und wem die erste Geschichte von Bernemann gefällt, der wird auch den Rest lieben. Wer Probleme mit mindfucks und gore hat, der sollte lieber gleich die Finger davon lassen.
Was mich persönlich fast vom Kauf abgehalten hat, ist der Titel. Vielleicht ist es kleinlich, aber ich könnte mich regelmäßig darüber aufregen, wenn Menschen insbesondere in Publikationen nicht in der Lage sind, Schizophrenie von dissoziativer Identitätsstörung (sprich: multiple Persönlichkeiten) zu unterscheiden. Ich frage mich, wie genau diese Verwechslung überhaupt entstanden ist. Aber vermutlich passiert das sowieso nur Leuten, die auch Anorexie mit Anorexia Nervosa (und am besten zugleich noch mit Bulimia Nervosa) gleichsetzen. Pff.
(7 von 10 – für den Inhalt gibt es eigentlich 7.5 bis 8 Punkte, aber da mich der Titel so ärgert, wird einer abgezogen.)
Michael Ondaatje – Der englische Patient
Nachdem ich das Buch bereits im letzten Jahr als Mängelexemplar im örtlichen Buchladen erstanden habe, bin ich nun endlich dazu gekommen, es zu lesen.
Um ehrlich zu sein, konnte ich mich nicht mehr allzu gut an den Film erinnern – ich weiß nur noch, dass er mir sehr gut gefallen hat. Das Buch konnte mich weniger begeistern.
Inhaltlich geht es um die Krankenschwester Hana, die sich in einer verfallenen Villa nach Kriegsende um einen schwerverletzten Mann (den “englischen Patienten”) kümmert. Später kommen noch ein alter Freund ihres Vaters sowie ein junger Bombenentschärfer ins Haus hinzu. Und dann werden nach und nach die Geschichten der Charaktere entwirrt.
Ich finde es schwierig, den Inhalt zusammenzufassen – aber das Buch war auch alles andere als leicht zu lesen. Der Schreibstil hat mir ungemein gut gefallen, aber es ist definitiv keine leichte Lektüre. Da ich den Roman im Endstadium meiner MA gelesen habe, ist nicht all zu viel bei mir hängen geblieben – leider.
Die Charaktere wurden mir trotz ausführlichen Beschreibungen nicht wirklich nahe gebracht, viele Zeitsprünge haben mich verwirrt und überhaupt war alles ganz schön konfus.
Vielleicht gebe ich dem Buch später nochmal eine Chance, denn gute Literatur ist es auf jeden Fall.
(7 von 10)
Lisa See – Der Seidenfächer
Auch von diesem Buch hätte ich vermutlich nie erfahren, wenn man es mir nicht ausgeliehen hätte.
“Der Seidenfächer” erzählt die Geschichte des aus armen Verhältnissen stammenden Mädchens Lilie im China des 19. Jahrhunderts. Mädchen und Frauen wurden in dieser Zeit lediglich als Balast für ihre Familien betrachtet und nur durch die Perfektion ihrer Füße – dies geschieht durch das Abbinden der Füße – ist es möglich, mit ihnen Profit zu machen, indem man sie gut verheiratet. Lilies Füße entsprechen nachdem grausamen Ritual des Abbindens dem Ideal und so heiratet sie im Alter von 17 Jahren in eine angesehene Familie ein.
Die Geschichte konzentriert sich aber stärker auf das Verhältnis von Lilie und Schneerose, das durch eine Vermittlerin geschlossen wurde und auf einer Tradition beruht: Die beiden Mädchen schwören sich im Alter von sechs Jahren ewige Treue und schreiben sich – da sie zunächst in unterschiedlichen Orten wohnen – Nachrichten auf einem Seidenfächer, den sie hin- und herschicken. Diese Nachrichten werden in Nushu, einer Geheimschrift der chinesischen Frauen, verfasst. Das Bündnis der beiden hält bis ins Erwachsenenalter an, wird jedoch schließlich mehrfach auf die Probe gestellt…
Insgesamt hat mir das Buch außerordentlich gut gefallen und ich konnte es kaum aus der Hand legen. Um ehrlich zu sein, wusste ich vor der Lektüre nicht einmal etwas mit dem Begriff des Füßebindens anzufangen und ich war (und bin) schockiert, wie diese Prozedur abläuft (Protip: Nicht die entsprechenden Bilder auf wikipedia anschauen…) und als wie ungemein wertlos Frauen betrachtet wurden (und vermutlich in vielen Teilen Chinas noch immer werden). Besonders betroffen hat mich dabei gemacht, dass die Geschichte aus der Sicht Lilies erzählt wird und diese ihr Schicksal in dumpfer Resignation akzeptiert und beschreibt sowie die Sicht der Männer, dass sie als Frau tatsächlich primär zum Gebären männlicher Nachfolger zu gebrauchen ist, zu teilen scheint.
Wer sich für die Situation von Frauen in China interessiert, für den ist das Buch sicherlich eine Empfehlung wert. Aber auch die fiktive Geschichte der Freundschaft zwischen Lilie und Schneerose ist schön zu lesen, obwohl es zuweilen sehr grausam wird – auf physischer sowie auf zwischenmenschlicher Ebene.
(8.5 von 10 sowie eine persönliche Empfehlung für Basu!
)
Bücher im Juni 2009 – Part II
Juhu, juhu! Versprechen gehalten, zweiter Juni-Buchblog geschafft
(Geschafft bin auch ich, und zwar tief in meinem Inneren. Wenn ich die MA abgegeben habe, werde ich mich erstmal in einen einwöchigen Winterschlaf begeben.)
Christian Kracht – Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten
Ich gebe es zu: Bücher, die mit Geschichte oder Politik zu tun haben, interessieren mich in den meisten Fällen (Ausnahmen bestätigen die Regel!) überhaupt nicht. Nichtsdestotrotz habe ich mir dieses Buch ausgeliehen und… weiß nicht, was ich von ihm halten soll.
