Bücher im Februar 2010 – Part II
Und weiter geht’s!
Chris Killen – Das Vogelzimmer
Die Stadtbib in Herborn hatte einen Batzen neue Bücher reinbekommen, ich hatte nicht mehr viel zu lesen und so habe ich mir spontan dieses mit seinen ~160 Seiten recht dünne Buch, das – so der Klappentext – einen “Liebesroman mit einer überraschenden Wendung” und Ergüsse über die menschliche (Un-)Fähigkeit, Beziehungen zu führen, versprach.
Viel mehr als ein gebrochenes Versprechen hat es bei mir nicht hinterlassen.
Die Story ist schnell erzählt: Protagonist ist Will, der sich in Alice verliebt und mit ihr eine Beziehung beginnt – seine erste “ernsthafte” Beziehung, da er alle vorherigen Frauen schnell mit seiner paranoiden Art vergrault hat. Doch Alice verliebt sich leider allzu schnell in Wills besten Freund, der ebenfalls Will heißt und als vogelzeichnender Künstler tätig ist. Will 1 und Alice leben sich auseinander. Boo-fucking-hoo.
Das Buch lässt sich recht gut in einem Wort zusammenfassen: Langeweile. Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass ich (primär in der deutschen Popliteratur) schon so viele trostlose Rumjammerei über kaputte twenty- oder thirtysomethings, die sich in ihrem Selbstmitleid ob der eigenen oder Unfähigkeit zu Beziehungen oder verschmähten Gefühlen suhlen, aber die Geschichte war in meinen Augen weit entfernt davon, innovativ zu sein und die “schockierende” Wendung war in etwa so überraschend wie die Ergebnisse meines letzten Versuchs, mit gesünder zu ernähren. (Sprich: nicht vorhanden.) Ebenso die wohl als provokant gedachten Sexszenen, die bei mir nichtmal das Heben einer Augenbraue auslösen konnten. Been there, done that. (Okay, vielleicht eher: read that.)
Killens Stil hatte einige nette Momente, aber auch das fragmentarische Schreiben, das die Zerrissenheit der Protagonisten widerspiegeln soll, ist nun wirklich nicht die Neuerfindung des Rads. Charakterentwicklung war ebenfalls nicht zu erkennen, da Will sich an keiner Stelle aus seinem Selbstmitleid befreien konnte – oller Emo, dem man gerne mal links und rechts eine watschen möchte!
Viel mehr kann ich zu dem Buch nicht sagen, aber es war ja auch nicht sonderlich lang. Es war okay als seichte Literatur für zwischendurch, aber ich habe ungefähr 150 der 160 Seiten schon wieder vergessen, weil es in meinen Augen einfach unglaublich belanglos war. M.E. hätte es vielleicht besser in eine Kurzgeschichtensammlung gepasst.
(3 von 10)
Kerstin Gier – Rubinrot
Vor einigen Monaten hat die liebe Nic in ihrem livejournal von einem Buch namens “Rubinrot” geschwärmt, dass ihr, obwohl sie sonst mit der Frauenliteratur von Kerstin Gier nichts anfangen kann, richtig gut gefallen habe. Zunächst konnte ich mich nicht wirklich überwinden, ein Buch von Frau Gier in die Hand zu nehmen, aber auch hier hat die Stadtbib mir geholfen, die Fremdelei zu überwinden. Mit Erfolg!
Die 16jährige Gwendolyn lebt in London und gehört einer Familie an, in der es vor Geheimnissen nur so wimmelt. Das vermutlich größte Geheimnis ist, dass eines ihrer Familienmitglieder – ihre Cousine Charlotte – über ein Zeitreise-Gen verfügt, mit dem sie durch die Zeit springen kann (oder besser gesagt: muss). Doch plötzlich stellt sich heraus, dass nicht Charlotte, sondern Gwendolyn die Auserwählte ist – und das, obwohl Charlotte ihr Leben lang auf die zuweilen sehr gefährlichen Sprünge durch die Zeit vorbereitet wurde. Noch dazu bekommt sie einen gleichaltrigen, arroganten Partner namens Gideon zugeteilt, mit dem sie gemeinsam einige Missionen in unterschiedlichen Jahrhunderten meistern soll…
Vielleicht liegt es daran, dass Gier hiermit ihren ersten Jugendroman veröffentlicht hat – aber mir hat das Buch unheimlich gut gefallen! Natürlich lassen sich viele Spuren typischer Teenager-Literatur wiederfinden, denn wie erwartet verliebt sich Gwen in Gideon und die Neckereien zwischen den beiden lassen darauf schließen, dass er ihre Gefühle erwiedert. Aber die Geschichte ist derart– ja, man muss es schon “charmant” nennen, das man ihr vieles verzeiht.
