Bücher im November – Part I

December 8, 2009 at 2:56 pm (Uncategorized) (, , )

Der November war lesetechnisch insgesamt leider sehr mau, obwohl ich es tatsächlich geschafft habe, zumindest jeden Abend noch ein paar Seiten – und wenn es noch so wenige waren – zu lesen. Da ich mir für den Dezember den ~1600 Seiten Wälzer “Unendlicher Spaß” vorgenommen habe, nehme ich nun doch endgültig Abschied vom Projekt “100 Bücher in einem Jahr”. Aber hey – vielleicht klappt es ja 2010…

Without further ado kommen wir aber jetzt erstmal zu der Belletristik aus dem November 2009:

Simon Beckett – Kalte Asche
“Kalte Asche” ist die Fortsetzung zur Chemie des Todes, die ich im vorherigen Monat gelesen habe – und es hat mir tatsächlich fast genau so gut gefallen wie der Vorgänger.

Protagonist ist nach wie vor der forensische Anthropologe David Hunter, dessen neuester Fall ihn auf eine schottische Insel jenseits der Zivilisation führt. (Interessant, dass die Fälle bisher immer in abseits gelegenen Orten und bisher niemals in Großstädten spielen. :) ) In einer Hütte auf besagter Insel wurde eine verbrannte Leiche gefunden, die jedoch alles andere als normal aussieht: Nur Asche ist von ihr übrig geblieben – die Füße allerdings sind unversehrt. Während der Suche nach dem Mörder, der sich – natürlich – auf der Insel befindet, zieht – natürlich – ein Sturm auf, der die Insel vollständig von der Außenwelt abschneidet. Weitere Menschen sterben, jeder verdächtigt jeden und schließlich wird David selbst zum Opfer eines Mordanschlags…

Die Story ist nicht besonders innovativ: Das Szenario eines Mordfalls und der Suche nach dem Mörder auf einer abgelegenen Insel, die völlig überraschend durch einen Sturm von möglicher Hilfe abgeschnitten wird, ist alles andere als neu und m. E. auch ziemlich überstrapaziert. Da war das Szenario in “Die Chemie des Todes” doch um einiges ansprechender.
Unabhängig davon war der Fall jedoch tatsächlich wieder sehr spannend geschrieben und das Rätselraten um den Täter weniger vorhersehbar als zuvor. Das Ende hat mich überrascht, ist jedoch durch den Pathos – den ich hier aber verschweige, ich möchte ja nicht immer spoilern – ins Lächerliche geglitten.

Was so richtig, richtig gemein ist: Am Ende gibt es – nach Auflösung des Falls – einen bösartigen cliffhanger. Und ich habe die Fortsetzung leider erst vor kurzem in der Bibliothek beantragt. Wer weiß, wie lange ich nun darauf warten muss!!
(7.5 von 10 – gut erzählte Geschichte, gute Charaktere, langweiliges Szenario.)

Kristin Chenoweth – A little bit Wicked: Life, Love, and Faith in Stages (Audiobook)
Begeistert von Kristin Chenoweth als Schauspielerin bin ich, seit ich sie als Olive in Pushing Daisies gesehen habe. Auch ihre musikalischen Fähigkeiten außerhalb der Serie konnten mich (trotz der teilweise sehr religiösen Inhalte) ansprechen. Da sie mir auch sonst sehr witzig und sympathisch erschien – ich sage nur “Taylor, the Latte Boy”! – habe ich mir ihre Autobiographie als Audiobook besorgt und sie teils im Auto, teils auf dem Crosstrainer (R.I.P. ;( ) angehört.

Zunächst muss ich betonen, dass ich eigentlich kein großer Freund von (Auto-)Biographien bin – umso erstaunlicher, dass mir “A little bit wicked” unglaublich gut gefallen und mich zuweilen sehr berührt hat. Ein großer Pluspunkt ist hier natürlich, dass Kristin ihr Buch selbst liest und ihr kleines Lachen und die Singeinlagen an entsprechenden Stellen lassen es extrem lebendig wirken – so als würde sie mir persönlich ihre Lebensgeschichte erzählen. Besonders amüsiert hat mich der immer wiederkehrende Verweis auf ihre SitCom “Kristin”, a huuuge hit, huuuuge success, must-see, die in den USA – darauf wird in einem späteren Kapitel explizit eingegangen – leider tragisch untergegangen ist.