Die Geschichte spielt in einem alternativen Universum, in welchem.. nun, der Krieg irgendwie anders verlaufen ist, als es wirklich der Fall war. (Nein, ich tue gar nicht erst so, als könnte ich mich erinnern. Irgendwas war da mit Lenin. Ich glaube, der ist in der Schweiz geblieben.) Erzählt wird aus der Sicht eines Offiziers in der Schweiz, der irgendeinen Kerl sucht, den er dann auch irgendwo in den Alpen trifft und der eine nonverbale Sprache erforscht oder erfindet.
Spätestens hier ist mir das alles auch eine Spur zu abstrus geworden.
Irgendwie hat das Szenario der Welt, in der das Buch spielt, auch einen sehr dystopischen, unangenehmen Eindruck auf mich gemacht; die Identifikation mit dem Protagonisten war alles andere als leicht. (Was aber vermutlich auch so beabsichtigt war.)
Das Buch war einfach extrem merkwürdig und ich habe es etwas gespalten aufgenommen. Auf der einen Seite fand ich den Schreibstil wundervoll und interessant, auf der anderen Seite war die Story irgendwann so Banane, dass ich mich am Stil nicht mehr erfreuen konnte; was genau der Autor mir mit diesem Werk sagen wollte, weiß ich nicht. Ich hätte allerdings gerne einen mich ansprechenderen Roman in exakt diesem Stil. Vielleicht sollte ich mal die anderen Werke Krachts unter die Lupe nehmen…
(5 von 10 – aber nur für den Stil.)
Kathy Reichs – Der Tod kommt wie gerufen
Der bereits elfte Band aus der Reihe um Dr. Temperance Brennan. Schockierend, aber wahr – ich habe sie alle gelesen! Und ich finde die Diskrepanzen zwischen der Literatur- und TV-Version von Brennan immer noch faszinierend. Aber genug davon.
Die Story, kurz und knapp: Die forensische Anthropologin findet auf Hinweis eines Klempners in einem Keller einen Batzen menschlicher Knochen in Kombination mit einem toten Huhn in einem Kessel. Natürlich kommt sofort die Vermutung auf, dass das mit bösen, bösen Satanisten oder ähnlichem zu tun hat. Kurz darauf wird außerdem der Torso eines Jungen in einem See entdeckt, in dessen Körper ebenfalls “satanistische” Symbole eingeritzt wurden. Dies nimmt ein Prediger (oder eher: eine Medienhure) zum Anlass, mächtig Stress im Kaff zu veranstalten und die Lynchjustiz nimmt freudig ihren Lauf.
Oder so.
Das Buch war okay, aber vermutlich auch nur deshalb, weil ich die Figur der Tempe sehr gerne mag. Allerdings muss ich ganz ehrlich sagen, dass es streckenweise enorm langweilig war (z.B. die Erläuterungen der Geschichte verschiedener Ortschaften, von denen ich vorher nie gehört und die ich sogleich wieder vergessen habe; auch die Infos über die Sekten waren nicht besonders spannend) und mir dieses hin und her mit Ryan auf den Keks geht. (Und jetzt ist auch noch ein neuer Stecher im Spiel, my oh my.)
Positiv: Endlich wurde mal wieder ihr Alkoholismus thematisiert und – darauf warte ich seit langem – sie ist rückfällig geworden. Das wurde interessant gestaltet, aber später dann auch wieder fallen gelassen. Und das Klischee, dass der Ex-Mann eine viel jüngere Neue hat, die sie nicht leiden kann… innovativ. *gähn* Tochter Katie ist aber immer noch cool.
Vielleicht sollte Frau Reichs sich überlegen, die Serie endlich zu einem Abschluss zu bringen.
(6 von 10 – Kater Birdie ist immer noch der Beste!)
Declan Hughes – Ein Ring aus Blut
Ein Buch, das ich als Weihnachtsgeschenk erhalten habe. Ein Mängelexemplar. Nun habe ich kein Problem mit Mängelexemplaren; im Gegenteil, ich freue mich immer, wenn Bücher mit kleinen (oder manchmal auch gar keinen) Schäden für 2 Euro das Stück verrammscht werden und habe da schon den einen oder anderen Glücksgriff gelandet. Aber ich wäre nie auf die Idee gekommen, so etwas zu verschenken. Soll mir das vielleicht etwas sagen…? Nunja.
Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht des Privatdetektivs Ed, der von einem Zahnarzt den Auftrag bekommt, die vermeintlich entführte Tochter Emily wiederzufinden. Die findet Ed auch bald – beim Pornodreh mit ihrem Cousin. Und dann wird plötzlich die Mutter von Emily tot aufgefunden. Anschließend gibt es mehr und mehr Familiendrama, und noch mehr Pornos, und Erpressung, und Ed vögelt Emilys Tante spontan auf einer Treppe, und sowieso haben alle dauernd Sex oder bringen sich gegenseitig um oder drohen zumindest damit und haben einen enormen Dachschaden.
Viel Porno, viel Sex (hängt ja nicht immer zusammen), viel Inzest, (Familien-)Drama, Blut, Mord und Totschlag. Ja, das sind die Dinge, die mein literarisches Herz höher schlagen lassen. Wieso hat mir das Buch trotzdem nicht so gefallen? Nun: Es war nicht besonders gut geschrieben. Der plot war wirklich abstrus und außerdem habe ich irgendwann bei diesen merkwürdigen Familienkonstellationen absolut den Überblick verloren. Der Protagonist (Ich-Erzähler) war okay, recht sympathisch, aber nie wirklich greifbar und seine Handlungen nicht immer plausibel. Alle anderen Figuren waren auch irgendwie merkwürdig und.. ach, es hat mir einfach insgesamt nicht besonders gut gefallen.
Und wenn es nicht irgendwann nach 100 oder 200 Seiten erwähnt worden wäre, wäre die Tatsache, dass das alles in Irland spielt, auch völlig an mir vorüber gegangen.