Die Idee des Herumspringens zwischen den Zeiten ist sicherlich auch nichts Neues, aber die Autorin hat sich – das merkt man – viele Gedanken gemacht, um es möglichst plausibel erscheinen und so gut wie keine plot holes aufkommen zu lassen. Auch lernt der Leser im ersten Band – es soll eine Trilogie werden – bereits sehr viele Charaktere kennen, aber sie sind alle sehr sorgfältig und glaubwürdig ausgearbeitet. Auch das ist keine Selbstverständlichkeit und rechne ich ihr hoch an.
Das vielleicht wichtigste: Die Geschichte hat mich gefesselt. Ich habe die knapp 350 Seiten innerhalb von 2 1/2 Tagen verschlungen und musste mit Frustration feststellen, dass die Bib noch nicht über den zweiten Band verfügt und der dritte erst im Oktober erscheinen soll…
Sicherlich werde ich trotz dieser positiven Bewertung kein “Frauenbuch” von Kerstin Gier lesen, aber ihre Trilogie werde ich auf jeden Fall weiter verfolgen und ich kann sie nur jedem empfehlen, der hin und wieder gerne ein Jugendbuch mit phantastischen Elementen zur Hand nimmt. ![]()
(7 von 10)
Francois Lelord – Hector & Hector und die Geheimnisse des Lebens
Die ersten drei Bücher aus der Reihe von Francois Lelord, die man fast schon als “Lebensratgeber in Romanform” bezeichnen könnte, habe ich mit viel Spaß gelesen – auch, wenn sie mir teilweise fast schon ein wenig zu philosophisch und “gutmenschlich” (ist das ein Wort?!) erschienen. Es ist allerdings schon einige Zeit her, dass der letzte Band in Deutschland veröffentlicht wurde und ich habe schon nicht mehr mit einer Fortsetzung gerechnet. Durch Zufall entdeckte ich dann diesen neuen Band, in dem Hector bereits einen Sohn hat.
Psychiater Hector hat nach seinem letzten Abenteuer mit seiner Freundin Clara eine Familie gegründet und die beiden leben gemeinsam mit ihrem Sohn Petit Hector in einer kleinen französischen Stadt. Das, worüber der große Hector sich in den vorherigen Bänden so viele Gedanken gemacht hat – was bedeutet Glück? Was ist eigentlich Zeit? Und wie lässt sich Liebe erklären? – macht nun auch seinem Sohn zu schaffen. Wie soll er mit den Schlägern auf seiner Schule umgehen? Wann ist es in Ordnung oder sogar gut, zu lügen? Wieso sind Mädchen so komisch und wie kann er Amandine, in die er unsterblich verliebt ist, näher kennen lernen? Und ist sein Papa wirklich der stärkste Mann und seine Mama die hübscheste Frau der Welt? Über all diese Dinge informiert er sich bei seinen Eltern und schreibt an jedem Abend seine neu erlernte Lektion in ein Büchlein.
Das klingt vermutlich nicht besonders spannend und das ist es auch nicht. Um ehrlich zu sein, hat mich das Buch zudem im Vergleich zu seinen Vorgängern eher enttäuscht; es ist nicht schlecht, es hat einige witzige und auch kluge Passagen, aber insgesamt wirkt es schon wieder sehr “gutmenschlich” (wirklich, ist das ein WORT?) und war mir auch ein wenig zu religiös angehaucht. (Obwohl auch die Religion im Ansatz kritisch hinterfragt wurde) Im Vergleich zu den vorherigen Büchern gab es außerdem keine Handlung per se, sondern viele kleine, kurze Episoden und keinen richtigen Höhepunkt.
Lelord versteht es allerdings sehr gut, aus der Sicht eines Kindes zu schreiben – das hat viele sehr witzige Szenen mit sich gebracht, aber auch sehr viele beinahe schon traurige; er hat sehr schön aufgezeigt, dass Kinder meist sehr viel mehr mitbekommen und vor allem verstehen, als man es ihnen als Erwachsener zuzutrauen kann (und will). Wie zuvor gelingt es Lelord außerdem, wichtige Botschaften und Lebensweisheiten – oder zumindest das, was er als wichtig erachtet – in simple Aussagen (oder Vergleiche) zu verpacken. Teilweise empfand ich es dann aber wieder ein bisschen zu subtil; so hätte er z.B. ausführlicher auf den Aspekt Rassismus eingehen können.
Schade fand ich außerdem, dass nie wirklich klar geworden ist, wie alt Petit Hector eigentlich sein soll. Manchmal hatte ich das Gefühl, dass er evtl. erst zwischen 7 und 9 Jahre alt ist, dann wieder erschien er mir fast schon in der Frühpubertät.
Wer die vorherigen Bände aus der Hector-Reihe kennt, der kann unbesorgt auch die Geschichten um Petit Hector lesen. Als Einstieg in die Reihe würde ich es jedoch nicht empfehlen.
(5 von 10)
Außerdem gelesen:
Tite Kubo – Bleach Vol. 38 (Manga)