Bücher im Februar 2010 – Part I

March 19, 2010 at 7:20 pm (Uncategorized) (, , )

So schnell kann’s gehen! Ich bin wieder etwas motivierter und daher kommt hier bereits der nächste buchblog-entry.

Sujata Massey – Japanische Perlen
Nachdem mich der letzte Roman, den ich im vergangenen Januar gelesen habe, eher enttäuscht hat – es handelte sich dabei um “Die Tochter des Samurai” -, habe ich vorerst auf weitere Bücher aus der Rei Shimura Reihe verzichtet. Als ich jedoch “Japanische Perlen” für 2 Euro als Mängelexemplar auffand, konnte ich nicht widerstehen – und wurde positiv überrascht.

Obwohl sie eigentlich viel lieber in Japan geblieben wäre, ist Rei Shimura mit ihrem Freund (bzw. mittlerweile ist er ihr Verlobter) Hugh in die USA zurück gekehrt – in die Stadt, in der sie aufgewachsen ist. Dort lebt sie sich nur sehr langsam wieder ein – hilfreich dabei ist ihre aufgedrehte Cousine Kendall, die ihr sofort einen Job als Innenarchitektin verschafft: Rei soll ein neues japanisches Restaurant möglichst authentisch ausstatten. Bei der Eröffnung des Restaurants wird Kendall jedoch plötzlich entführt – wer steckt dahinter? Wie zuvor in Japan wird Rei mehr oder weniger freiwillig in detektivische Arbeiten hineingezogen, die sie bald selbst in tödliche Gefahr bringen…

Ja ja, das mag alles unglaublich langweilig und stereotyp klingen – und ganz ehrlich: Genau das ist es auch! Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass ich so lange kein Buch aus der Reihe gelesen habe oder ob es sich vom Stil her tatsächlich so stark von der Tochter des Samurai unterscheidet, aber ich hatte wieder sehr viel Spaß am Lesen und obwohl mich Rei – wie fast immer – teilweise enorm genervt hat, hat sie mir wieder besser gefallen, weil sie endlich wieder sowas wie einen CHARAKTER hatte. Auch gefallen hat mir, dass hier erneut die traditionelle Frauenrolle kritisiert und zuweilen parodiert wurde. Dass es kein Happy End für Rei und Hugh gab (SPOILER SPOILER), fand ich auch okay. Es sei denn, die beiden finden später wieder zueinander. Das wäre ziemlich inkonsequent.

Das Gute an den Büchern ist, dass man sie nicht in der tatsächlich veröffentlichten Reihenfolge lesen muss, um sie zu verstehen. Das ist zwar insofern schade, als dass keinerlei character development stattfindet (mhm, beißt sich diese Aussage mit dem vorherigen Absatz…?), aber da es sich nicht um besonders anspruchsvolle Literatur handelt, ist es auch kein Beinbruch.
Ich habe nur die Befürchtung, dass ich mir irgendwann einmal einen Roman von Massey doppelt kaufen werde, weil die plots an und für sich nach wenigen Wochen aufgrund ihrer Austauschbarkeit komplett aus meinem Gedächtnis verschwunden sind…

Fazit: Wer die Rei Shimura Reihe noch nicht kennt und einen Band für 2 Euro auf dem Mängelexemplar-Tisch findet, dem kann ich nur nahe legen, einen Blick zu riskieren. Besser als “Frauenliteratur… mit Sahnehäubchen” sind ihre Bücher allemal. ;)
(6.5 von 10)

Richard Dawkins – Der Gotteswahn
Wie das zuvor genannte Buch habe ich auch den Gotteswahn als Mängelexemplar erstanden; eigentlich wollte ich mir das Buch – als guter Atheist ;) – bereits vor einigen Monaten zulegen, aber irgendwie ist es dann aus meinem Gedächtnis verschwunden.

Zum Inhalt brauche ich sicherlich nicht mehr viel sagen, denn Dawkins dürfte so ziemlich jedem Gläubigen und Nichtgläubigen mittlerweile ein Begriff sein. In “Der Gotteswahn” geht es hauptsächlich darum, dass Dawkins anhand wissenschaftlicher (primär evolutionsbiologischer) “Beweise” aufzeigen will, dass es – um den Atheistenbus zu zitieren – mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keinen Gott gibt und dass der Glauben vielerlei negative Auswirkungen auf die Menschen und ihr Miteinander hat(te).