(4 von 10 – für gelegentlich aufflammende Spannung.)
Tomo Takabayashi & Temari Matsumoto – Ab sofort Dämonenkönig! Band 6
Band 6 der Light Novel Reihe, über die ich vor kurzem bereits geschrieben habe. (Kurz zur allgemeinen Story siehe “Bücher im April 2009 – Part I”.)
Hier wurde nun wieder die “Hauptstory” weiter erzählt; Yuri befindet sich in ‘seiner’ Welt und arbeitet für einen Ferienjob gemeinsam mit seinem Mitschüler Murata am Strand. Als er das Bikini-Oberteil eines Mädchens aus dem Meer fischen will, wird er aber – natürlich! – mal wieder in die Welt der Dämonen gezogen. Da passiert dann auch einiges und nach (oder während?) einem Kampf wird Yuri wieder irgendwohin teleportiert (ähm, mir fällt gerade kein besseres Wort ein). Entgegen der Erwartung, wieder in Japan zu sein, wacht er jedoch in einer ihm unbekannten Stadt auf – und noch dazu ist Murata bei ihm…
Tja, viel mehr gibt es nicht zu sagen. Der Band kam mir mit seinen bloß 160 Seiten extrem kurz vor und abgesehen davon, dass Sara erwähnt wurde (den ich in der Anime-Adaption übrigens furchtbar finde…), ist irgendwie nichts Spektakuläres erwähnt. Naja, okay, eigentlich ist ganz schön viel passiert, aber da ich die Story schon kenne, hat es mich nicht wirklich umgehauen, da ich z.B. weiß, dass die “verschwundenen” Personen nicht tot sind. Die teilweise von den fansubs der Serie stark
abweichenden Namen (von Personen und Städten) irritieren mich an mancher Stelle. Ich frage mich, ob hier die “Fans” oder die professionellen Übersetzer weniger Ahnung hatten. :/
(… das alles hier ergibt vermutlich für jemanden, der die Reihe oder Serie nicht kennt, gar keinen Sinn. EGAL.)
(5 von 10 – zu wenig Seiten, zu wenig Wolfram.)
Ja, diese Bücher waren alle nicht so der Bringer. Der Juli wird wieder besser, das kann ich bereits jetzt verkünden.
Bücher im Juni 2009 – Part I
Nun habe ich endlich ein wenig über die ersten drei Bücher des letzten Monats schreiben können – meine Magisterarbeit frisst mich auf und dementsprechend wenig komme ich sowohl zum Lesen als auch zum rezensieren. Wann die restlichen Juni-Bücher folgen, möchte ich an dieser Stelle nicht versprechen. Nur soviel: Ich schaffe es auf jeden Fall noch im Juli.
John Katzenbach – Die Rache
Auf meiner Rückkehr von München lächelte mich in der Bahnhofsbuchhandlung Frankfurts ein mir bisher unbekanntes Buch eines meiner liebsten Thriller-Autoren an: “Die Rache” von John Katzenbach.
Nach kurzer Recherche stellte ich fest, dass das Buch zwar neu aufgelegt wurde, es sich jedoch um ein Werk aus dem Jahr 1989 handelt. Nichtsdestotrotz habe ich es mir (natürlich) gekauft, obgleich mich die Inhaltsangabe auf dem Rückcover nicht wirklich angesprochen hat.
Kurz und knackig, darum geht’s: Die Familie Richards führt ein (fast) perfektes Leben – Megan arbeitet als Immobilienmaklerin, Duncan in einer Bank, die Zwillingstöchter werden bald studieren und auch der Zustand des kleinen Tommy, der unter einer psychischen Störung leidet (Name wird nicht genannt, war aber wohl was in die autistische Richtung), verbessert sich nach und nach. Doch Megan und Duncan haben eine dunkle Vergangenheit: Im Rahmen der ’68er-Revolution waren sie Mitglied einer radikalen Gruppierung, haben an einem missglückten Banküberfall teilgenommen, konnten jedoch unerkannt fliehen und ein normales Leben aufbauen. Rädelsführerin Olivia ist für 18 Jahre ins Gefängnis gesteckt worden, ihre Liebhaberin kam bei der Schießerei jedoch ums Leben – und nachdem die 18 Jahre vorbei sind, will Olivia sich nun an den Verrätern rächen. So entführt sie sowohl Tommy als auch Megans Vater – und verlangt, dass Duncan den Überfall nachholt…
Wie gesagt, die Story hat mich nicht sonderlich angesprochen – aber dank Katzenbachs Stil hat mir das Buch trotzdem ganz gut gefallen. Insgesamt hat sich die Geschichte sehr spannend gelesen und es gab wenig Leerstellen, die sich zu sehr gezogen haben (einige waren allerdings dabei) – für den Leser gab es trotz der knapp 500 Seiten keine “Verschnaufpause”.
Jedoch merkt man (oder zumindest ich) einfach, dass es sich hier um ein früheres Werk Katzenbachs handelt: Die Story scheint mir teilweise einfach nicht gut genug durchdacht. (Ein Beispiel dafür ist Duncans Einbruch in die Bank – das erscheint mir alles zu ‘perfekt’ und naiv) Die Tatsache, dass die Zwillingstöchter schließlich mit Waffen versehen werden und am “Endkampf” teilnehmen, ist auch so ein Punkt, der mir nicht gefallen hat – einfach, weil es mir in diesem Kontext viel zu unrealistisch erscheint. Generell war das Ende auch hier nicht das Gelbe vom Ei, zwar mit ein bisschen Offenheit (überlebt der Großvater?), aber doch zugleich ziemlich “Friede Freude Eierkuchen”.
Dazu kommen viele bediente Klischees: Die bösen, bösen Lesben (oder Bisexuellen) und ’68er, die gerechten Polizisten und Juristen… ach, mir hat das nicht gefallen. Positiv in Erinnerung geblieben ist mir die Charakterisierung und die Nähe zu den Figuren, die größtenteils ziemlich sympathisch und (bis auf die genannten Punkte) auch realistisch waren. Und bevor ich jetzt weiter mäkele, höre ich auf und hoffe auf Besseres von Katzenbach.
