- on hold –
Ich lege den Buchblog vorerst auf Eis, da ich mich im Moment mit keiner Faser meines Körpers dazu aufraffen kann, Rezensionen zu schreiben. Sofern ich in naher (oder ferner) Zukunft wieder Lust dazu bekomme, werde ich ihn wieder aufnehmen und das natürlich an anderer Stelle bekannt geben.
Ansonsten: Vielen Dank für das Interesse. Wer einen Buchtipp haben möchte, kann sich natürlich immer privat an mich wenden.
Bücher im Februar 2010 – Part II
Und weiter geht’s!
Chris Killen – Das Vogelzimmer
Die Stadtbib in Herborn hatte einen Batzen neue Bücher reinbekommen, ich hatte nicht mehr viel zu lesen und so habe ich mir spontan dieses mit seinen ~160 Seiten recht dünne Buch, das – so der Klappentext – einen “Liebesroman mit einer überraschenden Wendung” und Ergüsse über die menschliche (Un-)Fähigkeit, Beziehungen zu führen, versprach.
Viel mehr als ein gebrochenes Versprechen hat es bei mir nicht hinterlassen.
Die Story ist schnell erzählt: Protagonist ist Will, der sich in Alice verliebt und mit ihr eine Beziehung beginnt – seine erste “ernsthafte” Beziehung, da er alle vorherigen Frauen schnell mit seiner paranoiden Art vergrault hat. Doch Alice verliebt sich leider allzu schnell in Wills besten Freund, der ebenfalls Will heißt und als vogelzeichnender Künstler tätig ist. Will 1 und Alice leben sich auseinander. Boo-fucking-hoo.
Das Buch lässt sich recht gut in einem Wort zusammenfassen: Langeweile. Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass ich (primär in der deutschen Popliteratur) schon so viele trostlose Rumjammerei über kaputte twenty- oder thirtysomethings, die sich in ihrem Selbstmitleid ob der eigenen oder Unfähigkeit zu Beziehungen oder verschmähten Gefühlen suhlen, aber die Geschichte war in meinen Augen weit entfernt davon, innovativ zu sein und die “schockierende” Wendung war in etwa so überraschend wie die Ergebnisse meines letzten Versuchs, mit gesünder zu ernähren. (Sprich: nicht vorhanden.) Ebenso die wohl als provokant gedachten Sexszenen, die bei mir nichtmal das Heben einer Augenbraue auslösen konnten. Been there, done that. (Okay, vielleicht eher: read that.)
Killens Stil hatte einige nette Momente, aber auch das fragmentarische Schreiben, das die Zerrissenheit der Protagonisten widerspiegeln soll, ist nun wirklich nicht die Neuerfindung des Rads. Charakterentwicklung war ebenfalls nicht zu erkennen, da Will sich an keiner Stelle aus seinem Selbstmitleid befreien konnte – oller Emo, dem man gerne mal links und rechts eine watschen möchte!
Viel mehr kann ich zu dem Buch nicht sagen, aber es war ja auch nicht sonderlich lang. Es war okay als seichte Literatur für zwischendurch, aber ich habe ungefähr 150 der 160 Seiten schon wieder vergessen, weil es in meinen Augen einfach unglaublich belanglos war. M.E. hätte es vielleicht besser in eine Kurzgeschichtensammlung gepasst.
(3 von 10)
Kerstin Gier – Rubinrot
Vor einigen Monaten hat die liebe Nic in ihrem livejournal von einem Buch namens “Rubinrot” geschwärmt, dass ihr, obwohl sie sonst mit der Frauenliteratur von Kerstin Gier nichts anfangen kann, richtig gut gefallen habe. Zunächst konnte ich mich nicht wirklich überwinden, ein Buch von Frau Gier in die Hand zu nehmen, aber auch hier hat die Stadtbib mir geholfen, die Fremdelei zu überwinden. Mit Erfolg!
Die 16jährige Gwendolyn lebt in London und gehört einer Familie an, in der es vor Geheimnissen nur so wimmelt. Das vermutlich größte Geheimnis ist, dass eines ihrer Familienmitglieder – ihre Cousine Charlotte – über ein Zeitreise-Gen verfügt, mit dem sie durch die Zeit springen kann (oder besser gesagt: muss). Doch plötzlich stellt sich heraus, dass nicht Charlotte, sondern Gwendolyn die Auserwählte ist – und das, obwohl Charlotte ihr Leben lang auf die zuweilen sehr gefährlichen Sprünge durch die Zeit vorbereitet wurde. Noch dazu bekommt sie einen gleichaltrigen, arroganten Partner namens Gideon zugeteilt, mit dem sie gemeinsam einige Missionen in unterschiedlichen Jahrhunderten meistern soll…
Vielleicht liegt es daran, dass Gier hiermit ihren ersten Jugendroman veröffentlicht hat – aber mir hat das Buch unheimlich gut gefallen! Natürlich lassen sich viele Spuren typischer Teenager-Literatur wiederfinden, denn wie erwartet verliebt sich Gwen in Gideon und die Neckereien zwischen den beiden lassen darauf schließen, dass er ihre Gefühle erwiedert. Aber die Geschichte ist derart– ja, man muss es schon “charmant” nennen, das man ihr vieles verzeiht.
Die Idee des Herumspringens zwischen den Zeiten ist sicherlich auch nichts Neues, aber die Autorin hat sich – das merkt man – viele Gedanken gemacht, um es möglichst plausibel erscheinen und so gut wie keine plot holes aufkommen zu lassen. Auch lernt der Leser im ersten Band – es soll eine Trilogie werden – bereits sehr viele Charaktere kennen, aber sie sind alle sehr sorgfältig und glaubwürdig ausgearbeitet. Auch das ist keine Selbstverständlichkeit und rechne ich ihr hoch an.
Das vielleicht wichtigste: Die Geschichte hat mich gefesselt. Ich habe die knapp 350 Seiten innerhalb von 2 1/2 Tagen verschlungen und musste mit Frustration feststellen, dass die Bib noch nicht über den zweiten Band verfügt und der dritte erst im Oktober erscheinen soll…
Sicherlich werde ich trotz dieser positiven Bewertung kein “Frauenbuch” von Kerstin Gier lesen, aber ihre Trilogie werde ich auf jeden Fall weiter verfolgen und ich kann sie nur jedem empfehlen, der hin und wieder gerne ein Jugendbuch mit phantastischen Elementen zur Hand nimmt. ![]()
(7 von 10)
Francois Lelord – Hector & Hector und die Geheimnisse des Lebens
Die ersten drei Bücher aus der Reihe von Francois Lelord, die man fast schon als “Lebensratgeber in Romanform” bezeichnen könnte, habe ich mit viel Spaß gelesen – auch, wenn sie mir teilweise fast schon ein wenig zu philosophisch und “gutmenschlich” (ist das ein Wort?!) erschienen. Es ist allerdings schon einige Zeit her, dass der letzte Band in Deutschland veröffentlicht wurde und ich habe schon nicht mehr mit einer Fortsetzung gerechnet. Durch Zufall entdeckte ich dann diesen neuen Band, in dem Hector bereits einen Sohn hat.
Psychiater Hector hat nach seinem letzten Abenteuer mit seiner Freundin Clara eine Familie gegründet und die beiden leben gemeinsam mit ihrem Sohn Petit Hector in einer kleinen französischen Stadt. Das, worüber der große Hector sich in den vorherigen Bänden so viele Gedanken gemacht hat – was bedeutet Glück? Was ist eigentlich Zeit? Und wie lässt sich Liebe erklären? – macht nun auch seinem Sohn zu schaffen. Wie soll er mit den Schlägern auf seiner Schule umgehen? Wann ist es in Ordnung oder sogar gut, zu lügen? Wieso sind Mädchen so komisch und wie kann er Amandine, in die er unsterblich verliebt ist, näher kennen lernen? Und ist sein Papa wirklich der stärkste Mann und seine Mama die hübscheste Frau der Welt? Über all diese Dinge informiert er sich bei seinen Eltern und schreibt an jedem Abend seine neu erlernte Lektion in ein Büchlein.
Das klingt vermutlich nicht besonders spannend und das ist es auch nicht. Um ehrlich zu sein, hat mich das Buch zudem im Vergleich zu seinen Vorgängern eher enttäuscht; es ist nicht schlecht, es hat einige witzige und auch kluge Passagen, aber insgesamt wirkt es schon wieder sehr “gutmenschlich” (wirklich, ist das ein WORT?) und war mir auch ein wenig zu religiös angehaucht. (Obwohl auch die Religion im Ansatz kritisch hinterfragt wurde) Im Vergleich zu den vorherigen Büchern gab es außerdem keine Handlung per se, sondern viele kleine, kurze Episoden und keinen richtigen Höhepunkt.
Lelord versteht es allerdings sehr gut, aus der Sicht eines Kindes zu schreiben – das hat viele sehr witzige Szenen mit sich gebracht, aber auch sehr viele beinahe schon traurige; er hat sehr schön aufgezeigt, dass Kinder meist sehr viel mehr mitbekommen und vor allem verstehen, als man es ihnen als Erwachsener zuzutrauen kann (und will). Wie zuvor gelingt es Lelord außerdem, wichtige Botschaften und Lebensweisheiten – oder zumindest das, was er als wichtig erachtet – in simple Aussagen (oder Vergleiche) zu verpacken. Teilweise empfand ich es dann aber wieder ein bisschen zu subtil; so hätte er z.B. ausführlicher auf den Aspekt Rassismus eingehen können.