Zunächst muss ich gestehen, dass der naturwissenschaftliche Teil des Buches sich für mich *enorm* in die Länge gezogen hat. Sicherlich waren einige der Erkenntnisse sehr interessant, aber für mich als Geisteswissenschaftlerin, die schon in Schulzeiten mit den Naturwissenschaften nicht viel anfangen konnte, waren diese Abschnitte sehr ermüdend. Ich hätte sie natürlich überspringen können – aber dafür war ich zu stolz. ;)

Umso interessanter fand ich die weiteren Abschnitte des Buches. So gibt es beispielsweise ein Kapitel zum Thema “Moral und Religion”, in dem beschrieben wird, wie Atheisten immer wieder die Moral abgesprochen wird bzw in dem Dawkins diskutiert, ob es denn eine Ethik ohne Religion geben könnte. (Dass so eine Frage überhaupt immer wieder gestellt wird, macht mich häufig ziemlich wütend…) Auch das Kapitel zur Indoktrination von Kindern war überaus lehrreich; so betont er beispielsweise, dass man nicht von einem “katholischen Kind” oder von einem “muslimischen” Kind reden sollte, sondern von einem “Kind katholischer/muslimischer Eltern”, da im Kindesalter eine schwerwiegende Entscheidung wie die der Religion noch nicht getroffen werden könne.
Es gibt in diesem Buch noch so viele mehr aufschlussreiche Kapitel – zum Beispiel eine ausführlichere Beleuchtung einiger (GRUSELIGER!) Abschnitte der Bibel, die vielen Gläubigen sicherlich nicht bekannt sind, Frauenfeindlichkeit / Homophobie & Religion, Kreationismus, Angst, Krieg, etc.

Im Gedächtnis geblieben ist mir vor allem ein Teil des Buches, in dem Dawkins schreibt, dass zwar die sexuellen Missbräuche durch Kirchenmenschen natürlich schlimm und verachtenswert, aber zuweilen weniger traumatisch als der psychologische Missbrauch seien. Als Beispiel zitiert er eine Frau, die in ihrer Kindheit zum einen von einem Pfarrer begrabscht wurde und der zum anderen eingetrichtert wurde, dass ihre beste Freundin nach ihrem Tod in der Hölle schmoren würde, weil sie einer anderen Religion angehörte – letzteres hat sie tiefer getroffen und länger verfolgt als die Berührungen des Pfarrers! Vielleicht hat mich dieses Beispiel so sehr berührt, weil es in meiner Kindergartenzeit einen ähnlichen Fall gab: ein Pfarrer meiner Heimatstadt hat einem meiner besten Freunde eingeredet, seine Eltern würden in der Hölle landen – ebenfalls, weil sie einer anderen Religion angehörten. Meinem Freund – der etwa vier oder fünf Jahre alt war – hat das natürlich mehrere Wochen quälende Alpträume beschert. Wie kann man Kindern gegenüber nur so grausam sein?
(Natürlich ist mir bewusst, dass nicht alle religiösen Menschen so sind – und gerade besagter Pfarrer war in meinen Augen generell ziemlich geistesgestört – aber die Negativbeispiele bleiben einfach zu stark im Gedächtnis…)

Negativ aufgefallen ist mir allerdings, dass Dawkins zwar immer wieder betont, dass er mit vielen religiösen Menschen befreundet ist oder zumindest interessante Diskussionen mit ihnen führt, aber auf der anderen Seite gläubige Menschen teilweise – so erschien es mir – fast schon beleidigt. Die Toleranz, die er von gläubigen Menschen Agnostikern und Atheisten gegenüber einfordert, ist mehr als nur überfällig, aber er selbst sollte vielleicht ebenfalls versuchen, all die schlechten Erfahrungen mit Gläubigen nicht in völlige Verachtung umzuwandeln. Insbesondere dass er gar als These anführt, Religiösität könnte eine Art “psychische Krankheit” sein, erschien mir – obwohl ich das selbst bei manchen Exemplaren immer wieder vermute… – ein wenig grenzwertig.
(Andererseits: so viel wie er bereits an persönlichen Beleidigungen einstecken musste – es waren einige Briefe abgedruckt, die mich amüsiert hätten, wäre ich ob ihrer Grausamkeit nicht so entsetzt gewesen -, ist es kein Wunder, wenn ihm die Toleranz etwas schwer fällt. Jaja, Nächstenliebe, Moral und so…)