(6.5 von 10 – zumindest fühlte ich mich unterhalten.)
Stephenie Meyer – Twilight (Audiobook)
Bevor ich anfange, etwas über dieses Machwerk zu schreiben, möchte ich allen Fans der Reihe empfehlen, nicht weiterzulesen; wer es doch tut: Selbst dran Schuld! Ich werde gar nicht erst versuchen, objektiv zu bleiben – aber selbst wenn ich nicht meine persönliche Abneigung mit einbeziehen würde (und ich bin dem Buch wirklich mit soviel Neutralität wie möglich entgegen getreten, auch wenn man mir das nicht zutraut), bliebe mir kaum etwas Positives über Twilight zu sagen.
(Dass ich über fünf Monate gebraucht habe, um das Buch komplett zu hören, liegt übrigens nicht an meiner Faulheit und den seltenen Aufenthalten auf meinem crosstrainer; ich war teilweise einfach zu genervt und habe lieber Musik oder andere Bücher gehört. Das ist nie ein gutes Zeichen.)
Zur Story muss ich wohl nicht viel sagen, da sie allgemein bekannt ist: Die 16jährige Bella Swan (Mary Sue 1ea GET) zieht ins Kaff Forks zu ihrem Vater, obwohl da alles ganz dolle doof ist; dort verliebt sie sich dann in den mysteriösen Edward, von dem sie später durch kluge Internet-Recherche (lol.) herausfindet, dass er ein Vampir ist. Da Edward findet, dass Bella wie lecker Schnitzel riecht, ‘verliebt’ er sich auch in sie. Am Ende gibt es dann auch einen kleinen showdown, weil Bella von einem anderen Vampir gejagt wird, aber das war so kurz und irrelevant, dass ich es schon wieder verdrängt habe.
(Witzigerweise habe ich gelesen, dass die wenige ‘Action’ daran begründet liegt, dass Meyer ein Angstschisser ist und keine spannende Geschichte ertragen kann. LOL GOOD IDEA WRITING ABOUT VAMPIRES. Aber hey, die Frau glaubt auch, dass zuviel Lesen am PC blind macht.)
Um mich möglichst kurz zu fassen, zähle ich an dieser Stelle nur die primären Punkte auf, die mich wahnsinnig an der ganzen Sache gestört haben:
- Bella. Bella ist schlicht und ergreifend die furchtbarste Protagonistin, die ich jemals in einem Buch ertragen habe. Nichtmal in der Verfilmung fand ich sie so unglaublich dumm, eindimensional und einfach nur zum Kotzen wie in diesem Buch. Obwohl – so eindimensional kann sie nicht sein, sie ist nämlich eigentlich eine ziemlich hinterfotzige Person (wie sie mit ihren “Freunden” und den Kerlen, die sich – WARUM AUCH IMMER – in sie verliebt haben, umgegangen ist, spottet jeder Beschreibung; von ihrem Vater und Jacobs Vater ganz zu schweigen) und die Personifikation einer überzerrten, Stimmungsschwankungen unterworfenen pubertären Göre. Ganz davon abgesehen ist leider allzu leicht ersichtlich, dass Bella eine Mary Sue par excellence und noch dazu ein self-insert von Meyer ist. Erbärmlich. (Ja, über diese Figur könnte ich mich wirklich aufregen. Ich habe das gesamte Buch ertragen, also darf ich das.) Wie können sich abertausende Mädchen mit so einer Flachzange identifizieren?! Da bekomm ich mit meinen 24 Jahren Angst um die Zukunft dieser Welt!
- Die Darstellung der Vampire (ich habe auch den Begriff “Meyerpires” gelesen, den ich sehr treffend finde
). Ich bin kein Fan des Vampir-Genres und kenne mich deswegen auch nicht gut in diesem Bereich aus. Aber was Meyer aus den Vampiren gemacht hat, ist an Peinlichkeit kaum zu übertreffen. ‘Vegetarische’ Vampire, die (u.a. vom Aussterben bedrohte) Tiere jagen? Die im Sonnenlicht GLITZERN? (?! SERIOUSLY? … darüber komme ich nicht hinweg.)
- Edward. Was soll an ihm bitte perfekt sein? Romantisch? Ich empfinde sein Verhalten als das eines Stalkers. Wenn mir jemand erzählen würde, er hätte mich mehrere Nächte lang beim Schlafen beobachtet, würde ich das sicherlich nicht ‘awww’ finden, sondern ihm eins auf die Nuss geben. Edward ist insgesamt weniger unerträglich als Bella, aber die beiden haben sich in ihren gestörten Persönlichkeiten mehr als verdient. (Robert Pattinson tut mir ehrlich leid. Und für seine ehrliche Meinung zu Twilight & Meyer ziehe ich vor ihm meinen imaginären Hut.)
- Die “Liebe” zwischen den beiden. Ich halte mich für eine ziemlich romantische Person (was Literatur, Filme, etc. angeht – ICH MAG SOGAR TITANIC, VERDAMMT.) – aber die Liebe zwischen Bella und Edward bezieht sich in meinen Augen ausschließlich auf Attraktivität (Bella -> Edward) und “riecht wie lecker Schnitzel” (Edward -> Bella). Und dann diese endlosen Beschreibungen des guten Aussehens von Edward (und seinen Familienmitgliedern). Irgendwann wollte ich nur noch von meinem crosstrainer kotzen, so sehr hat mich Bellas Oberflächlichkeit angewidert.
Positives: Einige interessante, angedeutete Nebencharaktere (Alice, Carslile, Jacob); manchmal (aber eher unfreiwillig) witzige Dialoge.