Schade fand ich außerdem, dass nie wirklich klar geworden ist, wie alt Petit Hector eigentlich sein soll. Manchmal hatte ich das Gefühl, dass er evtl. erst zwischen 7 und 9 Jahre alt ist, dann wieder erschien er mir fast schon in der Frühpubertät.
Wer die vorherigen Bände aus der Hector-Reihe kennt, der kann unbesorgt auch die Geschichten um Petit Hector lesen. Als Einstieg in die Reihe würde ich es jedoch nicht empfehlen.
(5 von 10)
Außerdem gelesen:
Tite Kubo – Bleach Vol. 38 (Manga)
Bücher im Februar 2010 – Part I
So schnell kann’s gehen! Ich bin wieder etwas motivierter und daher kommt hier bereits der nächste buchblog-entry.
Sujata Massey – Japanische Perlen
Nachdem mich der letzte Roman, den ich im vergangenen Januar gelesen habe, eher enttäuscht hat – es handelte sich dabei um “Die Tochter des Samurai” -, habe ich vorerst auf weitere Bücher aus der Rei Shimura Reihe verzichtet. Als ich jedoch “Japanische Perlen” für 2 Euro als Mängelexemplar auffand, konnte ich nicht widerstehen – und wurde positiv überrascht.
Obwohl sie eigentlich viel lieber in Japan geblieben wäre, ist Rei Shimura mit ihrem Freund (bzw. mittlerweile ist er ihr Verlobter) Hugh in die USA zurück gekehrt – in die Stadt, in der sie aufgewachsen ist. Dort lebt sie sich nur sehr langsam wieder ein – hilfreich dabei ist ihre aufgedrehte Cousine Kendall, die ihr sofort einen Job als Innenarchitektin verschafft: Rei soll ein neues japanisches Restaurant möglichst authentisch ausstatten. Bei der Eröffnung des Restaurants wird Kendall jedoch plötzlich entführt – wer steckt dahinter? Wie zuvor in Japan wird Rei mehr oder weniger freiwillig in detektivische Arbeiten hineingezogen, die sie bald selbst in tödliche Gefahr bringen…
Ja ja, das mag alles unglaublich langweilig und stereotyp klingen – und ganz ehrlich: Genau das ist es auch! Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass ich so lange kein Buch aus der Reihe gelesen habe oder ob es sich vom Stil her tatsächlich so stark von der Tochter des Samurai unterscheidet, aber ich hatte wieder sehr viel Spaß am Lesen und obwohl mich Rei – wie fast immer – teilweise enorm genervt hat, hat sie mir wieder besser gefallen, weil sie endlich wieder sowas wie einen CHARAKTER hatte. Auch gefallen hat mir, dass hier erneut die traditionelle Frauenrolle kritisiert und zuweilen parodiert wurde. Dass es kein Happy End für Rei und Hugh gab (SPOILER SPOILER), fand ich auch okay. Es sei denn, die beiden finden später wieder zueinander. Das wäre ziemlich inkonsequent.
Das Gute an den Büchern ist, dass man sie nicht in der tatsächlich veröffentlichten Reihenfolge lesen muss, um sie zu verstehen. Das ist zwar insofern schade, als dass keinerlei character development stattfindet (mhm, beißt sich diese Aussage mit dem vorherigen Absatz…?), aber da es sich nicht um besonders anspruchsvolle Literatur handelt, ist es auch kein Beinbruch.
Ich habe nur die Befürchtung, dass ich mir irgendwann einmal einen Roman von Massey doppelt kaufen werde, weil die plots an und für sich nach wenigen Wochen aufgrund ihrer Austauschbarkeit komplett aus meinem Gedächtnis verschwunden sind…
Fazit: Wer die Rei Shimura Reihe noch nicht kennt und einen Band für 2 Euro auf dem Mängelexemplar-Tisch findet, dem kann ich nur nahe legen, einen Blick zu riskieren. Besser als “Frauenliteratur… mit Sahnehäubchen” sind ihre Bücher allemal. ![]()
(6.5 von 10)
Richard Dawkins – Der Gotteswahn
Wie das zuvor genannte Buch habe ich auch den Gotteswahn als Mängelexemplar erstanden; eigentlich wollte ich mir das Buch – als guter Atheist
– bereits vor einigen Monaten zulegen, aber irgendwie ist es dann aus meinem Gedächtnis verschwunden.
Zum Inhalt brauche ich sicherlich nicht mehr viel sagen, denn Dawkins dürfte so ziemlich jedem Gläubigen und Nichtgläubigen mittlerweile ein Begriff sein. In “Der Gotteswahn” geht es hauptsächlich darum, dass Dawkins anhand wissenschaftlicher (primär evolutionsbiologischer) “Beweise” aufzeigen will, dass es – um den Atheistenbus zu zitieren – mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keinen Gott gibt und dass der Glauben vielerlei negative Auswirkungen auf die Menschen und ihr Miteinander hat(te).
Zunächst muss ich gestehen, dass der naturwissenschaftliche Teil des Buches sich für mich *enorm* in die Länge gezogen hat. Sicherlich waren einige der Erkenntnisse sehr interessant, aber für mich als Geisteswissenschaftlerin, die schon in Schulzeiten mit den Naturwissenschaften nicht viel anfangen konnte, waren diese Abschnitte sehr ermüdend. Ich hätte sie natürlich überspringen können – aber dafür war ich zu stolz.
Umso interessanter fand ich die weiteren Abschnitte des Buches. So gibt es beispielsweise ein Kapitel zum Thema “Moral und Religion”, in dem beschrieben wird, wie Atheisten immer wieder die Moral abgesprochen wird bzw in dem Dawkins diskutiert, ob es denn eine Ethik ohne Religion geben könnte. (Dass so eine Frage überhaupt immer wieder gestellt wird, macht mich häufig ziemlich wütend…) Auch das Kapitel zur Indoktrination von Kindern war überaus lehrreich; so betont er beispielsweise, dass man nicht von einem “katholischen Kind” oder von einem “muslimischen” Kind reden sollte, sondern von einem “Kind katholischer/muslimischer Eltern”, da im Kindesalter eine schwerwiegende Entscheidung wie die der Religion noch nicht getroffen werden könne.
Es gibt in diesem Buch noch so viele mehr aufschlussreiche Kapitel – zum Beispiel eine ausführlichere Beleuchtung einiger (GRUSELIGER!) Abschnitte der Bibel, die vielen Gläubigen sicherlich nicht bekannt sind, Frauenfeindlichkeit / Homophobie & Religion, Kreationismus, Angst, Krieg, etc.
Im Gedächtnis geblieben ist mir vor allem ein Teil des Buches, in dem Dawkins schreibt, dass zwar die sexuellen Missbräuche durch Kirchenmenschen natürlich schlimm und verachtenswert, aber zuweilen weniger traumatisch als der psychologische Missbrauch seien. Als Beispiel zitiert er eine Frau, die in ihrer Kindheit zum einen von einem Pfarrer begrabscht wurde und der zum anderen eingetrichtert wurde, dass ihre beste Freundin nach ihrem Tod in der Hölle schmoren würde, weil sie einer anderen Religion angehörte – letzteres hat sie tiefer getroffen und länger verfolgt als die Berührungen des Pfarrers! Vielleicht hat mich dieses Beispiel so sehr berührt, weil es in meiner Kindergartenzeit einen ähnlichen Fall gab: ein Pfarrer meiner Heimatstadt hat einem meiner besten Freunde eingeredet, seine Eltern würden in der Hölle landen – ebenfalls, weil sie einer anderen Religion angehörten. Meinem Freund – der etwa vier oder fünf Jahre alt war – hat das natürlich mehrere Wochen quälende Alpträume beschert. Wie kann man Kindern gegenüber nur so grausam sein?
(Natürlich ist mir bewusst, dass nicht alle religiösen Menschen so sind – und gerade besagter Pfarrer war in meinen Augen generell ziemlich geistesgestört – aber die Negativbeispiele bleiben einfach zu stark im Gedächtnis…)
Negativ aufgefallen ist mir allerdings, dass Dawkins zwar immer wieder betont, dass er mit vielen religiösen Menschen befreundet ist oder zumindest interessante Diskussionen mit ihnen führt, aber auf der anderen Seite gläubige Menschen teilweise – so erschien es mir – fast schon beleidigt. Die Toleranz, die er von gläubigen Menschen Agnostikern und Atheisten gegenüber einfordert, ist mehr als nur überfällig, aber er selbst sollte vielleicht ebenfalls versuchen, all die schlechten Erfahrungen mit Gläubigen nicht in völlige Verachtung umzuwandeln. Insbesondere dass er gar als These anführt, Religiösität könnte eine Art “psychische Krankheit” sein, erschien mir – obwohl ich das selbst bei manchen Exemplaren immer wieder vermute… – ein wenig grenzwertig.
