Bücher im Dezember 2009

January 16, 2010 at 12:41 pm (Uncategorized) (, , , )

Wie, kein Part I? Ganz genau: Dank “Unendlicher Spaß” (das ich nun aber fast komplett gelesen habe!!) und der ersten Hälfte von Dan Browns “Das verlorene Symbol” habe ich im Dezember 2009 nur vier Bücher lesen können.

Dora Heldt – Urlaub mit Papa
Hinter dem Erlangen dieses Buches steckt eine kleine, feine Geschichte: Irgendwann, an einem überaus heißen Tag im Sommer 2009, begab es sich, dass ich gemeinsam mit boyfriend zu IKEA in Braunschweig gefahren bin. Nach einem relativ umfangreichen (Kerzen-)Einkauf brachte ich den Einkaufswagen zurück und entdeckte im Mülleimer neben den Wagen ein eigentlich noch recht neu aussehendes Buch. Da der Mülleimer ansonsten leer war und ich kein Buch einfach so zurücklassen kann, habe ich es rausgeholt, schockiert festgestellt, dass einige Seiten wahllos rausgerissen, mit IKEA-Möbel-Namen beschmiert und wieder ins Buch reingelegt worden waren. Wieso sind manche Menschen nur so grausam? :( Ich habe es jedenfalls nicht über’s Herz gebracht, das Buch wieder in den Müll zu legen, sondern habe es mit nach Hause genommen und im Dezember 2009 dann auch tatsächlich gelesen.

Die 45jährige Christine hat einer Freundin versprochen, gemeinsam mit einer ditten Freundin bei der Renovierung ihrer Kneipe auf Norderney auszuhelfen. Doch kurz vor ihrer Abreise erhält sie einen Anruf von ihrer Mutter: Aufgrund deren Kniescheiben-Operation soll Christine ihren 73jährigen Vater Heinz mit auf die Insel nehmen und babysitten! Bevor die drei überhaupt auf der Insel angekommen sind, sorgt Heinz schon für Bombenalarm am Bahnhof und auch auf Norderney übernimmt er sofort das (Chaos-)Kommando. Und damit nicht genug: Der hübsche, mysteriöse Johann, in den sich Christine Hals über Kopf verliebt, ist für Heinz sofort der seit Wochen gesuchte Heiratsschwindler! Gemeinsam mit seinen drei neuen Freunden – alle im Alter von 60+ – will Heinz dem Schuft das Handwerk legen und natürlich nebenbei die gesamte Kneipe nach seinem Geschmack neu einrichten…

Das Buch ist bei weitem keine großartige Literatur, aber es hat mich oft zum Schmunzeln gebracht. Die Charaktere sind sehr liebenswert gezeichnet, insbesondere Heinz, der mich teilweise an Jan Weilers Antonio erinnert hat; man kann sich pausenlos über ihn aufregen und will ihn keinesfalls als (Schwieger-)Vater haben, aber man schließt ihn doch schnell ins Herz. :)

Der Schreibstil ist okay, die Handlung mehr als nur vorhersehbar. “Urlaub mit Papa” geht bei mir als gute Strandlektüre durch, aber inhaltlich und bzgl. des Anspruchs bewegt es sich kaum über dem Niveau einer Samstagabend-Schmonzette im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Was aber auch gar nicht schlimm ist und auch mal sein muss – denn von der “typischen” Frauenlektüre ist es zum Glück doch sehr weit entfernt. Für mich hat es sich auf jeden Fall gelohnt, das Buch aus dem Müll zu retten!
(6 von 10)

Cecily von Ziegesar – Gossip Girl Vol. 2
Viel kann ich zu diesem zweiten Teil der Gossip Girl Reihe nicht sagen; inhaltlich geht es auch weiterhin um die reichen und schönen Teenager aus New Yorks Upper East Side, hauptsächlich Serena und Blair, die sich in diesem Band wieder miteinander vertragen und erneut BFFs werden, Blairs verzweifelte Versuche, endlich zum ersten mal mit ihrem Freund Nate zu schlafen, der wiederum eine Beziehung mit Jenny, der Schwester von Dan, anfängt, der nicht zu den Reichen und Schönen gehört, aber eine Beziehung mit Serena anfängt und– ich glaube, das ist schon Beschreibung genug. Im Mittelpunkt dieses Bandes steht außerdem die zukünftige Uni-Karriere der Protagonisten und der Höhepunkt war das Interview von Blair in Yale, das sie so richtig peinlich in den Sand gesetzt hat, nachdem sie den Abend zuvor mit dem Sohn des neuen Mannes ihrer Mutter, die von Blairs (schwulem) Vater verlassen wurde, in einem dreckigen Hotelzimmer mit viel Alkohol, Gras und ungesundem Essen verbracht hat.

