Bücher im Oktober 2009 – Part I

November 10, 2009 at 11:26 pm (Uncategorized) (, , , )

Der Oktober war ein weniger erfolgreicher Büchermonat für mich, obgleich ich mehr Zeit denn zuvor zum Lesen zur Verfügung hatte. Insgesamt habe ich es trotzdem auf sieben Werke geschafft. Jessies Buchblog für den Oktober ist eröffnet!

Simon Beckett – Obsession
Seit “Die Chemie des Todes” in Deutschland erschienen ist, bin ich in den Buchläden immer wieder um das Werk herumgeschlichen, konnte mich jedoch nie dazu entscheiden, es mir tatsächlich zuzulegen. Nun wurden mir jedoch gleich alle vier bisher auf Deutsch erschienenen Bücher Becketts ausgeliehen und da mir die Geschichte von “Obsession” am interessantesten erschien, habe ich mit ihm begonnen.

Ben, von Beruf Fotograph, hat seine Frau Sarah durch ein Blutgerinsel in ihrem Gehirn verloren und bleibt mit Sarahs autistischem Sohn Ben aus einer vorherigen Beziehung – so glaubte er zumindest – zurück. Kurz nach der Beerdigung findet er jedoch in Sarahs Unterlagen einige Hinweise darauf, dass Ben nicht ihr eigener Sohn ist, sondern dass sie
ihn aus dem Krankenhaus entführt hat, nachdem sie selbst eine Fehlgeburt hatte. Ben begibt sich auf die Suche nach den richtigen Eltern von Jacob und findet heraus, dass dessen Mutter sich nach dem Diebstahl des Kindes umgebracht hat. Jacobs richtiger Vater jedoch will sich von nun an um den autistischen Jungen kümmern und verweigert Ben trotz Gerichtsbeschluss, Jacob zu sehen. Um herauszufinden, ob es Jacob in seiner neuen Familie wirklich gut geht, beginnt Ben von nun an, das Haus tagtäglich heimlich zu beobachten…

Ich nehme damit zwar ein wenig der folgenden Rezensionen vorweg, muss jedoch bereits jetzt anmerken, dass sich Becketts Stil zwischen “Obsession” (1998) und “Die Chemie des Todes” (2006) enorm verändert und m. E. verbessert hat. Möglicherweise liegt das auch an den unterschiedlichen Perspektiven (darauf komme ich im nächsten Post noch zu sprechen), aber “Obsession” ist teilweise fast schon in Umgangssprache und einfach sehr viel– “unliterarischer”, weil “platter” und recht schmucklos geschrieben.

Nichtsdestotrotz habe ich Obsession in zwei Tagen durchgelesen, weil es einfach eine verdammt spannende Geschichte ist. Wer einen guten (Psycho-)Thriller lesen möchte, dem kann ich das Werk nur nahe legen. Keine große Literatur, aber unterhaltsam ist sie allemal.
(Den deutschen Titel finde ich allerdings eher unpassend gewählt; der Originaltitel “Owning Jacob” trifft es da schon viel besser. Aber das ist ja nichts Neues.)
(7 von 10)

Barney Stinson – The Bro Code (Audiobook)
Auf der Suche nach einem neuen Audiobook für meine pseudo-sportlichen Aktivitäten musste ich entdecken, dass tatsächlich ein Buch existiert, das (angeblich) von Barney Stinson verfasst wurde!
Da ich bereits seit einigen Monaten begeistert die US SitCom “How I Met Your Mother” schaue, waren mir Autor und Titel des Buches sofort ein Begriff. Als ich schließlich noch gelesen habe, dass Neil Patrick Harris – Darsteller des “Autoren” – das Audiobook liest, fiel mir die Entscheidung nicht mehr schwer.

Den Charakter aus der Serie zu erklären, würde an dieser Stelle zu weit führen; zudem behaupte ich, dass es generell nur sinnvoll ist, sich dieses Buch zuzulegen, wenn man die Serie (gerne) schaut und mit dem Humor vertraut ist: Der Bro Code ist – kurz gesagt – eine Ansammlung von Regeln, die Bros auf der ganzen Welt befolgen müssen, um– nun, ein richtiger Bro zu sein. (Entgegen falscher Behauptungen können übrigens auch Frauen Bros sein – das muss an dieser Stelle betont werden.) Insgesamt besteht das Werk aus 150 Paragraphen, die relevante Fragen wie “Darf ich mit der Mutter/Schwester meines Bros schlafen?”, “In welchen Situationen ist es okay, einen Bro zu umarmen?” oder “Dürfen Bros Französisch miteinander sprechen?” beantworten und zugleich hilfreiche Tipps für Dialoge mit anderen Bros und natürlich potentiellen weiblichen Zielobjekten geben.