(Andererseits: so viel wie er bereits an persönlichen Beleidigungen einstecken musste – es waren einige Briefe abgedruckt, die mich amüsiert hätten, wäre ich ob ihrer Grausamkeit nicht so entsetzt gewesen -, ist es kein Wunder, wenn ihm die Toleranz etwas schwer fällt. Jaja, Nächstenliebe, Moral und so…)
Mich persönlich hat das Buch sehr bereichert und in meiner Position als Atheistin bestärkt. Aufgrund der interessanten Thesen ist es in meinen Augen sowohl für Gläubige – sofern sie über ein dickes Fell verfügen
– als auch Nichtgläubige empfehlenswert!
(8.5 von 10)
J. D. Salinger – Der Fänger im Roggen
Ich gehöre zu den wenigen Schülern, die Salingers berühmtestes Werk nicht in der Schule durchgenudelt haben – leider. Seit einigen Jahren schon wollte ich die Lektüre nachholen und vor einigen Monaten – und somit auch vor Salingers Tod – habe ich es endlich geschafft, den Roman in der Herborner Bib vorzubestellen.
Protagonist ist der 16jährige Holden Caulfield, der zu Beginn der Geschichte zum bereits vierten mal aufgrund miserabler Schulleistungen aus einem Internat geflogen ist. In den folgenden Tagen verfolgt der Leser Holden auf seiner Reise zurück nach New York, wo er sich zunächst in ein billiges Hotel begibt, um seinen Eltern aus dem Weg zu gehen, die noch nichts von dem Rauswurf wissen. Dort kauft er sich jedoch aus Versehen eine Prostituierte, mit der er aber eigentlich gar keinen Sex haben will und wird später von deren pimp verprügelt. Auch jegliche Annäherungsversuche an ehemalige Freundinnen schlagen letztendlich fehl. Schließlich schleicht er sich heimlich in das Haus seiner Eltern, um sich von seiner Schwester Phoebe zu verabschieden, bevor er sich in einer einsamen Blockhütte “zur Ruhe” setzen will – denn sein größter Traum ist es, “Fänger im Roggen” zu werden, der Kinder vor dem “Fall” (sprich: dem Erwachsenwerden) beschützt.
Das Besondere an diesem Buch ist sicherlich nicht die Geschichte an und für sich, denn die ist sehr simpel; viel mehr hat mich der Schreibstil fasziniert, der durchgängig dem (damaligen) Jugendjargon entspricht. Holden spricht und denkt genau so, wie man es als Jugendlicher in diesem Alter eben tut; er ist unangepasst und hinterfragt die Welt, das Verhalten der Erwachsenen, Frauen & Liebe, gesellschaftliche Aspekte, etc. – und kommentiert auf eine sehr erfrischende, nicht selten auch sarkastische, manchmal aber auch einfach nur herrlich naive und geradezu blödsinnige Art. Dass er eigentlich eine ziemliche arme und bemitleidenswerte Socke ist – so z.B. als er ohne sein Verschulden verprügelt wird -, führt ebenfalls immer wieder zu unfreiwillig komischen Szenen. (Besonders im Gedächtnis geblieben ist mir außerdem eine Szene, in der er sich mit einem Taxifahrer unterhält und ihn fragt, was denn eigentlich die Enten und Fische aus dem Central Park machen, wenn der See dort zufriert. … Situationskomik.)
Letztlich hinterfragt Holden sich aber auch immer wieder selbst, um herauszufinden, wer er eigentlich ist und was er mit seinem Leben anstellen möchte, und findet nach und nach durch das Observieren seiner selbst die Lösung. Das macht Salingers Werk auch zu einer Art verkürzten Entwicklungsroman, in dem nur der Beginn der Ausbildung Holdens Charakters thematisiert wird.
Salinger schreibt seinen Protagonisten jedoch so witzig, dass man auch ohne diese verdeckte Botschaft viel Spaß mit der Geschichte haben kann.
Was ich noch loswerden muss: Wie gemein ist es bitte, dass eine Vielzahl an Schülern ein derart tolles Buch in der Schule lesen “müssen”, während man mich mit Kafka, Kleist und Goethe gequält hat? (Sidenote: Goethe mag ich zwar, aber ihn in der Schule auseinander zu nehmen, war– nicht immer spaßig. Und Kafka habe ich ebenfalls erst nach der Schule sehr zu schätzen gelernt, als man mir nicht mehr irgendwelche Lehrer-Interpretationen aufgenötigt hat.)
In meinen Augen ein Klassiker, den man gelesen haben sollte und der im Gegensatz zu einigen anderen Klassikern sogar Spaß macht. ![]()
(8 von 10)
PS: Yay, Hegemann hat NICHT den Buchpreis gewonnen. Richtig so!
Bücher im Dezember 2009
Wie, kein Part I? Ganz genau: Dank “Unendlicher Spaß” (das ich nun aber fast komplett gelesen habe!!) und der ersten Hälfte von Dan Browns “Das verlorene Symbol” habe ich im Dezember 2009 nur vier Bücher lesen können.
Dora Heldt – Urlaub mit Papa
Hinter dem Erlangen dieses Buches steckt eine kleine, feine Geschichte: Irgendwann, an einem überaus heißen Tag im Sommer 2009, begab es sich, dass ich gemeinsam mit boyfriend zu IKEA in Braunschweig gefahren bin. Nach einem relativ umfangreichen (Kerzen-)Einkauf brachte ich den Einkaufswagen zurück und entdeckte im Mülleimer neben den Wagen ein eigentlich noch recht neu aussehendes Buch. Da der Mülleimer ansonsten leer war und ich kein Buch einfach so zurücklassen kann, habe ich es rausgeholt, schockiert festgestellt, dass einige Seiten wahllos rausgerissen, mit IKEA-Möbel-Namen beschmiert und wieder ins Buch reingelegt worden waren. Wieso sind manche Menschen nur so grausam?
Ich habe es jedenfalls nicht über’s Herz gebracht, das Buch wieder in den Müll zu legen, sondern habe es mit nach Hause genommen und im Dezember 2009 dann auch tatsächlich gelesen.
Die 45jährige Christine hat einer Freundin versprochen, gemeinsam mit einer ditten Freundin bei der Renovierung ihrer Kneipe auf Norderney auszuhelfen. Doch kurz vor ihrer Abreise erhält sie einen Anruf von ihrer Mutter: Aufgrund deren Kniescheiben-Operation soll Christine ihren 73jährigen Vater Heinz mit auf die Insel nehmen und babysitten! Bevor die drei überhaupt auf der Insel angekommen sind, sorgt Heinz schon für Bombenalarm am Bahnhof und auch auf Norderney übernimmt er sofort das (Chaos-)Kommando. Und damit nicht genug: Der hübsche, mysteriöse Johann, in den sich Christine Hals über Kopf verliebt, ist für Heinz sofort der seit Wochen gesuchte Heiratsschwindler! Gemeinsam mit seinen drei neuen Freunden – alle im Alter von 60+ – will Heinz dem Schuft das Handwerk legen und natürlich nebenbei die gesamte Kneipe nach seinem Geschmack neu einrichten…
Das Buch ist bei weitem keine großartige Literatur, aber es hat mich oft zum Schmunzeln gebracht. Die Charaktere sind sehr liebenswert gezeichnet, insbesondere Heinz, der mich teilweise an Jan Weilers Antonio erinnert hat; man kann sich pausenlos über ihn aufregen und will ihn keinesfalls als (Schwieger-)Vater haben, aber man schließt ihn doch schnell ins Herz.
Der Schreibstil ist okay, die Handlung mehr als nur vorhersehbar. “Urlaub mit Papa” geht bei mir als gute Strandlektüre durch, aber inhaltlich und bzgl. des Anspruchs bewegt es sich kaum über dem Niveau einer Samstagabend-Schmonzette im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Was aber auch gar nicht schlimm ist und auch mal sein muss – denn von der “typischen” Frauenlektüre ist es zum Glück doch sehr weit entfernt. Für mich hat es sich auf jeden Fall gelohnt, das Buch aus dem Müll zu retten!
(6 von 10)
Cecily von Ziegesar – Gossip Girl Vol. 2
Viel kann ich zu diesem zweiten Teil der Gossip Girl Reihe nicht sagen; inhaltlich geht es auch weiterhin um die reichen und schönen Teenager aus New Yorks Upper East Side, hauptsächlich Serena und Blair, die sich in diesem Band wieder miteinander vertragen und erneut BFFs werden, Blairs verzweifelte Versuche, endlich zum ersten mal mit ihrem Freund Nate zu schlafen, der wiederum eine Beziehung mit Jenny, der Schwester von Dan, anfängt, der nicht zu den Reichen und Schönen gehört, aber eine Beziehung mit Serena anfängt und– ich glaube, das ist schon Beschreibung genug. Im Mittelpunkt dieses Bandes steht außerdem die zukünftige Uni-Karriere der Protagonisten und der Höhepunkt war das Interview von Blair in Yale, das sie so richtig peinlich in den Sand gesetzt hat, nachdem sie den Abend zuvor mit dem Sohn des neuen Mannes ihrer Mutter, die von Blairs (schwulem) Vater verlassen wurde, in einem dreckigen Hotelzimmer mit viel Alkohol, Gras und ungesundem Essen verbracht hat.
Gossip Girl ist weiterhin so wunderbar ironisch-oberflächlich geschrieben und dreht sich um die gleichen unsympathischen Figuren wie zuvor – und deswegen hat auch der zweite Band wieder richtig viel Spaß gemacht. Die Serie werde ich definitiv weiter verfolgen, wenn auch die Unterschiede zwischen Büchern und TV-Serie teilweise mehr als nur gruselig sind.