Gossip Girl ist weiterhin so wunderbar ironisch-oberflächlich geschrieben und dreht sich um die gleichen unsympathischen Figuren wie zuvor – und deswegen hat auch der zweite Band wieder richtig viel Spaß gemacht. Die Serie werde ich definitiv weiter verfolgen, wenn auch die Unterschiede zwischen Büchern und TV-Serie teilweise mehr als nur gruselig sind.

(Die zukünftigen Bände werde ich aber – sofern sie nicht etwas Besonderes beinhalten – nicht mehr rezensieren, sondern nur erwähnen.)
(7 von 10)

Simon Beckett – Leichenblässe
Der dritte Band aus der Reihe um den forensischen Anthropologen David Hunter, auf den am Ende des zweiten Bandes ein Mordanschlag verübt wurde (upsi, Spoiler!) und der den Leser mit einem sehr fiesen cliffhanger zurückließ. Spätestens als jedoch der dritte Band angekündigt wurde, war jedem klar: Hunter überlebt sowieso.

Nachdem er sich von den Messerstichen, die ihn eigentlich töten sollten, erholt hat und zugleich nach der Trennung von seiner Freundin Jenny (von der er sich weniger erholt hat), reist David Hunter auf Einladung seines früheren Mentors Tom Lieberman nach Tennessee, um ihn dort bei einem Mordfall – der sich kurz darauf als Beginn einer Mordserie herausstellt – zu unterstützen. Die ansässige Polizei ist von der Anwesenheit des Briten allerdings alles andere als begeistert und lässt ihn das auch spüren. Nach und nach tauchen jedoch mehr Ungereimtheiten bezüglich der Toten und der möglichen Täter auf, und Hunter realisiert: Der Mörder spielt mit ihnen und er selbst und auch seine Freunde in Tennessee schweben in Gefahr…

Gleich zu Beginn: “Leichenblässe” hat mich ziemlich enttäuscht. Für mich ist es der schwächste Teil der (bisherigen) Trilogie; die Geschichte war unspektakulär und ich habe das Grundgerüst in ähnlicher Form schon in dutzend anderen Büchern gelesen – genau wie im Vorgängerband “Kalte Asche”, der mich nach der Chemie des Todes bzgl. Beckett ebenfalls ernüchtert hat. Das einzig relativ Originelle (aber auch nur in Bezug auf die Reihe) waren die Abschnitte, die aus der Sicht des Antagonisten beschrieben waren und die den Leser zunächst auf eine falsche Fährte hinsichtlich dessen Identität führen sollten. Aber auch Einblicke in die Gedankengänge eines Serienmörders sindt ja nun kein besonders innovatives Stilmittel, ebenso die Ablehnung durch die ortsansässige Polizei. (Habe ich ja z.B. erst vor kurzem bei Deavers “Insektensammler” gelesen)

Das Buch hatte ich dennoch recht schnell durchgelesen, jedoch erschien es mir auch um einiges kürzer als die ersten beiden. Kurzweilige Unterhaltung, wenn auch m.E. sehr viel langweiliger als die beiden Vorgänger und mit dem faden Beigeschmack von “Das gab’s doch alles schonmal…”

(Was mir auch aufgefallen ist: Während der erste Titel der Reihe um David Hunter noch ziemlich genau übersetzt wurde (“The Chemistry of Death”), hat man sich bei den beiden Nachfolgern für abweichende Titel entschieden (“Written in Bone” -> Kalte Asche; “Whispers of the Dead” -> Leichenblässe), obwohl die Originaltitel m. E. eigentlich recht gut ins Deutsche hätten übernommen werden können.
Aber auch das ist ja leider nichts Neues…)
(6 von 10)

Nicholas Sparks – The Notebook (Audiobook)
Es mag überraschen, dass ich überhaupt freiwillig ein Buch von Nicholas Sparks, der ja nun eher für seine trivialen Frauenromane bekannt ist, zur Hand nehme (bzw. in meinen CD-Spieler lasse). Nachdem ich aber gerade zu “The Notebook” mehr als nur eine positive Stimme vernommen habe – wobei sich das wohl zumeist auf den Film, der auf dem Buch basiert, bezieht – habe ich dem kleinen Büchlein eine Chance gegeben; es hat mich mit einer gespaltenen Meinung zurück gelassen.