Es gibt noch viel, viel mehr Schreckliches, aber ich habe diesem Buch schon viel zuviel Zeit gewidmet; was ich insbesondere über Band 4 gelesen habe, setzt dem ganzen sowieso noch die Krone auf. Lieber lese ich mir zehnmal am Stück “Feuchtgebiete” durch, als ein weiteres Werk von Meyer auch nur anzufassen.
Nun möchte man meinen, dass es zu begrüßen ist, dass Jugendliche durch “Twilight” wieder zum Lesen animiert werden; schön und gut, aber ist es nicht traurig, dass richtig gute Jugendbücher (z.B. die Werke Zusaks; ach, selbst die Gossip Girl Reihe übertrifft an Anspruch und Stil Meyers Werk!) im Vergleich kaum bis gar keine Beachtung finden. Und dass Meyer als neue J.K. Rowling gefeiert wird, ist ein ziemlich schlechter Witz. Man mag zu Harry Potter stehen wie man möchte – aber Rowling kann zumindest schreiben und hat eine Menge (m.E.) sehr interessanter, liebenswerter Charaktere erschaffen.
… bei der Vorstellung, dass Meyer Literatur studiert hat, wache ich nachts schreiend auf…
(2 von 10 – wäre ich objektiver, wären es möglicherweise 3. Mehr ist beim besten Willen einfach nicht drin.)
Haruki Murakami – Naokos Lächeln
Ein Murakami direkt im Anschluss an Stephenie Meyer – die Differenz der Literarizität dürfte m.E. kaum größer sein.
Es war bereits das zweite mal, dass ich “Naokos Lächeln” gelesen habe; und ich habe es ebenso genossen wie beim ersten mal vor vielen Jahren. (Amüsanterweise glaube ich, mich erinnern zu können, dass mir die zahlreichen erotischen Szenen damals etwas unangenehm waren – das war diesmal überhaupt nicht der Fall. Allerdings hat mich diesbezüglich Murakamis “Gefährliche Geliebte” auch desensibilisiert.
)
Der Untertitel “Nur eine Liebesgeschichte” ist ein wenig kurz gefasst und doch trifft es den Inhalt ziemlich gut: Protagonist Toru Watanabe, der sich selbst als absoluten Durchschnittsmenschen beschreibt, ist Literatur-Student, Einzelgänger und verliebt sich in Naoko, die Freundin seines verstorbenen besten Freundes Kazuki, der aus unbekannten Gründen Suizid begangen hat. Nachdem Toru und Naoko sich nach dessen Tod vorerst aus den Augen verloren haben, treffen sie zufällig wieder aufeinander und beginnen eine zunächst angenehme platonische, später aber destruktive romantische Beziehung (die u.a. in einer unkonventionellen Psychiatrie in den Bergen Japans weitergeführt wird). Allerdings lernt Toru während des Studiums und Naokos Therapie noch seine ziemlich verrückte Kommilitonin Midori kennen und freundet sich immer stärker mit ihr an.
(Eine Szene ist mir immer im Gedächtnis geblieben: Midori erzählt Toru u.A., dass sie sich nach dem Tod ihres Vaters nackt vor dessen Foto gesetzt und die Beine gespreizt hat. Das merkwürdige daran ist, dass sie es absolut plausibel erklärt hat. what the fuck.)
In dem Buch passiert noch so viel, aber eigentlich ist es auch recht handlungsarm; es fällt mir sehr schwer, die Welt zu beschreiben, die Murakami hier erschafft. Ich kann es niemandem verübeln, der den Stil schwerfällig oder seine Geschichten langatmig findet. Mir wiederum war es eine wahre Freude, diese nüchternen und dann wieder sensibel-melancholischen Gedankengänge Murakamis Protagonisten zu verfolgen.
Vielleicht ist ein Grund dafür, dass ich Murakami so gerne mag, auch seine immer wieder sehr treffende Charakterisierung von Einzelkindern. Ich weiß nicht, ob er selbst auch eines war, aber von ihm fühle ich mich (im Gegensatz zu den abertausenden Klischees, die mich immer wieder aufs Neue innerlich erbrechen lassen) in meiner Existenz als Einzelkind tatsächlich verstanden.
… komisch, dass mir das erst jetzt auffällt.
Keine volle Punktzahl gibt es, weil mir ein paar winzige Sachen nicht gefallen haben; z.B. die Tatsache, dass Toru im weiteren Verlauf mit Naokos Mitbewohnerin in der Anstalt schläft. Das erschien mir zu gewollt.Ansonsten: Ich freue mich wie ein Schnitzel auf “1Q84″! (Wann auch immer es in Deutschland erscheinen wird.)
(9 von 10)
Bücher im Mai – Part II
Daniel Kehlmann – Die Vermessung der Welt
Viel (Positives) hatte ich bereits von diesem Werk Kehlmanns gehört, aber da mich die Thematik nicht sonderlich interessiert, habe ich es gemieden – bis es mir ausgeliehen wurde. (Irgendwie passiert sowas häufig…)
Inhaltlich geht es um das Leben und Forschen von Mathematikgenie Carl Friedrich Gauß sowie Forscher Alexander von Humboldt und ihr Aufeinandertreffen auf einem Kongress; dargestellt werden zahlreiche Episoden aus ihren Forschungen, ihrem privaten Leben und ihres verschrobenen Charakters.
… tja, viel zur Story weiß ich sonst nicht zu sagen. Möglicherweise liegt das daran, dass ich mich zwar teilweise durch die merkwürdigen Eigenheiten und die ironische Darstellung beider Genies ziemlich amüsiert gefühlt habe, sie andererseits aber meistens enorm unsympathisch fand (und kann es sein, dass Humboldt pädophile Neigungen haben sollte oder habe ich da mal wieder zuviel reininterpretiert?!) und mich streckenweise einfach nur gelangweilt habe. Es ist gut möglich, dass ich einfach nur ein Kostverächter bin – aber die Geschichte war teilweise so fade geschrieben, dass ich merken konnte, wie sich meine Gedanken nach und nach vom Buch verabschiedeten und anderen Dingen widmeten. Vielleicht lag es auch am Schreibstil, der ja auch ach-so-kreativ sein sollte – das einzige, was bei mir hängengeblieben ist, ist der überproportional häufige Gebrauch des Wortes “sagte”.