(Die zukünftigen Bände werde ich aber – sofern sie nicht etwas Besonderes beinhalten – nicht mehr rezensieren, sondern nur erwähnen.)
(7 von 10)
Simon Beckett – Leichenblässe
Der dritte Band aus der Reihe um den forensischen Anthropologen David Hunter, auf den am Ende des zweiten Bandes ein Mordanschlag verübt wurde (upsi, Spoiler!) und der den Leser mit einem sehr fiesen cliffhanger zurückließ. Spätestens als jedoch der dritte Band angekündigt wurde, war jedem klar: Hunter überlebt sowieso.
Nachdem er sich von den Messerstichen, die ihn eigentlich töten sollten, erholt hat und zugleich nach der Trennung von seiner Freundin Jenny (von der er sich weniger erholt hat), reist David Hunter auf Einladung seines früheren Mentors Tom Lieberman nach Tennessee, um ihn dort bei einem Mordfall – der sich kurz darauf als Beginn einer Mordserie herausstellt – zu unterstützen. Die ansässige Polizei ist von der Anwesenheit des Briten allerdings alles andere als begeistert und lässt ihn das auch spüren. Nach und nach tauchen jedoch mehr Ungereimtheiten bezüglich der Toten und der möglichen Täter auf, und Hunter realisiert: Der Mörder spielt mit ihnen und er selbst und auch seine Freunde in Tennessee schweben in Gefahr…
Gleich zu Beginn: “Leichenblässe” hat mich ziemlich enttäuscht. Für mich ist es der schwächste Teil der (bisherigen) Trilogie; die Geschichte war unspektakulär und ich habe das Grundgerüst in ähnlicher Form schon in dutzend anderen Büchern gelesen – genau wie im Vorgängerband “Kalte Asche”, der mich nach der Chemie des Todes bzgl. Beckett ebenfalls ernüchtert hat. Das einzig relativ Originelle (aber auch nur in Bezug auf die Reihe) waren die Abschnitte, die aus der Sicht des Antagonisten beschrieben waren und die den Leser zunächst auf eine falsche Fährte hinsichtlich dessen Identität führen sollten. Aber auch Einblicke in die Gedankengänge eines Serienmörders sindt ja nun kein besonders innovatives Stilmittel, ebenso die Ablehnung durch die ortsansässige Polizei. (Habe ich ja z.B. erst vor kurzem bei Deavers “Insektensammler” gelesen)
Das Buch hatte ich dennoch recht schnell durchgelesen, jedoch erschien es mir auch um einiges kürzer als die ersten beiden. Kurzweilige Unterhaltung, wenn auch m.E. sehr viel langweiliger als die beiden Vorgänger und mit dem faden Beigeschmack von “Das gab’s doch alles schonmal…”
(Was mir auch aufgefallen ist: Während der erste Titel der Reihe um David Hunter noch ziemlich genau übersetzt wurde (“The Chemistry of Death”), hat man sich bei den beiden Nachfolgern für abweichende Titel entschieden (“Written in Bone” -> Kalte Asche; “Whispers of the Dead” -> Leichenblässe), obwohl die Originaltitel m. E. eigentlich recht gut ins Deutsche hätten übernommen werden können.
Aber auch das ist ja leider nichts Neues…)
(6 von 10)
Nicholas Sparks – The Notebook (Audiobook)
Es mag überraschen, dass ich überhaupt freiwillig ein Buch von Nicholas Sparks, der ja nun eher für seine trivialen Frauenromane bekannt ist, zur Hand nehme (bzw. in meinen CD-Spieler lasse). Nachdem ich aber gerade zu “The Notebook” mehr als nur eine positive Stimme vernommen habe – wobei sich das wohl zumeist auf den Film, der auf dem Buch basiert, bezieht – habe ich dem kleinen Büchlein eine Chance gegeben; es hat mich mit einer gespaltenen Meinung zurück gelassen.
Die Handlung ist in zwei Erzählstränge aufgeteilt: Die Rahmenhandlung spielt in einem Altenheim, in dem ein älterer Herr einer Frau eine Geschichte – ihre Liebesgeschichte, die er vor Jahren aufgeschrieben hat – vorliest. Diese Liebesgeschichte nun gehört zum banalsten und kitschigsten, was ich seit langem (sprich: seit Twilight) gelesen habe. Noah und Ally verlieben sich als Teenager ineinander und erleben gemeinsam die erste große Liebe, werden jedoch – weil Ally mit ihrer Familie wegzieht – auseinander gerissen. Einige Jahre später ist Ally mit einem Anwalt verlobt, will Noah jedoch ein letztes mal wiedersehen und fährt in das Kaff, in dem sie ihre gemeinsame Jugend verbracht haben. Nun kann man sich denken, was passiert… die beiden lieben sich natürlich immer noch und lassen ihre Beziehung wieder aufleben. Noah erfährt, dass Ally seine Briefe nie erhalten hat, weil ihre Mutter sie vor ihr versteckt hat. Besagte Mutter taucht dann auch auf, entschuldigt sich bei ihrer Tochter und warnt sie, dass ihr Verlobter auf dem Weg ist. Nun muss Ally sich zwischen den beiden entscheiden. Spoiler: Sie entscheidet sich – surprise, surprise! – für Noah und ihr Verlobter, der scheinbar der netteste Mensch auf Erden ist, akzeptiert das auch einfach so.
Dieser gesamte Liebesschnulzenteil war für mich eine Zumutung und hat das Im-Stau-Stehen auf der Autobahn noch viel schlimmer gemacht, als es sowieso schon war. Die Liebesszenen waren derart schwulstig geschrieben, dass ich das Gefühl hatte, einen Groschenroman für 2 Euro zu lesen. Beide Protagonisten waren natürlich auch unbeschreiblich attraktiv, hatten keine Fehler – Noah der Dichter, der seiner Ally, die natürlich Künstlerin ist, immer wieder wunderschöne Gedichte schreibt und vorliest… dieser gesamte Teil war für mich Brechmittel par excellence und strotzte vor tausendmal zuvor benutzten Klischees.
Aber! Nachdem der unerträglich schmalzige Teil vorbei war und die Geschichte wieder zur Rahmenhandlung im Altenheim zurückkehrte, wurde es tatsächlich wieder besser und interessanter. Natürlich ist “Sie hat Alzheimer und erkennt ihre große Liebe nicht mehr” auch nicht gerade innovativ zu nennen, aber – und das hat mich persönlich überrascht – dieser Teil der Erzählung hat mich berührt. Wie Ally nach und nach von der Krankheit verschlungen wird, ist – so denke ich – relativ realistisch erzählt, natürlich auch stark auf die Tränendrüse gedrückt, aber… als jemand, der verdammt große Angst vor einer solchen Krankheit hat (ob sie nun mich ober ein Familienmitglied treffen mag), war ich wirklich ein wenig emotional involviert.
Deswegen fällt es mir auch recht schwer, nun eine eindeutige Bewertung abzugeben. Ich würde das Buch eigentlich absolut niemandem empfehlen, höchstens vielleicht wenn man urplötzlich vom Bedürfnis nach einer möglichst kitschigen Geschichte übermannt wird – soll ja vorkommen. ![]()
Unabhängig vom besser geschriebenen zweiten Teil, der jedoch kürzer ausfällt (oder mir zumindest kürzer vorkam als die ach-so-romaaantische Liebesgeschichte), war der Schreibstil insgesamt nicht mein Fall. Wie bereits zuvor erwähnt, fand ich besonders die Szenen, in denen Ally und Noah miteinander geschlafen haben, extrem grausig und irgendwo zwischen schlechtem Fanfic und Groschenroman anzusiedeln. (Mutig fand ich jedoch, dass am Ende angedeutet wird, dass die beiden als Rentner Sex miteinander haben
Das ist ja eher ein Tabuthema.) Die Charaktere waren mir (im ersten Teil) zu sehr Mary Sue / Gary Stu, sodass eine Identifikation überhaupt nicht möglich war. Auch mögliches Konfliktpotential – z.B. durch die Mutter oder den Verlobten – wurde nicht genutzt, weil alle ja ach-so-verständnisvoll waren. Auch die Auflösung, dass Ally sich für Noah entscheidet, war schlicht und ergreifend vorhersehbar. Spannung war an keiner Stelle im Buch vorhanden.
(4 von 10 – aber auch nur wegen des zweiten Teils!)
Bücher im November – Part II
Ich gestehe, der zweite Eintrag zum November hat ein wenig auf sich warten lassen. Das lag zum einen daran, dass ich Ende Dezember und Anfang Januar viel in der Gegend herumgefahren bin – wenn ich nicht gerade irgendwo eingeschneit war – und zum anderen daran, dass ich plötzlich meine bereits geschriebenen Rezensionen nicht mehr finden konnte…
Nun sind sie wieder aufgetaucht und es folgt: Bücher im November, Part 2!
Jeffery Deaver – Der Insektensammler
Von Deaver habe ich vor gefühlten zehn Jahren bereits einen Thriller gelesen: “Der Knochenjäger”, populär geworden durch die Verfilmung mit Denzel Washington und Angelina Jolie. Ich hatte die Geschichte als äußerst unterhaltsam und spannend in Erinnerung – aus diesem Grund habe ich gleich zugesagt, als mir “Der Insektensammler” zum Ausleihen angeboten wurde.