Die Handlung ist in zwei Erzählstränge aufgeteilt: Die Rahmenhandlung spielt in einem Altenheim, in dem ein älterer Herr einer Frau eine Geschichte – ihre Liebesgeschichte, die er vor Jahren aufgeschrieben hat – vorliest. Diese Liebesgeschichte nun gehört zum banalsten und kitschigsten, was ich seit langem (sprich: seit Twilight) gelesen habe. Noah und Ally verlieben sich als Teenager ineinander und erleben gemeinsam die erste große Liebe, werden jedoch – weil Ally mit ihrer Familie wegzieht – auseinander gerissen. Einige Jahre später ist Ally mit einem Anwalt verlobt, will Noah jedoch ein letztes mal wiedersehen und fährt in das Kaff, in dem sie ihre gemeinsame Jugend verbracht haben. Nun kann man sich denken, was passiert… die beiden lieben sich natürlich immer noch und lassen ihre Beziehung wieder aufleben. Noah erfährt, dass Ally seine Briefe nie erhalten hat, weil ihre Mutter sie vor ihr versteckt hat. Besagte Mutter taucht dann auch auf, entschuldigt sich bei ihrer Tochter und warnt sie, dass ihr Verlobter auf dem Weg ist. Nun muss Ally sich zwischen den beiden entscheiden. Spoiler: Sie entscheidet sich – surprise, surprise! – für Noah und ihr Verlobter, der scheinbar der netteste Mensch auf Erden ist, akzeptiert das auch einfach so.

Dieser gesamte Liebesschnulzenteil war für mich eine Zumutung und hat das Im-Stau-Stehen auf der Autobahn noch viel schlimmer gemacht, als es sowieso schon war. Die Liebesszenen waren derart schwulstig geschrieben, dass ich das Gefühl hatte, einen Groschenroman für 2 Euro zu lesen. Beide Protagonisten waren natürlich auch unbeschreiblich attraktiv, hatten keine Fehler – Noah der Dichter, der seiner Ally, die natürlich Künstlerin ist, immer wieder wunderschöne Gedichte schreibt und vorliest… dieser gesamte Teil war für mich Brechmittel par excellence und strotzte vor tausendmal zuvor benutzten Klischees.

Aber! Nachdem der unerträglich schmalzige Teil vorbei war und die Geschichte wieder zur Rahmenhandlung im Altenheim zurückkehrte, wurde es tatsächlich wieder besser und interessanter. Natürlich ist “Sie hat Alzheimer und erkennt ihre große Liebe nicht mehr” auch nicht gerade innovativ zu nennen, aber – und das hat mich persönlich überrascht – dieser Teil der Erzählung hat mich berührt. Wie Ally nach und nach von der Krankheit verschlungen wird, ist – so denke ich – relativ realistisch erzählt, natürlich auch stark auf die Tränendrüse gedrückt, aber… als jemand, der verdammt große Angst vor einer solchen Krankheit hat (ob sie nun mich ober ein Familienmitglied treffen mag), war ich wirklich ein wenig emotional involviert.

Deswegen fällt es mir auch recht schwer, nun eine eindeutige Bewertung abzugeben. Ich würde das Buch eigentlich absolut niemandem empfehlen, höchstens vielleicht wenn man urplötzlich vom Bedürfnis nach einer möglichst kitschigen Geschichte übermannt wird – soll ja vorkommen. ;)
Unabhängig vom besser geschriebenen zweiten Teil, der jedoch kürzer ausfällt (oder mir zumindest kürzer vorkam als die ach-so-romaaantische Liebesgeschichte), war der Schreibstil insgesamt nicht mein Fall. Wie bereits zuvor erwähnt, fand ich besonders die Szenen, in denen Ally und Noah miteinander geschlafen haben, extrem grausig und irgendwo zwischen schlechtem Fanfic und Groschenroman anzusiedeln. (Mutig fand ich jedoch, dass am Ende angedeutet wird, dass die beiden als Rentner Sex miteinander haben :) Das ist ja eher ein Tabuthema.) Die Charaktere waren mir (im ersten Teil) zu sehr Mary Sue / Gary Stu, sodass eine Identifikation überhaupt nicht möglich war. Auch mögliches Konfliktpotential – z.B. durch die Mutter oder den Verlobten – wurde nicht genutzt, weil alle ja ach-so-verständnisvoll waren. Auch die Auflösung, dass Ally sich für Noah entscheidet, war schlicht und ergreifend vorhersehbar. Spannung war an keiner Stelle im Buch vorhanden.
(4 von 10 – aber auch nur wegen des zweiten Teils!)

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