Kein schlechtes Buch, aber nicht meine Kost. Dass es als “literarische Sensation” gefeiert wurde, ist mir eher unbegreiflich, da gibt es m. E. weitaus interessantere deutsche Autoren – aber hey, “Geschmackssache” und so.
[Edit: Haha, ich habe mir gerade ein paar Rezensionen auf Amazon zum Buch durchgelesen: "Bildungsbürgerlicher Doppelwhopper mit Geschmacksverstärker" -> darüber habe ich mehr gelacht, als über das gesamte Buch selbst.
"]
(6 von 10)
Satoru Kannagi & Hotaru Odagiri – Only the Ring Finger Knows Band 2
Ja, auch der zweite Band stand auf meiner Liste. Habe ich es genossen? Nein.
Zur Story: Bitte im letzten Entry nachlesen. Geändert hat sich hier nicht viel – noch immer geht es um die Beziehung und Gefühle von Wataru und Yuichi, und das so detailliert wie nur möglich. Im ersten Kapitel geht es primär um ein Architektur-Projekt, an dem sich Yuichi – frischgebackener Student – beteiligt, um Geld für eine gemeinsame Reise zu verdienen. Problematisch wird es nur durch Yuichis Kommilitonen Masanobu, der sich sehr für Wataru interessiert und von dem auch Wataru fasziniert ist. Das Hauptthema ist also auch hier wieder Eifersucht – wie kreativ. Nicht viel anders sieht es im zweiten Kapitel aus: Das beschreibt schließlich den Urlaub der beiden auf Okinawa und auch hier taucht Masanobu – zusammen mit Yuichis Bruder, der ein Problem mit der Beziehung der beiden hat – auf und es geht schon wieder nur um Eifersucht und langweiliges “Beziehungs”-Blabla.
Der zweite Band hat mich ob der unkreativen Umsetzung und der ständigen, nervtötenden Eifersucht Yuichis ziemlich enttäuscht und den dritten Band werde ich voraussichtlich nicht mehr lesen. Schade, denn eigentlich waren mir die Charaktere anfangs so sympathisch. ![]()
(5 von 10, aber auch nur dank BL-Bonus)
Marguerite Yourcenar – Der Fangschuß
Vor zwei bis drei Semestern wollte ich mir ein Seminar zum Thema “Beschreibungen von Körpern in der Literatur” (oder so ähnlich) anhören, hatte sogar bereits die Bücher bestellt – und durfte schließlich aufgrund der Unfähigkeit der Dozentin nicht teilnehmen. Die Bücher – eines davon “Der Fangschuß” – habe ich aus Trotz erst jetzt gelesen.
Die Geschichte spielt während der Russischen Revolution, ist aber weniger ein historisch-politischer, als ein historisch-romantisch-politischer Roman – sofern es so etwas überhaupt gibt. Auch wenn viel von der Kriegsatmosphäre und der Not der Menschen geschildert wird, geht es doch im großen und ganzen um die Liebe von Sophie zum Ich-Erzähler Erich, der ihre Gefühle zwar erwidert (so scheint es mir), sie aber nicht zulassen kann/möchte und sie permanent abweist; eine nicht unwichtige Rolle spielt dabei auch sein Jugendfreund Konrad, der zugleich Sophies Bruder ist.
Das Buch hat mir ehrlich gesagt nicht so gut gefallen; das mag zum einen begründet liegen in meiner tendenziellen Abneigung zu politischen und historischen Themen in der Literatur (okay, das hängt eigentlich von der Umsetzung ab…), zum anderen fand ich es schwer, überhaupt in die Geschichte zu finden, da sie mich kaum gefesselt hat und mir der Protagonist einfach viel zu unsympathisch war. Obwohl die Geschichte nur wenig mehr als 100 Seiten umfasst hat, habe ich fast eine Woche daran gelesen. Objektiv betrachtet war es aber – wie Kehlmanns Werk – kein schlechtes Buch – es war nur nichts für mich.
(5 von 10)
Madeleine Bourdouxhe – Gilles’ Frau
Hier zugleich die Fortsetzung zu “Bücher für ein Seminar, das ich niemals besucht habe”.
Eine typische Dreiecksgeschichte: Gilles und Elisa sind verheiratet, haben bereits zwei Kinder und sind noch immer furchtbar ineinander verliebt – insbesondere Elisas Gefühle für Gilles grenzen an Aufgabe der eigenen Individualität. Das Glück wird jedoch durch Elisas jüngere und leichtlebige Schwester Victorine zerstört, die eine Affäre mit Gilles – der sich unsterblich in sie verliebt – eingeht; Elisa weiß um diese Affäre, doch ist ihre Liebe zu Gilles zu groß, als dass sie ihre Ehe beenden könnte. Vielmehr unterstützt und berät sie ihn später sogar, wenn seine Gefühle von Victorine verletzt wurden und verschweigt ihm, wie tief sie durch den Vertrauensbruch verletzt wurde.
Das klingt nun alles sehr banal und antifeministisch, aber im Gegenteil erschien mir das Buch mehr als Warnung vor der völligen Selbstaufgabe, Passivität und bedingungsloser Liebe anstatt einer Propagierung idealisierter Gefühle. Die Geschichte mündet nämlich – soviel möchte ich diesmal doch verraten – in Elisas Suizid.
Die Narration erfolgt primär durch Elisas Augen und auch, wenn man ihr Handeln schwer nachvollziehen kann, sind ihre Gefühle und Gedanken sehr mittelbar und identifikatorisch beschrieben. Mir hat sie jedenfalls unendlich leid getan, obwohl sie in meinen Augen einfach falsch agiert hat. Aber gerade dieses Aufzeigen eines Negativbeispiels macht Gilles’ Frau letztlich, so scheint es mir, doch zu einem für damalige Verhältnisse relativ emanzipatorischem Werk.