Die Protagonisten sind noch immer die gleichen wie bei “Der Knochenjäger”: Der im Rollstuhl sitzende, fast vollständig gelähmte New Yorker Polizist Lincoln Rhyme sowie seine Assistentin (und Freundin) Amelia Sachs. Um an Lebensqualität zu gewinnen und sich wieder mehr bewegen zu können, reisen die beiden nach North Carolina, damit Rhyme sich dort einer nicht ungefährlichen Operation unterziehen kann. Wie es der Zufall so will, werden die beiden jedoch von der örtlichen Polizei in einem nahe gelegenen Kaff in einen Mord- und Entführungsfall hineingezogen. Der 16jährige – allen im Dorf suspekte – Insektenfanatiker Garett soll einen anderen Jungen ermordet und zwei Mädchen entführt haben; die Polizisten sind mit der Situation überfordert und so lassen sich Rhyme und Sachs widerwillig auf die Zusammenarbeit ein. Zunächst von der Dorfpolizei abgelehnt, überzeugen die beiden sie bald von der ungewohnten, penibel ausführlichen Ermittlungsarbeit – und der Junge wird gefangen. Über den Aufenthaltsort seiner Opfer schweigt er sich jedoch aus. Sachs, voller Mitleid und von der Unschuld des Jungen überzeugt, befreit ihn schließlich aus dem Gefängnis und flieht gemeinsam mit ihm in den Sumpf…
Bezüglich meiner Erinnerungen an den Knochenjäger hat mich der Insektensammler ehrlich gesagt ziemlich ernüchtert. Zwar kann ich durchaus behaupten, einen spannenden Roman gelesen zu haben – von einem “Thriller” und Anforderungen an mich als Leser war jedoch kaum etwas zu spüren. Das Buch hatte einige interessante Wendungen, die allerdings insgesamt kaum überzeugen konnten. Ein Beispiel, großer Spoiler: Sachs erschießt auf der Flucht aus Versehen einen Polizisten und natürlich ist deswegen ihre Karriere als Polizistin zu Ende und sie muss mit der Todesstrafe rechnen. Am Ende stellt sich heraus: Der Polizist war einer von den Bösen. Das hat mir enorm missfallen, da ich den Zwist eines solchen “Unfall”-Mordes zwischen Polizisten gerne gelesen hätte – so wurde jedoch ein Friede-Freude-Eierkuchen-Ende daraus und obwohl Sachs sich zuvor fast schon suizidal verhält, weil sie einen Menschen erschossen hat, ist danach wieder alles okay. Auch wenn er ein “Böser” war… war er nicht trotzdem ein Mensch? Und ist es für Polizisten nicht immer schlimm, jemanden zu töten – auch, wenn es sich z.B. um Notwehr handelt?
Das nur als Beispiel für einen Aspekt, der mir missfallen hat und aus dem man einfach mehr hätte machen können.
Aber ich möchte das Buch nicht nur schlecht machen: Die Protagonisten sind nach wie vor interessant und wie Rhyme mit seiner Behinderung umgeht – nämlich insofern, als dass er gerne andere Menschen in ihrer Befangenheit bloßstellt und provoziert, bis sie ihn als “normalen” Menschen ansehen und auch so behandeln – gefällt mir nach wie vor und die Beziehung zwischen Rhyme und Sachs ist auch immer wieder schön zu lesen. Außerdem kann die Geschichte so schlecht nicht gewesen sein, da sie mir tatsächlich eines nachts einen Alptraum bescherte. Bücher, die sich derart in mein Unterbewusstsein und gar in meine Traumwelt einnisten, sind eigentlich zumeist das Lesen wert.
Ob ich einen weiteren Roman der Reihe lesen werde – ich wusste vorher gar nicht, dass es sich überhaupt um eine Reihe handelt – weiß ich allerdings noch nicht.
(6.5 von 10)
George Orwell – 1984
Ein Klassiker, den ich bisher beschämenderweise noch nicht gelesen habe – als ich ihn im Buchregal von boyfriends Schwester entdeckte, habe ich mir das Buch sofort geschnappt, um diese Bildungslücke zu schließen.
Protagonist der Geschichte ist der Mitdreißiger Winston Smith, der im sogenannten “Wahrheitsministerium” für die Regierung arbeitet und Zeitungsberichte der Vergangenheit fälscht oder gänzlich vernichtet, um die Partei so gut wie nur möglich dastehen zu lassen. Er lebt im totalitären Überwachungsstaat Ozeanien, das permanent gegen einen der anderen beiden Weltstaaten Eurasien und Ostasien Krieg führt und das von einem fiktiven Führer, dem “Großen Bruder”, geleitet wird. Jeder Mensch wird tagtäglich von dutzenden Überwachungskameras – sogar in der eigenen Wohnung – auf möglicherweise parteifeindliches Verhalten beobachtet und bei der kleinsten Verdächtigung festgenommen und gefoltert, bis er seine bösartigen Gedanken gesteht – ob sie der Wahrheit entsprechen oder nicht – und schließlich eliminiert, als hätte er nie existiert.
Smith ist jedoch in seinem Inneren ein Gegner der Partei und sucht nach Verbündeten im Kampf gegen das System. Zugleich verliebt er sich in seine Kollegin Julia und beginnt mit ihr – obwohl auch dies zur Höchststrafe führen kann, da Sexualität ausschließlich der Fortpflanzung dienen soll – eine heimliche Liebesbeziehung. Schließlich wird er aber von einem vermeintlichen Mitglied der Untergrundbewegung, die sich gegen die Partei auflehnt, verraten, verhaftet und ins “Ministerium für Liebe” gebracht, in dem sein Wille durch Folter gebrochen werden soll…
Wenn ich bedenke, dass das Buch bereits 1949 verfasst wurde, bekomme ich ein bisschen Angst. Viele der gruseligen Dinge, die in der von Orwell beschriebenen Dystopie an der Tagesordnung sind, erscheinen heute gar nicht mehr so unwahrscheinlich wie vielleicht noch vor 50 Jahren. (Stichwort Überwachungskameras, zur “Sicherheit” natürlich…)
.. ehrlich gesagt kann ich nicht viel mehr dazu sagen, als dass es sich um eine gerade in der heutigen Zeit empfehlenswerte (wenn auch zugegebenermaßen an einigen Stellen schwer zugängliche) Lektüre handelt, die in den vergangenen Jahren nichts an ihrer Aktualität verloren hat. Außerdem ist es ein Klassiker, den man einfach gelesen haben sollte. Wie Faust. Oder so. ![]()
(8 von 10)
Frank McCourt – ‘Tis: A Memoir
Und wieder ein Buch, das mir ausgeliehen wurde… hätte ich nicht so viele lesende Bekannte, hätte ich vermutlich sehr viel weniger Lesestoff.
Dieses Büchlein jedenfalls stammt aus dem Englisch-Unterricht von boyfriend und weist witzigerweise aus diesem Grund am Ende der ersten Kapitel einige mit Bleistift reingekritzelte Vokabeln auf. Süß!
Kurz und knapp zusammengefasst handelt es sich um die autobiographischen Aufzeichnungen des Autors bzw. dessen Jugend und Erwachsenwerden; in den USA geboren, wieder in die Heimat der Vorfahren Irland zurückgekehrt und schließlich im Alter von 19 Jahren 1949 wieder nach New York zurück gekehrt, arbeitet Frank zunächst in kleinen Jobs mit Hungerlöhnen und wohnt in heruntergekommenen “Wohnungen” mit teilweise bizarren Vermietern und Mitbewohnern. Schließlich geht er für einige Zeit zur Armee und kann anschließend trotz fehlendem Schulabschluss die NY University besuchen. Dort lernt er auch seine zukünftige Frau kennen und ebnet zudem seine Zukunft als Lehrer.
Das klingt nun alles zunächst alles andere als spektakulär oder spannend – und das war es beim Lesen auch nicht unbedingt. Ich kann nicht behaupten, dass ich mich durch das Buch quälen musste oder dass es mir keinen Spaß beim Lesen gemacht hat; aber es hat auch keinen besonders bleibenden Eindruck hinterlassen.
Zwar lässt sich sagen, dass in dem Buch viele interessante und vor allem amüsante Figuren auftauchen und viele Situation wirklich witzig beschrieben sind; natürlich werden aber auch die unschönen Seiten klar aufgezeigt, insbesondere die Armut und wie die Gesellschaft mit den Armen umgeht, und auch Rassismus wird immer wieder thematisiert. Bei mir persönlich sind trotzdem die Emotionen, die die Geschichte vermitteln sollte, einfach nicht wirklich angekommen. Ich habe das Buch distanziert gelesen und hatte, wenn ich ein Kapitel zu Ende gelesen habe, selten das Bedürfnis, es bald wieder in die Hand zu nehmen.
Möglicherweise liegt das aber einfach an mir – denn ich würde nicht behaupten wollen, dass es ein schlechtes Buch ist. Denn das ist es nicht. Es ist nur einfach kein Buch für mich.
(6 von 10)
(Außerdem gelesen: Tomo Takabayashi & Temari Matsumoto – Ab sofort Dämonenkönig! Band 7.)