Wie bereits geschrieben – wenn man die Serie gerne schaut und vor allem den Charakter Barney mag, dann würde ich fast schon behaupten, dass dieses Buch ein Must-Read ist. Ich habe mich wirklich köstlich amüsiert; zum großen Teil liegt das aber sicherlich daran, dass der Bro Code von NPH selbst in feinstem Barney-Jargon vorgetragen wird. Ich kann mir kaum vorstellen, dass die Zeilen in einem “richtigen” Buch die gleiche Wirkung auf mich gehabt hätten. Also: Wenn, dann als englisches Audiobook, meine Freunde des gepflegten Bro-Humors!

PS: Es würde mich interessieren, wer das Buch wirklich geschrieben hat.
PPS: Es interessiert mich leider nicht genug, um danach zu googeln.
(9 von 10 – aber nur für Fans und nur als Audiobook!)

Markus Zusak – Die Bücherdiebin
Habe ich mich doch vor einigen Monaten noch darüber beschwert, dass mich so lange kein Buch mehr richtig in sich hineingesogen hat, so kann ich nun endlich sagen: Ich weiß wieder, wie es sich anfühlt!

Nachdem ich bereits zu Beginn des Jahres sehr begeistert “Der Joker” von Zusak gelesen und anschließend von meiner Lieblings-Dozentin und kurz darauf auch von meiner Lieblings-Bücherfreundin Tordis “Die Bücherdiebin” empfohlen bekam, habe ich mir das Buch kurz vor meinem diesjährigen Sommerurlaub endlich zugelegt.

Erzählt wird die Geschichte aus der Perspektive des Todes, der als Ich-Erzähler das Leben der jungen Liesel, die in der Zeit des Nationalsozialismus aufwächst, wiedergibt. Nachdem ihr kleiner Bruder auf einer Zugfahrt ums Leben kam, muss ihre Mutter Liesel in eine Pflegefamilie in der Nähe von München abgeben. Ihre neuen Eltern – die rauhe und überaus laute Rosa und der warmherzige Hans – schließen Liesel jedoch schnell in ihr Herz und auch Liesel betrachtet sie bald als ihre “zweiten” Eltern.
Thematisiert werden nun Liesels Integration im neuen Freundeskreis und insbesondere ihre Beziehung zu Rudi, der ihr unbedingt einen Kuss stehlen möchte; zudem versteckt Liesels Familie bald den jüdischen Max in ihrem Keller, der aus Dankbarkeit gar ein Bilderbuch für das Mädchen zeichnet. Und natürlich geht es immer wieder um Bücher – Bücher, die Liesel zunächst vom Friedhof, dann heimlich aus dem Feuer und schließlich aus der Bibliothek des Bürgermeisters stiehlt und die ihre Obsession werden…

Ich bin mir sicher, dass “Die Bücherdiebin” aufgrund des zuweilen doch eher experimentellen Schreibstils und der vermeintlich emotionslosen Erzählweise nicht jedem gefallen wird – nichtsdestotrotz würde ich es uneingeschränkt jedem, aber auch wirklich *jedem* Menschen ans Herz legen. Hinzufügen muss ich jedoch die Warnung, dass es sich unabhängig vom Schreibstil nicht um leichte Kost handelt; das ist beim Thema Kindheit im Nationalsozialismus natürlich nicht anders zu erwarten, aber mich hat das Ende noch einige Tage enorm beschäftigt und richtig traurig gemacht. Zum ersten mal seit Jahren hatte ich bei einem Buch Tränen in den Augen. Und es war furchtbar – aber irgendwie auch furchtbar schön, zu erkennen, dass eine Geschichte noch derartig starke Emotionen in mir auslösen kann. … aber jetzt werde ich wirklich sentimental. :)