(6.5 von 10)
Bücher im Mai 2009 – Part I
I’m alive! Und auch im Mai habe ich wieder nur ganze acht Bücher lesen können, von denen ich euch jetzt – zumindest über die ersten vier – berichten möchte.
Satoru Kannagi & Hotaru Odagiri – Only the Ring Finger Knows Band 1
Auch hierbei handelt es sich wieder mal um einen sogenannten “Light Novel” japanischer Herkunft, der dem Genre der Boy’s Love (hierzulande wohl besser bekannt als shônen ai oder yaoi – also Liebe zwischen zwei Kerls
) angehört.
Die Geschichte wird in zwei Kapiteln aus der Sicht des Oberschülers Fujii Wataru erzählt, an dessen Schule es in Mode ist, Ringe zu tragen, die signalisieren, ob man vergeben oder single ist. Tragen zwei Personen den gleichen Ring am Ringfinger, so bezeugt dies ihre Beziehung. Eines Tages vertauscht Wataru aus Versehen seinen Ring mit dem des in der Schule überaus beliebten, ein Jahr älteren Schülers Kazuki Yuichi, dessen Ring exakt so aussieht wie sein eigener. Wie sich später herausstellt, hat Yuichi Watarus Ring bereits vor einiger Zeit gefunden und da er heimlich in ihn verliebt war, in einem Schmuckladen eine Kopie anfertigen lassen. Nachdem sich auch Wataru seiner Gefühle für Yuichi bewusst wird, werden die beiden nach einigen weiteren Komplikationen ein Paar.
Gelesen habe ich den Novel zunächst nur zugunsten meiner MA, in der ich mich mit dem gleichnamigen Manga beschäftige, der auf der Reihe basiert. Hohe Erwartungen hatte ich nicht – obwohl mir der Manga wirklich gut gefallen hat! – und sie wurden auch nicht wirklich übertroffen. Der Schreibstil ist – typisch Light Novel – extrem simpel gehalten und besteht hauptsächlich aus (manchmal wirklich *facepalm*-provozierenden) Dialogen; die Geschichten beziehen sich ausschließlich auf die Beziehung von Wataru und Yuichi, in diesem ersten Band namentlich das Zusammenkommen der beiden sowie in einer zweiten Geschichte das Thema Eifersucht (das auch weiterhin eine große, recht nervige Rolle spielen wird), repräsentiert durch eine derart unsympathische weibliche Nebenfigur, dass man glauben könnte, die Autorin würde ihr eigenes Geschlecht hassen und verachten.
Ich muss an dieser Stelle aber auch ehrlich gestehen, dass das erste Kapitel mein eingerostetes, inneres yaoi-fangirl wieder ein bisschen zum Leben erweckt hat – einige Szenen haben mir dieses wohlige, warme Gefühl im Bauch verursacht, das ich früher nur beim Lesen besonders gut geschriebener fanfics zu meinen liebsten Pairings gespürt habe. Das war zwar schön, aber umso mehr hat mich das zweite Kapitel wieder ernüchtert, da mich die Charaktere – die ich im Manga so sympathisch fand – teilweise enorm genervt haben. Schade.
Weiterer Negativpunkt: Wie schon beim Dämonenkönig-Novel finden sich auch hier wirklich viele Tippfehler. Scheinbar kann Carlsen sich entweder niemanden leisten, der Korrektur liest, oder aber sie halten die Leserinnen der Novels für derart grenzdebil, dass es sie entweder nicht interessiert oder ihnen gar nicht erst auffällt.
(7 von 10 – aber auch nur, wenn man BL mag. Ansonsten eher– 4 bis 5.)
Akif Pirincci – Schandtat
Da erscheint im Jahr 2007 ein neues Buch der Felidae-Reihe und ich bekomme es gar nicht mit? Das darf ja nicht sein! Spät aber doch habe ich mir also den bereits sechsten Band aus der Reihe um den Kater mit der detektivischen Spürnase, Francis, ausgeliehen – und muss hier ganz klar sagen, dass ich ab dem Mittelteil mehr und mehr ein Gefühl von “what the fuck?!” empfunden habe, das beim Ende in maßlose Enttäuschung gipfelte – und das mich auf den letzten drei Seiten doch noch zum Lachen bringen konnte. Ich möchte jetzt nichts verraten – man weiß ja nie, wer hier so reinliest und wem ich die Freude an der Auflösung nehmen könnte – aber das kam wirklich verdammt überraschend und hat meine Enttäuschung wieder relativiert.
Aber um erstmal darauf einzugehen, worum es überhaupt geht:
Francis’ Sohn, der auf den kreativen Namen Junior hört, möchte unbedingt alles über die Vergangenheit seines Meisterdetektiv-Vaters erfahren – also beginnt Francis an einem gemütlichen Abend vor dem Kamin, dem kleinen Klugscheißer die Geschichte seines ersten Falles zu erzählen. So erfahren wir nach und nach, wie seine Mutter & Geschwister ermordet wurden und er bei seiner “neuen” Familie – Drogen konsumierenden und literarisch gebildete Katzen, die sich die “Dudes” nennen – landete, die schließlich ebenfalls Opfer eines mysteriösen Massakers wird. Francis macht sich also auf die Suche nach dem Mörder und landet bei einem Mann, der die Sprache von Mensch und Tier miteinander verbinden will.
Da Francis jedoch einschläft, bevor er die Geschichte fertig erzählen kann, macht Francis Junior sich auf die Suche nach der früheren Heimat seines Vaters und wird selbst zur Zielscheibe dunkler Machenschaften…
Tja, und alles andere wäre zu kompliziert oder zu sehr gespoilert.