Das Leben von Kristin wird mehr oder weniger chronologisch erzählt; es beginnt mit ihrer Kindheit und den ersten Anfängen ihrer Karriere als Sängerin und Schauspielerin, Schule und Studium, ihre Erlebnisse in Musicals, TV-Shows, viel zu ihren Schauspieler-/Sänger-/Musical-Kollegen und Freunden (ihr bester Freund sowie ihre On-/Off-Romanze dürfen sogar selbst einiges erzählen – das finde ich besonders schön gemacht) und auch viele Verweise auf ihren Glauben. Zunächst hat mich das ein wenig befremdet, obwohl ich bereits zuvor wusste, dass sie sehr religiös ist. Da sie aber zugleich eine extrem tolerante Christin ist – etwas, was mir persönlich bisher eher selten begegnet ist, abgesehen von einigen positiven Ausnahmen – hat es mich bald nicht mehr gestört; im Gegenteil ist es für mich als Atheistin gelegentlich sogar sehr interessant, den Glauben und seine Relevanz im Leben von anderen (vernünftigen!) Menschen erklärt zu bekommen. So gesehen war das Buch auch für mich vielleicht ein Weg, der Religion gegenüber toleranter zu sein, auch wenn ich sie nach wie vor persönlich (!) als Opium für’s Volk betrachte. ;)

Um auf das Buch zurückzukommen: Kristins Lebensgeschichte und ihre teilweise auch sehr persönlichen Anekdoten (z.B. der Bezug auf verstorbene Familienmitglieder oder auch die Krebserkrankung ihrer Mutter) waren sehr interessant. Unabhängig von den Einblicken in ihr Leben – und davon gibt sie viele, u.a. auch auf “dunkle” Episoden – erfährt man auch sehr viel über das Musical- und TV-Business in den USA.

Ich denke, dass “A little bit wicked” vorwiegend für Fans von Kristin Chenoweth interessant ist – aber auch, wenn man sie nur “gut” findet, ist es ein Buch, das es m.E. wert ist, gelesen zu werden. Spätestens nach der Lektüre ist man sowieso Fan geworden. ;)
(8.5 von 10 – mit Fan-Bonus!)

David Guterson – Snow Falling on Cedars
Von diesem Buch wusste ich bereits seit einiger Zeit, dass es zu boyfriends Favoriten gehört. Nachdem ich es gelesen habe, weiß ich auch, warum das so ist.

Im Jahr 1954 wird der japanisch-stämmige Fischer Kabuo auf einer Insel an der Nordwestküste der USA des Mordes an einem anderen Fischer – seinem früheren besten Freund Carl – angeklagt. Die Gerichtsverhandlung Kabuos, der seine Unschuld beteuert, bildet den Rahmen der Geschichte. Ishmael, der Journalist der Insel, findet jedoch nach einiger Zeit einen Beweis für Kabuos Unschuld. Doch er ist seit Kindertagen in die Frau von Kabuo verliebt, mit der er früher eine Liebesbeziehung hatte, bevor sie während des Zweiten Weltkriegs mit ihrer Familie (und allen anderen Japanern) in ein Internierungslager gebracht wurde…

Mal wieder einer meiner Lieblingssprüche: Die Geschichte ist hier nur sehr knapp zusammengefasst, denn sie ist eigentlich sehr viel komplexer und vermutlich könnte ich noch Seiten mit dem Inhalt füllen. Das unterlasse ich hier jedoch. :)

Ich hatte zugegebenermaßen meine Schwierigkeiten, in das Buch reinzufinden, da es in – so behaupte ich – relativ anspruchsvollem Englisch geschrieben ist und für mich zu Beginn nicht immer klar ersichtlich war, wie genau die Handlung aufgeteilt ist und von welchen Zeitpunkten aus gerade erzählt wird. Der Schreibstil ist komplex und sehr bildlich, die Dialoge stehen eher im Hintergrund. Nichtsdestotrotz und obwohl sehr wenig per se “passiert” bzw es keine Action im klassischen Sinne gibt, hat mich das Buch aufgrund der aufgebauten Spannung schnell gefesselt, da bis kurz vor den letzten Seiten noch immer noch klar ist, wie die Verhandlung ausgehen wird. Als problematisch empfand ich zwischendurch, dass die Geschichte wirklich extrem langsam und – für meinen Geschmack – fast schon ein wenig zu detailverliebt erzählt wird.

Interessant fand ich auch, dass keiner der Charaktere so richtig meine Sympathien erzielen konnte, weil irgendwie alle ziemlich damaged oder– nun, schlicht unsympathisch in ihrem Denken und Handeln waren – auch wenn dies natürlich alles in den damaligen schweren (Kriegs-)Zeiten begründet liegt. Den steten Wechsel der Perspektiven, das Hin- und Herspringen zwischen Gerichtsverhandlung in der Gegenwart der Geschichte und dem Aufdecken der Vergangenheit der Charaktere und insbesondere des “Verbrechens” waren eindrucksvoll gestaltet.
Auch die zahlreichen geschichtlichen Details bzgl. der Situation von Japanern in den USA zur Zeit des zweiten Weltkriegs waren ansprechend in die Geschichte eingewoben und konnten so – zumindest bei mir – noch einen kleinen historischen Lerneffekt erzielen. ;)
(8.5 von 10)

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