Negativ anzumerken bleibt mir nur, dass auch ich zu Beginn tatsächlich Probleme mit der Art und Weise des Erzählens durch den Tod als auktoriale Instanz hatte, insbesondere aufgrund der verschiedenen Einschübe, die zuweilen sehr willkürlich erscheinen und u.a. einzelne Personen, historische Details oder andere Sachverhalte fast schon in Form von im Text integrierten “Fußnoten” erläutern. (Es ist wirklich schwer, diese Einschübe zu erklären :) ) Zudem erschien mir die Erzählung zunächst fast schon etwas zu distanziert; das legt sich jedoch schnell und ich habe all die verschrobenen, aber dennoch liebenswerten Charaktere bald in mein Herz geschlossen.
Weiterer Kritikpunkt: Es wurde teilweise zu viel vorweg genommen – ich bin einfach kein großer Fan von “flashforwards”, sondern lasse mich lieber direkt überraschen. Anmerkungen wie “Aber ich wusste noch nicht, WIE schlimm es noch werden sollte” (solche gibt es in “Die Bücherdiebin” zum Glück nicht) finde ich einfach immer deplatziert und pathetisch. Aber das ist sicherlich eine Frage des persönlichen Geschmacks.

Also: Wem die Thematik liegt, wer keine Probleme mit experimentellen, zuweilen fragmentarischen Erzählstilen hat und sich auf eine alles andere als oberflächliche Lektüre einlassen möchte, der muss, ja der MUSS dieses Buch einfach lesen!
(10 von 10 – wenn ein Buch diese Wertung verdient hat, dann dieses.)

Yasunari Kawabata – Schönheit und Trauer
Als geneigte Leserin der japanischen Literatur habe ich mir von boyfriend bereits mehrere Werke des Literaturnobelpreisträgers Kawabata ausgeliehen und sie alle sehr gerne gelesen. Nachdem er nun “Schönheit und Trauer” wo-auch-immer wieder ausgegraben hat, habe ich mir auch dieses Buch nicht entgehen lassen.

Es ist mehr als 20 Jahre her, dass der Autor Toshio Oki seine außer-eheliche Beziehung mit der damals 16-jährigen Otoko beendete, nachdem sie von ihm schwanger wurde und eine Fehlgeburt hatte. Später hat Oki ihre Beziehung in literarischer Form aufgeschrieben und veröffentlicht – sie wurde zu seinem bekanntesten Werk und hat die Schande Otokos publik gemacht. Mittlerweile ist Otoko in ihrer Heimat Kyoto zu einer berühmten Malerin geworden und lehrt eine Schülerin namens Keiko. Mit der Hoffnung auf ein spätes Wiedersehen mit Otoko fährt Oki über Neujahr nach Kyoto – doch er hat nicht mit Keiko gerechnet, die sich an dem Verrat an Otoko, die sie über alles liebt, rächen will. Und dazu benutzt sie nicht nur Oki, sondern auch dessen Sohn…

Was ich an den Werken japanischer Autoren so mag, ist, dass sie meist so schön unaufgeregt sind; ihnen allen (und das ist mir besonders bei Kawabata und auch in diesem Buch wieder aufgefallen) wohnt eine Ruhe in, die ich in keiner anderen Literatur auf diese Art und Weise bisher auffinden konnte.
Es geschieht so wenig – aber die Worte, die Beschreibungen alleine können so viel mehr Emotionen auslösen, den Leser – oder zumindest mich – stärker aufwühlen, als es der spannendste Thriller zu schaffen vermag.

Zugegeben – all das trifft tendenziell eher auf meine (literarische) Beziehung zu Murakami zu und Kawabatas Werke haben mich bisher nicht so stark bewegt. Nichtsdestotrotz war “Schönheit und Trauer” ein gutes Buch, auf seine eigene Art und Weise “spannend”; vor allem aber war es hinsichtlich der unterschiedlichen Charaktere, ihrer Handlungen und Beweggründe sehr interessant – und zuweilen auch sehr merkwürdig.
Bedingungslos empfehlen kann ich es aber nicht, da ich glaube, dass nicht jeder mit diesen oberflächlich betrachtet ereignislosen, vermeintlich langweiligen Büchern und dem Erzählstil viel anfangen kann. Aber mir hat’s trotzdem gefallen. ;)
(7 von 10)

Wann die restlichen drei Bücher folgen, werde ich dieses mal gar nicht erst ankündigen – daran halten würde ich mich wohl sowieso nicht…

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