Und wenn ich eines Tages “Unendlicher Spaß” fertig gelesen habe (aktueller Stand: Seite 920), dann mache ich drei Kreuze in meinen Kalender…
Bücher im November – Part I
Der November war lesetechnisch insgesamt leider sehr mau, obwohl ich es tatsächlich geschafft habe, zumindest jeden Abend noch ein paar Seiten – und wenn es noch so wenige waren – zu lesen. Da ich mir für den Dezember den ~1600 Seiten Wälzer “Unendlicher Spaß” vorgenommen habe, nehme ich nun doch endgültig Abschied vom Projekt “100 Bücher in einem Jahr”. Aber hey – vielleicht klappt es ja 2010…
Without further ado kommen wir aber jetzt erstmal zu der Belletristik aus dem November 2009:
Simon Beckett – Kalte Asche
“Kalte Asche” ist die Fortsetzung zur Chemie des Todes, die ich im vorherigen Monat gelesen habe – und es hat mir tatsächlich fast genau so gut gefallen wie der Vorgänger.
Protagonist ist nach wie vor der forensische Anthropologe David Hunter, dessen neuester Fall ihn auf eine schottische Insel jenseits der Zivilisation führt. (Interessant, dass die Fälle bisher immer in abseits gelegenen Orten und bisher niemals in Großstädten spielen.
) In einer Hütte auf besagter Insel wurde eine verbrannte Leiche gefunden, die jedoch alles andere als normal aussieht: Nur Asche ist von ihr übrig geblieben – die Füße allerdings sind unversehrt. Während der Suche nach dem Mörder, der sich – natürlich – auf der Insel befindet, zieht – natürlich – ein Sturm auf, der die Insel vollständig von der Außenwelt abschneidet. Weitere Menschen sterben, jeder verdächtigt jeden und schließlich wird David selbst zum Opfer eines Mordanschlags…
Die Story ist nicht besonders innovativ: Das Szenario eines Mordfalls und der Suche nach dem Mörder auf einer abgelegenen Insel, die völlig überraschend durch einen Sturm von möglicher Hilfe abgeschnitten wird, ist alles andere als neu und m. E. auch ziemlich überstrapaziert. Da war das Szenario in “Die Chemie des Todes” doch um einiges ansprechender.
Unabhängig davon war der Fall jedoch tatsächlich wieder sehr spannend geschrieben und das Rätselraten um den Täter weniger vorhersehbar als zuvor. Das Ende hat mich überrascht, ist jedoch durch den Pathos – den ich hier aber verschweige, ich möchte ja nicht immer spoilern – ins Lächerliche geglitten.
Was so richtig, richtig gemein ist: Am Ende gibt es – nach Auflösung des Falls – einen bösartigen cliffhanger. Und ich habe die Fortsetzung leider erst vor kurzem in der Bibliothek beantragt. Wer weiß, wie lange ich nun darauf warten muss!!
(7.5 von 10 – gut erzählte Geschichte, gute Charaktere, langweiliges Szenario.)
Kristin Chenoweth – A little bit Wicked: Life, Love, and Faith in Stages (Audiobook)
Begeistert von Kristin Chenoweth als Schauspielerin bin ich, seit ich sie als Olive in Pushing Daisies gesehen habe. Auch ihre musikalischen Fähigkeiten außerhalb der Serie konnten mich (trotz der teilweise sehr religiösen Inhalte) ansprechen. Da sie mir auch sonst sehr witzig und sympathisch erschien – ich sage nur “Taylor, the Latte Boy”! – habe ich mir ihre Autobiographie als Audiobook besorgt und sie teils im Auto, teils auf dem Crosstrainer (R.I.P. ;( ) angehört.
Zunächst muss ich betonen, dass ich eigentlich kein großer Freund von (Auto-)Biographien bin – umso erstaunlicher, dass mir “A little bit wicked” unglaublich gut gefallen und mich zuweilen sehr berührt hat. Ein großer Pluspunkt ist hier natürlich, dass Kristin ihr Buch selbst liest und ihr kleines Lachen und die Singeinlagen an entsprechenden Stellen lassen es extrem lebendig wirken – so als würde sie mir persönlich ihre Lebensgeschichte erzählen. Besonders amüsiert hat mich der immer wiederkehrende Verweis auf ihre SitCom “Kristin”, a huuuge hit, huuuuge success, must-see, die in den USA – darauf wird in einem späteren Kapitel explizit eingegangen – leider tragisch untergegangen ist.
Das Leben von Kristin wird mehr oder weniger chronologisch erzählt; es beginnt mit ihrer Kindheit und den ersten Anfängen ihrer Karriere als Sängerin und Schauspielerin, Schule und Studium, ihre Erlebnisse in Musicals, TV-Shows, viel zu ihren Schauspieler-/Sänger-/Musical-Kollegen und Freunden (ihr bester Freund sowie ihre On-/Off-Romanze dürfen sogar selbst einiges erzählen – das finde ich besonders schön gemacht) und auch viele Verweise auf ihren Glauben. Zunächst hat mich das ein wenig befremdet, obwohl ich bereits zuvor wusste, dass sie sehr religiös ist. Da sie aber zugleich eine extrem tolerante Christin ist – etwas, was mir persönlich bisher eher selten begegnet ist, abgesehen von einigen positiven Ausnahmen – hat es mich bald nicht mehr gestört; im Gegenteil ist es für mich als Atheistin gelegentlich sogar sehr interessant, den Glauben und seine Relevanz im Leben von anderen (vernünftigen!) Menschen erklärt zu bekommen. So gesehen war das Buch auch für mich vielleicht ein Weg, der Religion gegenüber toleranter zu sein, auch wenn ich sie nach wie vor persönlich (!) als Opium für’s Volk betrachte.
Um auf das Buch zurückzukommen: Kristins Lebensgeschichte und ihre teilweise auch sehr persönlichen Anekdoten (z.B. der Bezug auf verstorbene Familienmitglieder oder auch die Krebserkrankung ihrer Mutter) waren sehr interessant. Unabhängig von den Einblicken in ihr Leben – und davon gibt sie viele, u.a. auch auf “dunkle” Episoden – erfährt man auch sehr viel über das Musical- und TV-Business in den USA.
Ich denke, dass “A little bit wicked” vorwiegend für Fans von Kristin Chenoweth interessant ist – aber auch, wenn man sie nur “gut” findet, ist es ein Buch, das es m.E. wert ist, gelesen zu werden. Spätestens nach der Lektüre ist man sowieso Fan geworden. ![]()
(8.5 von 10 – mit Fan-Bonus!)
David Guterson – Snow Falling on Cedars
Von diesem Buch wusste ich bereits seit einiger Zeit, dass es zu boyfriends Favoriten gehört. Nachdem ich es gelesen habe, weiß ich auch, warum das so ist.
Im Jahr 1954 wird der japanisch-stämmige Fischer Kabuo auf einer Insel an der Nordwestküste der USA des Mordes an einem anderen Fischer – seinem früheren besten Freund Carl – angeklagt. Die Gerichtsverhandlung Kabuos, der seine Unschuld beteuert, bildet den Rahmen der Geschichte. Ishmael, der Journalist der Insel, findet jedoch nach einiger Zeit einen Beweis für Kabuos Unschuld. Doch er ist seit Kindertagen in die Frau von Kabuo verliebt, mit der er früher eine Liebesbeziehung hatte, bevor sie während des Zweiten Weltkriegs mit ihrer Familie (und allen anderen Japanern) in ein Internierungslager gebracht wurde…
Mal wieder einer meiner Lieblingssprüche: Die Geschichte ist hier nur sehr knapp zusammengefasst, denn sie ist eigentlich sehr viel komplexer und vermutlich könnte ich noch Seiten mit dem Inhalt füllen. Das unterlasse ich hier jedoch.
Ich hatte zugegebenermaßen meine Schwierigkeiten, in das Buch reinzufinden, da es in – so behaupte ich – relativ anspruchsvollem Englisch geschrieben ist und für mich zu Beginn nicht immer klar ersichtlich war, wie genau die Handlung aufgeteilt ist und von welchen Zeitpunkten aus gerade erzählt wird. Der Schreibstil ist komplex und sehr bildlich, die Dialoge stehen eher im Hintergrund. Nichtsdestotrotz und obwohl sehr wenig per se “passiert” bzw es keine Action im klassischen Sinne gibt, hat mich das Buch aufgrund der aufgebauten Spannung schnell gefesselt, da bis kurz vor den letzten Seiten noch immer noch klar ist, wie die Verhandlung ausgehen wird. Als problematisch empfand ich zwischendurch, dass die Geschichte wirklich extrem langsam und – für meinen Geschmack – fast schon ein wenig zu detailverliebt erzählt wird.
Interessant fand ich auch, dass keiner der Charaktere so richtig meine Sympathien erzielen konnte, weil irgendwie alle ziemlich damaged oder– nun, schlicht unsympathisch in ihrem Denken und Handeln waren – auch wenn dies natürlich alles in den damaligen schweren (Kriegs-)Zeiten begründet liegt. Den steten Wechsel der Perspektiven, das Hin- und Herspringen zwischen Gerichtsverhandlung in der Gegenwart der Geschichte und dem Aufdecken der Vergangenheit der Charaktere und insbesondere des “Verbrechens” waren eindrucksvoll gestaltet.