Mich persönlich hat das Buch sehr bereichert und in meiner Position als Atheistin bestärkt. Aufgrund der interessanten Thesen ist es in meinen Augen sowohl für Gläubige – sofern sie über ein dickes Fell verfügen ;) – als auch Nichtgläubige empfehlenswert!
(8.5 von 10)

J. D. Salinger – Der Fänger im Roggen
Ich gehöre zu den wenigen Schülern, die Salingers berühmtestes Werk nicht in der Schule durchgenudelt haben – leider. Seit einigen Jahren schon wollte ich die Lektüre nachholen und vor einigen Monaten – und somit auch vor Salingers Tod – habe ich es endlich geschafft, den Roman in der Herborner Bib vorzubestellen.

Protagonist ist der 16jährige Holden Caulfield, der zu Beginn der Geschichte zum bereits vierten mal aufgrund miserabler Schulleistungen aus einem Internat geflogen ist. In den folgenden Tagen verfolgt der Leser Holden auf seiner Reise zurück nach New York, wo er sich zunächst in ein billiges Hotel begibt, um seinen Eltern aus dem Weg zu gehen, die noch nichts von dem Rauswurf wissen. Dort kauft er sich jedoch aus Versehen eine Prostituierte, mit der er aber eigentlich gar keinen Sex haben will und wird später von deren pimp verprügelt. Auch jegliche Annäherungsversuche an ehemalige Freundinnen schlagen letztendlich fehl. Schließlich schleicht er sich heimlich in das Haus seiner Eltern, um sich von seiner Schwester Phoebe zu verabschieden, bevor er sich in einer einsamen Blockhütte “zur Ruhe” setzen will – denn sein größter Traum ist es, “Fänger im Roggen” zu werden, der Kinder vor dem “Fall” (sprich: dem Erwachsenwerden) beschützt.

Das Besondere an diesem Buch ist sicherlich nicht die Geschichte an und für sich, denn die ist sehr simpel; viel mehr hat mich der Schreibstil fasziniert, der durchgängig dem (damaligen) Jugendjargon entspricht. Holden spricht und denkt genau so, wie man es als Jugendlicher in diesem Alter eben tut; er ist unangepasst und hinterfragt die Welt, das Verhalten der Erwachsenen, Frauen & Liebe, gesellschaftliche Aspekte, etc. – und kommentiert auf eine sehr erfrischende, nicht selten auch sarkastische, manchmal aber auch einfach nur herrlich naive und geradezu blödsinnige Art. Dass er eigentlich eine ziemliche arme und bemitleidenswerte Socke ist – so z.B. als er ohne sein Verschulden verprügelt wird -, führt ebenfalls immer wieder zu unfreiwillig komischen Szenen. (Besonders im Gedächtnis geblieben ist mir außerdem eine Szene, in der er sich mit einem Taxifahrer unterhält und ihn fragt, was denn eigentlich die Enten und Fische aus dem Central Park machen, wenn der See dort zufriert. … Situationskomik.)
Letztlich hinterfragt Holden sich aber auch immer wieder selbst, um herauszufinden, wer er eigentlich ist und was er mit seinem Leben anstellen möchte, und findet nach und nach durch das Observieren seiner selbst die Lösung. Das macht Salingers Werk auch zu einer Art verkürzten Entwicklungsroman, in dem nur der Beginn der Ausbildung Holdens Charakters thematisiert wird.
Salinger schreibt seinen Protagonisten jedoch so witzig, dass man auch ohne diese verdeckte Botschaft viel Spaß mit der Geschichte haben kann.

Was ich noch loswerden muss: Wie gemein ist es bitte, dass eine Vielzahl an Schülern ein derart tolles Buch in der Schule lesen “müssen”, während man mich mit Kafka, Kleist und Goethe gequält hat? (Sidenote: Goethe mag ich zwar, aber ihn in der Schule auseinander zu nehmen, war– nicht immer spaßig. Und Kafka habe ich ebenfalls erst nach der Schule sehr zu schätzen gelernt, als man mir nicht mehr irgendwelche Lehrer-Interpretationen aufgenötigt hat.)

In meinen Augen ein Klassiker, den man gelesen haben sollte und der im Gegensatz zu einigen anderen Klassikern sogar Spaß macht. :)
(8 von 10)

PS: Yay, Hegemann hat NICHT den Buchpreis gewonnen. Richtig so! :)

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