“Schandtat” hatte seine Längen und wie gesagt einen hohen Faktor an “Was zur Hölle ist hier gerade los, was hat der Autor geraucht, warum lese ich sowas?!” – die Auflösung lässt das Gelesene retrospektiv jedoch viel amüsanter und, nun, fast schon ein bisschen “logischer” erscheinen. Außerdem ist Francis’ Sohn einfach so zuckersüß beschrieben und Francis hat noch immer einen derart köstlichen, sarkastischen Sprachgebrauch und Wortschatz, dass es wie immer eine Freude war, eine Geschichte aus der kätzischen Sicht der Dinge zu lesen. Und mehr über Francis’ Vergangenheit zu erfahren, war noch dazu wirklich interessant – insbesondere die Beschreibung seiner Zeit bei den Dudes. Vieles war allerdings auch wieder “gewohnt” eklig dargestellt – allzu exakte Beschreibungen zerfetzter Katzenkörper möchte ich eigentlich gar nicht vor meinem inneren Auge sehen müssen.
Schandtat hat mir wieder besser gefallen als Salve Roma!, aber ich kann mir sehr gut vorstellen, dass der Roman innerhalb der “Fangemeinde” Pirinccis stark polarisiert.
(Und ich hoffe sehr, dass das Ende nicht einfach entstanden ist, weil der Autor nicht mehr wusste, wie er sich aus der merkwürdigen Story retten soll…)
(7 von 10)
Aimee Bender – Ich könnte verschwinden, wenn du mich berührst
Dieses Buch wurde mir von der lieben Lena noch kurz vor ihrer Abreise nach Israel (ich vermisse dich, meine Liebe <3) ausgeliehen – und ich bin sehr froh, dass sie mir diesen literarischen Schatz hat zukommen lassen!
Die Geschichte handelt von der jungen, impulsiven Mona und ihrer geradezu krankhaften Leidenschaft für Zahlen. Obwohl sie keinerlei Ausbildung dafür genossen hat, wird sie kurzerhand in einer Schule als Mathelehrerin eingestellt und unterrichtet dort auf eher unkoventionelle Art und Weise Kinder und Jugendliche, denen sie ihre Liebe zur Mathematik auf spielerische Weise nahebringen will. Die unorthodoxen Methoden begeistern zunächst, machen die Eltern der Kinder aber bald misstrauisch. Außerdem verliebt sich der Biologielehrer der Schule in Mona und sie auch in ihn, aber sie weiß nicht, mit ihren Gefühlen umzugehen.
Entgegen des Titels ist das Buch aber nur sekundär eine Liebesgeschichte – die ist dafür erfrischend unkitschig und schön beschrieben. Eigentlich geht es aber immer um die Psyche Monas, ihre Kindheit, ihre psychische Krankheit und damit einhergehend ihre zahlreichen merkwürdigen Ticks, ihre Beziehung zu den Kindern, die sie unterrichtet sowie zu ihren Eltern und hier insbesondere ihrem hypochondrischen Vater. (Zumindest gehe ich davon aus, dass er unter Hypochondrie leidet – beim Namen genannt wird, abgesehen von Krebs, eigentlich keine Krankheit.)
Die Geschichte ist durchzogen von einer sehr schwermütigen, teilweise auch sehr deprimierenden Stimmung; nichtsdestotrotz fand ich sie einfach "schön", ohne wirklich festmachen zu können, was an dieser traurigen Story so schön sein soll. Mmh.
Das Buch hat mich berührt und auch nach der letzten Seite noch nicht losgelassen. Ein schönes Gefühl, wenn es auch von einer sehr melancholischen Geschichte ausgelöst wurde.
(9 von 10)
Michelle Rowen – Ein Happy End mit Biss
Da gebe ich der Autorin noch eine zweite Chance, mich mit ihrer Vampir-Reihe zu überzeugen, und was passiert? Sie verkackt es – und zwar so richtig.
Erste Enttäuschung: Im Buch geht es nicht um Sarah Dearly, sondern um Janie Parker, die im zweiten Band eine Nebenrolle gespielt hat sowie Michael Quinn. Schön und gut, natürlich hätte ich mich vorher schlau machen können – aber wenn es auf dem Buchrücken nicht steht, die Autorin die gleiche ist und auch der Stil der Cover dem der ersten Bände entspricht… wer soll sowas ahnen?!
Nun, dies hätte ich noch entschuldigen können, wenn die Story nicht so verdammt banal, vorhersehbar und witzlos gewesen wäre:
Die Auftragskillerin Janie bekommt von ihrem bösen, bösen (und ihr ahnt ja gar nicht WIE böse und “teuflisch”, uhuhu.) Chef einen neuen Job: Sie soll “das Auge” auftreiben, einen sagenumwobenen Juwel, der dem Besitzer einen Wunsch erfüllen kann. Auch Michael Quinn – in den Janie früher unheimlich verschossen war, der aber mittlerweile zum Vampir geworden ist – ist hinter dem Juwel her, um sich durch dessen Macht wieder in einen Menschen zu verwandeln. Nun dürft ihr alle dreimal raten, was passiert: Ja, die beiden entdecken ihre Gefühle füreinander und uh-oh, was sollen sie nur tun, sie brauchen schließlich beide das Juwel und für Janie steht sowieso noch viel mehr auf dem Spiel, weil ihr Chef sie mit dem Wohlbefinden ihrer long-lost sister erpresst und mimimi. Man, also ich kann mir nicht helfen, aber das war an Flachheit kaum zu unterbieten und nur Rowens recht amüsanter Schreibstil (und Werwolf Barkley) hat mich bei der Stange halten können. Noch dazu war die Übersetzung einfach beschissen – wenn jemand “no shit Sherlock” mit “Nein, Scheiße, Sherlock” übersetzt, hört für mich der Spaß wirklich auf.
Mehr möchte ich eigentlich gar nicht dazu sagen, weil es mich einfach nur enttäuscht hat. Den vierten Band kaufe ich ganz bestimmt nicht…
(3.5 von 10 für Barkley und den netten Stil von Rowen.)