Auch die zahlreichen geschichtlichen Details bzgl. der Situation von Japanern in den USA zur Zeit des zweiten Weltkriegs waren ansprechend in die Geschichte eingewoben und konnten so – zumindest bei mir – noch einen kleinen historischen Lerneffekt erzielen. ![]()
(8.5 von 10)
Bücher im Oktober – Part II
Und weiter geht’s!
Simon Beckett – Flammenbrut
Das zweite Buch aus der entliehenen Beckett-Reihe. Die Erwartungen waren hoch: Obsession war sehr unterhaltsam und die Story von Flammenbrut ließ einen interessanten Psycho-Thriller erwarten. So wirklich erfüllt hat sich meine Hoffnung jedoch leider nicht.
Kate Powell arbeitet in einer Werbeargentur und freut sich des Lebens, denn sie hat gerade einen großen, wichtigen Auftrag an Land gezogen, an dem auch ihr Ex-Freund interessiert war. Doch Kate verspürt plötzlich den Wunsch nach einem eigenen Kind – aber bitte ohne Freund oder gar Ehemann. Die gänzliche Anonymität eines Spenders kommt für sie jedoch ebenfalls nicht in Frage und so sucht sie mittels eines Inserats in verschiedenen Zeitungen nach einem geeigneten Mann, den sie vorher zumindest kennen lernen kann. Bald meldet sich auch tatsächlich eine vermeintlich gute Partie: Ein junger Psychologe namens Alex Turner. Obwohl Alex sich sehr merkwürdig verhält, trifft sich Kate immer häufiger mit ihm, entscheidet sich für ihn als Spender und beginnt sogar eine Beziehung mit ihm. Doch das ist keine besonders gute Idee…
Die Geschichte ist ungemein vorhersehbar. Es ist von vorneherein jedem klar – vermutlich sogar, wenn man diese Zusammenfassung der Story liest -, dass Alex Turner nicht der ist, für den er sich ausgibt. Permanent wird sein merkwürdiges Verhalten aus Kates Sicht geschildert und ebenso permanent fragt man sich, wieso diese Frau nicht realisiert (oder nicht realisieren will), dass es sich um eine psychisch kranke Person handelt; diese derartig fahrlässige Naivität macht mir die Protagonistin extrem unsympathisch, ebenso ihr Verhalten gegenüber ihrer besten Freundin und noch tausend andere Dinge, die einfach nicht nachvollziehbar sind.
Ich möchte das Buch nicht nur schlecht machen – es hatte durchaus seine spannenden Momente und psychologisch betrachtet war die Beschreibung des Pyromanen (“Flammenbrut” ist da wieder mal ein ungemein subtiler deutscher Titel, bei dem man nur die Augen rollen kann…), seines Denkens und seiner Handlungen sehr aufschlussreich.
Das Ende hat gut angefangen (wenn man das so sagen darf
) und blöde aufgehört. Der Stil war nicht immer das Gelbe vom Ei, aber noch akzeptabel. (Wie bereits gesagt: Die Unterschiede zu späteren Werken sind gewaltig. Das kann nicht an der Übersetzung liegen…)
Fazit: Flammenbrut hat mir nicht so gut gefallen wie Obsession und reicht bei weitem nicht an Die Chemie des Todes (und Nachfolger) ran – was vermutlich daran liegt, dass es bereits 1997 von Beckett verfasst wurde. Es ist kein schlechtes Buch, aber m.E. auch kein wirklich Gutes. Empfehlen würde ich es höchstens als unterhaltsame, aber leidliche spannende, weil zu vorhersehbare Unterhaltungslektüre z.B. auf langen Bahnfahrten.
(6 von 10)
Erich Kästner – Fabian. Die Geschichte eines Moralisten
Ich muss gestehen, dass ich zu den Menschen gehöre, die einige Jahre lang glaubten, dass Erich Kästner ausschließlich im Bereich Kinder- und Jugendliteratur aktiv war. Erst im Studium habe ich erfahren, dass er durchaus auch Werke für Erwachsene verfasst hat. Fabian wurde mir vor kurzem ausgeliehen und ist mein erstes Nicht-KJL-Buch von Kästner.
Jakob Fabian ist 32 Jahre alt und schreibt Werbetexte für eine Zigarettenfirma. Im Zuge der Wirtschaftskrise wird er jedoch entlassen und sucht in seiner Heimatstadt Berlin (erfolglos) nach einer neuen Arbeit. Als er eines Abends mit seinem besten Freund Stefan Labude durch die Straßen zieht, lernt er die junge Schauspielerin Cornelia kennen und beginnt mit ihr eine Liebesbeziehung; diese geht jedoch in die Brüche, als Cornelia mit einem bekannten Regisseur schläft, um eine große Filmrolle zu ergattern. Und es kommt noch schlimmer: Als Labudes Habilitationsschrift abgelehnt wird, begeht er Selbstmord. Nachdem Fabian erfährt, dass es sich bei der Ablehnung nur um einen Scherz eines Assistenten handelte, kehrt er in seinen Geburtsort Dresden zurück und ertrinkt schließlich, als er einen kleinen Jungen retten möchte, der in einen Fluß gefallen ist.
Das Buch hat durchaus seine Momente, die mich zum Schmunzeln gebracht haben – insbesondere die schonungslose Entlarvung und das Ironisieren bestimmter gesellschaftlicher Phänomene (die noch immer aktuell sind, z.B. das “Hochschlafen” im Berufsleben, Rassismus, wirtschaftliche Krisensituationen & die damit verbundene hohe Arbeitslosigkeit, die Definition von “Moral”, die Beziehungen zwischen Mann und Frau / Geschlechterrollen, etc.) machen das Buch zu einer sehr intelligenten Lektüre. Fabian selbst, der kaum aktiv ist, sondern primär beobachtet und seine sarkastischen Kommentare zu den verschiedenen Gestalten, auf die er trifft, waren teilweise enorm amüsant zu lesen. Dass es sich keineswegs mehr um ein auf jüngere Leser zugeschnittene Geschichte handelt, wird auch am überproportional großen Anteil von Erotik erkennbar – auch diese Szenen waren jedoch zumeist sehr witzig, insbesondere zu Beginn, als Fabian von einem Vollblutweib nach Hause geschleppt wird und urplötzlich deren Mann auftaucht, der Fabian dazu motiviert, mit seiner Frau zu schlafen, weil sie durch zu wenig Sex unausstehlich wird.
Als etwas merkwürdig empfand ich allerdings den Suizid von Fabians Freund Labude (spoiler), der auf einem Missverständnis beruhte und noch dazu dann der bizarre Tod von Fabian am Ende des Buches (spoiler²). Da ich mich aber zurzeit von meiner Zeit als Literatur-Studentin erhole, hatte ich ehrlich gesagt keine allzu große Lust auf tiefergehende Interpretationen und habe die “Merkwürdigkeit” als solche hingenommen. Positiv anzumerken ist dabei zumindest, dass dieses Ende mich überrascht hat – das kommt nicht häufig vor.
Nichtsdestotrotz eine interessante zeitgenössische “Warnung” in Literaturform, die jedoch nicht ernst genug genommen wurde.
(7 von 10)
Simon Beckett – Die Chemie des Todes
Das dritte Buch in meinem Beckett-Marathon – und auch das Beste.
David Hunter, früher ein renommierter forensischer Anthropologe, zieht nach dem Unfalltod seiner Frau und Tochter in ein kleines Kaff namens Manham, das jenseits der Zivilisation liegt. Dort arbeitet er als Allgemeinmediziner unter Dr. Maitland – ebenfalls Opfer eines Unfalls und an den Rollstuhl gefesselt – und verschweigt seine Vergangenheit. Eines Tages finden jedoch zwei junge Brüder die Leiche einer Frau aus dem Ort, an deren Rücken zwei Flügel gebunden wurden. Nachdem der Inspector des Ortes David lange genug bedrängt hat, willigt dieser ein, die Obduktion der Leiche vorzunehmen. Nur kurze Zeit später verschwindet eine zweite Frau aus dem Dorf und David wird entgegen seines Willens immer tiefer in die Suche nach dem Mörder involviert…
Für mich persönlich ist Die Chemie des Todes eine richtige Überraschung gewesen. Das liegt zunächst – wie ich bereits zuvor mehrfach erwähnt habe
– an der extrem positiven Veränderung von Becketts Schreibstil im Vergleich zu Obsession und Flammenbrut.
Zunächst hatte ich ob der Inhaltsangabe des Buches immer darauf verzichtet, mir dieses Buch zuzulegen – aber wie so oft, wird der Text auf dem Buchrücken der Story nicht gerecht. Ich habe lange keinen spannenden und in sich schlüssigen (!) Thriller gelesen, den ich kaum noch aus der Hand legen wollte und dessen Ende mir – auch, wenn es leider ab etwa Seite 200 (teilweise!) nicht mehr wirklich überraschend war, wer hinter den Morden steckt – gut gefallen hat. Dazu kommt, dass David ein extrem sympathischer Protagonist ist, mit dem man (oder zumindest ich
) sich gerne identifiziert und mitleidet. Zudem bin ich ein großer Fan von Büchern (und TV-Serien), die sich mit forensischer Anthropologie auseinander setzen – sofern sie gut geschrieben sind und tolle Charaktere haben. Beides ist hier der Fall und ich bin froh, dass David Hunter auch noch in weiteren Büchern auftaucht!
(8.5 von 10 – Abzug für einen zu leicht identifizierbaren Mörder!)
Bücher im September – Part III
Nun, ich gestehe, das mit “Anfang nächster Woche” war mal wieder ein Schuss in den Ofen. Nichtsdestotrotz ist noch immer Oktober, das heißt, ich liege in der Zeit.
(Und aus irgendeinem Grund hatte ich in der letzten Woche relativ viele Klicks – woran liegt das bloß? Gibt es tatsächlich noch Leute, die auf meine Einträge warten?)
Stephen King – In einer kleine Stadt
Dieses Buch habe ich bereits vor– ich glaube, sogar vor mehr als einem Jahr von einem lieben, ebenfalls Stephen King liebenden Kommilitonen geschenkt bekommen. Da es sehr, sehr umfangreich war und mich die ersten paar Seiten nicht wirklich angesprochen haben, lag es eine Weile unberührt auf meinem Nachttisch. Kurz vor dem Urlaub habe ich dann aber doch endlich angefangen, es zu lesen, und wurde tendenziell positiv überrascht.
Die Geschichte spielt tatsächlich “in einer kleinen Stadt”, namentlich Castle Rock, in der jeder jeden kennt, alle neu Hinzugezogenen böse Außenseiter sind und es zumeist auch sehr lange bleiben. Nicht jedoch Leland Gaunt, der einen Laden namens “Needful Things” (so übrigens der weitaus plausiblere Original-Titel des Buches) eröffnet und dort merkwürdige Raritäten anbietet. Für jeden Bewohner Castle Rocks gibt es den perfekten Gegenstand – zum Beispiel eine seltene, signierte Baseball-Karte, eine Sonnenbrille von Elvis Presley oder eine hübsche Blumenvase. Doch neben einem kleinen finanziellen Beitrag, der an den jeweiligen Käufer angepasst wird, müssen sie Gaunt auch einen Gefallen tun – sie sollen anderen Bewohnern kleine, vermeintlich harmlose Streiche spielen (z.B. Dreck auf die frisch gewaschenen Laken werfen oder den Hund mit einem Korkenzieher erstechen). Nach und nach geraten diese Streiche jedoch außer Kontrolle und bald herrscht – weil das bei Stephen King nunmal so ist – Mord und Totschlag in der kleinen Stadt…
Nachdem mich der Prolog des Buches eher irritiert als zum Weiterlesen motiviert hat, habe ich mich doch relativ schnell in die Geschichte reingelesen und auch bald einen Überblick über die zahlreichen Bewohner der kleinen Stadt gewonnen (wenn es auch später ab und zu noch zu kleinen Verwechslungen gekommen ist, weil es wirklich viele Charaktere waren…).
Insgesamt fand ich die Geschichte sogar sehr spannend, obwohl sie meines Erachtens nicht unbedingt das innovativste Werk Kings darstellt und die Protagonisten nicht so sympathisch waren wie z.B. die aus der Dunklen Turm Reihe oder anderen Büchern. Die Spannung und das Bedürfnis, den Ausgang der Geschichte zu erfahren, waren auch nie so groß, als dass ich mitten während des Lesens abbrechen und etwas anderes tun konnte. Kein gutes Zeichen.
Interessant fand ich die Anspielungen auf andere Werke Kings, die ebenfalls in Castle Rock gespielt haben. Im Buch selbst aufgefallen sind mir nur “Cujo” und “Stark – The Dark Half”, nachgelesen habe ich aber, dass auch “Dead Zone” erwähnt wurde. Metatextualität (oder ist das eher Intratextualität? Man merkt, ich gehe nicht mehr zur Uni…) dieser Art gefällt mir.
Insgesamt sicherlich ein Werk, dass man – sofern man gerne King liest – relativ uneingeschränkt empfehlen kann. Kritikpunkte: Die Geschichte hätte ein wenig kürzer, kompakter sein können und weniger Charaktere, auf die der Fokus gelegt wird, hätten auch nicht geschadet.
(6.5 von 10)
Kyoichi Katayama – Das Gewicht des Glücks
Nachdem mir der Manga (erschienen als “Cry Out For Love”), der auf diesem Roman basiert, sehr gut gefallen hat, habe ich recherchiert, ob auch die Literaturvorlage auf Deutsch erhältlich ist. Dies war der Fall und so habe ich mir das Buch spontan für den Urlaub zugelegt.
Die Geschichte entspricht ziemlich genau der Comic-Umsetzung: Sakutaro und Aki sind zwei Teenager, die seit Jahren in die gleiche Klasse gehen und sich zögerlich miteinander anfreunden. Es kommt, wie es kommen muss: Sie verlieben sich ineinander, werden ein Paar und verbringen einige glückliche Monate miteinander. Eines Tages muss Aki jedoch ins Krankenhaus und nachdem ihre Eltern ihr zunächst nicht die Wahrheit sagen wollen, erfährt sie schließlich, dass sie unter Leukämie leidet. Sakutaro will Akis Wunschtraum erfüllen und “entführt” sie aus dem Krankenhaus, um mit ihr nach Australien zu reisen. Als es ihr auf der Flucht immer schlechter geht, muss sie schließlich doch zurück ins Krankenhaus gebracht werden und erliegt letztlich ihrer Krankheit. Gemeinsam mit ihren Eltern reist Sakutaro nach Australien, um Akis Asche dort zu verstreuen.
Große Unterschiede gab es zwischen den beiden Versionen nicht – das Buch hat mir jedoch noch ein wenig besser gefallen, weil es einfach mehr über Sakutaros Gefühle verraten hat, als es im Manga möglich war. “Kitschig” waren beide Werke – aber in meinen Augen war es “guter” Kitsch; eine sehr schöne, emotionale Geschichte, die mich auch in Romanform wieder berührt hat.
Empfehlenswert, wenn man eine traurige Geschichte lesen und vielleicht sogar die eine oder andere Träne verdrücken möchte.
(7.5 von 10)
Maria Beaumont – Nullnummern
Dieses kleine Büchlein habe ich von boyfriends Mama geschenkt bekommen, als Geschenk zu meinem (perfekten, beneidenswert guten, überragenden) Uni-Abschluss; “damit du auch mal was Witziges lesen kannst!” Ehrlich gesagt hat mich der Klappentext zunächst eher abgeschreckt, da ich kein Freund von Frauenliteratur dieser Art bin. Gelesen habe ich es aber natürlich trotzdem.
Dayna, Protagonistin dieser Geschichte, ist – wie (natürlich, haha.) alle Frauen – auf der Suche nach ihrem Mr. Right. Wie der Titel vermuten lässt, trifft sie aber immer nur auf “Nullnummern” – Männer, die auf den ersten Blick absolut perfekt wirken, die sich jedoch nach einigen Tagen oder sogar erst nach Monaten als totale Nieten herausstellen. So z.B. der erste Freund Simon, der sie eigentlich fast von Beginn ihrer Beziehung an betrogen hat, oder der Vegetarier Chris, der ihr schließlich doch zu sehr Gutmensch ist, oder aber der Neonazi Archie, dessen Gesinnung Dayna (auf fast schon perfide Art) viel zu spät entdeckt, der überreligiöse Mark, und und und.
Ich weiß schon nicht mehr, wie genau das passiert ist, aber plötzlich ist Dayna schwanger. Das erfährt der Leser aber eigentlich schon zu Beginn, denn als “Interlude” zwischen jedem Kapitel, das den unterschiedlichen “Nullnummern” gewidmet ist, wird erzählt, wie weit sich Daynas Vagina bereits geweitet hat, während sie im Krankenhaus liegt und kurz davor ist, zu werfen.
(An dieser Stelle muss ich anmerken, dass ich den Namen der Protagonistin bei Amazon nachlesen musste – großen Eindruck hat die Geschichte auf mich also nicht wirklich gemacht.)
Das Buch war nicht so schlecht, wie ich es erwartet habe. Es war seichte, teilweise sogar ziemlich witzige Unterhaltung und was den “Frauenliteratur”-Faktor angeht bei weitem nicht so furchtbar wie “PS: I Love You”, welches mir alle fünf Seiten ein genervtes Augenrollen entlockt hat. Dayna war als Protagonistin okay, auch wenn ich es fast schon bedenklich finde, wie spät sie die Gesinnung des Neonazi-Freundes herausgefunden hat – ich denke, hier sollte man eher von (gefährlicher) Verdrängung reden. Etwas gezwungen fand ich die Beschreibung ihres Freundes Chris, der sich schließlich als Chris Martin von Coldplay herausgestellt hat (uhuhuuu… so witzig. Nicht.); der überreligiöse Mark wiederum war amüsant.
Was mir ebenfalls eher missfallen hat, ist, dass sie am Ende doch mit dem ersten, betrügerischen Freund – der alles gevögelt hat, was nicht bei drei auf den Bäumen war – zusammen ist und sogar von ihm ein Kind bekommt. (Ups, Spoiler. Sorry.) Aber vielleicht bin ich nicht “Frau” genug, um das zu verstehen. ![]()
(5 von 10 – für den Amüsierfaktor.)
Das war’s für den September – ich habe es tatsächlich geschafft! Danke an alle, die noch immer mitlesen; Kommentieren und Diskutieren ist übrigens ausdrücklich erlaubt.